Einfach weltklasse! Die Procontour GmbH aus Waldshut erfasst abgefahrene Reifen mit Lasertechnik.
In Sekundenschnelle erfasst der Laser alles, was er über den Reifen wissen muss. Zu lasch, ohne Profil oder Sommerreifen im Winter – alle Daten werden beim Überfahren einer Messstation im Boden gelesen und gespeichert. Ganz automatisch. Speditionen und Autohäuser wissen dadurch gleich über den Zustand eines Reifens Bescheid, sowohl am Privatwagen als auch am Lkw.
Bisher wurde die Profiltiefe per Hand mit einem Messschieber ermittelt. Genauer soll nun die Lasermesstechnik der Procontour GmbH aus Waldshut-Tiengen sein. „Wenn Sie per Hand fünf verschiedene Leute messen lassen, bekommen sie auch fünf verschiedene Ergebnisse“, sagt Fabian Hitzler, Marketingleiter bei Procontour. Wichtigste Aspekte der Messstationen: Sie erhöhen die Sicherheit auf den Straßen und helfen beim Spritsparen.
Installiert werden die Anlagen unter anderem auf dem Gelände großer Raststätten für Fernfahrer. Die Lkws fahren über die Messstation, die Daten werden an die Spedition oder den Reifendienstleister weitergefunkt. „So ein Lkw-Reifen kostet 600 Euro“, erklärt Hitzler. Deswegen mieten die Speditionen die Reifen oft von einem Dienstleister. Dieser habe natürlich ein finanzielles Interesse daran, dass die Reifen möglichst schonend abgefahren werden. Also vor allem mit dem richtigen Luftdruck und der richtigen Spureinstellung fahren. Der richtige Luftdruck ist auch den Speditionen wichtig, ansonsten verbraucht der Lkw zu viel Sprit. Laut einer Studie des Reifenherstellers Continental fahren in Europa alle Lkw durchschnittlich mit etwa 12 Prozent zu wenig Druck in den Reifen.
Und der Reifen habe auch einen wichtigen Umweltaspekt, erklärt Hitzler: „Stimmt der Luftdruck, wird weniger Treibstoff benötigt und damit auch weniger CO verbraucht.“
Noch befindet sich das Unternehmen in der Startphase. „Bisher haben wir an zwei Raststätten die Messanlagen installiert“, schildert Marketing-Leiter Hitzler die aktuelle Lage. Die Standorte sind der Europa-Park-Rasthof Herboldsheim an der A5 und der Autohof Holzland in Hermsdorf (Hermsdorfer Kreuz) in Thüringen. „Wir arbeiten mit einem Investor zusammen, der den Einbau der Anlagen finanziert.“ Pro Anlage sind das etwa 150 000 Euro. Procontour verdient bei jeder Überfahrt, die für Lkw 24 Euro kostet. In der Regel werden die Reifendaten direkt an die Speditionen und Reifendienstleister weitergeleitet. An knapp 30 anderen Tankstellen in Deutschland ist ein Einbau geplant. Der Rasthof an der A5 dient wegen der räumlichen Nähe als Testanlage.
Die Messstationen sind in den Boden eingelassen und verkraften gut das Gewicht eines 40 Tonnen schweren Lkw. Das Verfahren ist, wie das Unternehmen, noch relativ jung. Seit 2006 verfeinern die heute 25 Mitarbeiter ständig die Technik und sind nach eigenem Kenntnisstand eine von nur zwei Firmen, die an der automatischen Reifenvermessung bei Überfahrt arbeiten. Rollen die Reifen über das System, beleuchtet der Laser das Profil. Dieser Abdruck wird von einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen. Das geschieht bis zu 40-mal pro Reifen. „Mit diesem System erfassen wir ein drei Zentimeter breites Segment der Lauffläche“, sagt Hitzler. Es entsteht ein genaues Bild über die Profiltiefe und darüber, wie gleichmäßig ein Reifen abgefahren ist.
Für Autowerkstätten bietet sich damit gleich eine Chance, neben der Inspektion noch einen Satz neuer Reifen zu verkaufen. Der Kunde bekommt einen Ausdruck über den Zustand seiner Reifen in die Hand und kann selbst urteilen. Große Autohersteller wie BMW, Daimler oder Peugeot finden diese Technik, die es auch speziell für Autowerkstätten gibt, bereits überzeugend. „BMW-Vertragswerkstätten dürfen die Messstationen installieren“, freut sich Hitzler. „Ideal wäre, wenn es irgendwann verpflichtend wäre.“ Denn der 50 000 Euro teure Einbau der Procontour-Anlagen könnte sich lohnen: Er spart Zeit und ist eine zusätzliche Einnahmequelle.
Der empfindliche Laser und die Kamera sitzen in einem robusten Alugehäuse, das im Boden versenkt wird. Ein Vorteil der Fertigung ist, dass regionale Zulieferer daran beteiligt sind: „So können wir die Produktion jederzeit relativ schnell ausweiten, falls ein Großauftrag kommt“, erklärt Hitzler. Und auf den hofft die junge Firma möglichst bald.