Wirtschaft Die Zukunft der Werbung beginnt jetzt und hier
Eine Zeitungsanzeige, die im Videofilm Zimmer und Umgebung eines Hotels zeigt? Oder Clips einer gastierenden Band? Kein Problem. Smartphone zücken, Inserat knipsen – schon läuft auf dem Display der Film. QR-Codes machen es möglich. In Anzeigen platziert, bringen die codierten Krakel-Quadrate Inhalte aufs Handy, die im Web hinterlegt sind, seien es Videos, Gewinnspiele oder Shop-Angebote.
Zukunftsmusik? Von wegen. Bekannte Markenartikler nutzen Quick Response (QR) längst. Das Wäsche-Label Triumph bewirbt Girlie-Schlüpfer mit einem Musikvideo, das sich über QR-Code abrufen lässt; Kauflustige erfahren zudem die Adressen nahegelegener Boutiquen. Siemens druckt das Linien-Gewimmel auf Verpackungen, so dass sich multimediale Bedienungsanleitungen etwa für das High-Tech-Bügeleisen Sensor Intelligence aufs Mobiltelefon spielen lassen. „Auch kleine und mittlere Unternehmen werden bald verstärkt neue Kanäle einbeziehen“, sagt SÜDKURIER-Anzeigenleiter Michael Beyer voraus. „Mit QR-Codes und Internetauftritten werden sie ihre klassische Werbung verlängern.“
Viele legen ihr Augenmerk zurzeit auf Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und -Marketing (SEM), beobachtet Rolf Grywaczewski. „Das“, so der Geschäftsführer der Konstanzer Werbeagentur Rheingold, „fragen regionale Akteure vermehrt nach.“ SEO sorgt dafür, dass man in Trefferlisten bei passender Suchanfrage („Hotel Bodensee“, „Café Konstanz“) möglichst weit vorn auftaucht. SEM bezeichnet Textanzeigen, die rund um Ergebnisse von Suchmaschinen à la Google, Bing & Co. geschaltet sind. Beides, klar, setzt eine eigene Webpräsenz voraus. „Standard ist die unter kleinen und mittleren Unternehmen nicht“, stellt jedoch Jana Kiechle fest, Leiterin Crossmedia beim SÜDKURIER. Wer einen Eintrag in den Regiostars bucht, dem regionalen Firmenverzeichnis unter suedkurier.de, bekommt als Bonus daher eine Gratis-Homepage. Bei Bedarf gibt es sogar die Option, ein Firmenvideo zu verlinken – oder erstellen zu lassen.
„Bewegtbild wird künftig in der regionalen Werbung eine zunehmend wichtige Rolle spielen“, ist Werber Grywaczewski überzeugt. Das hängt nicht zuletzt mit erheblich gesunkenen Produktionskosten zusammen. Ein professioneller Imagefilm oder Spot lässt sich schon für ein paar hundert Euro anfertigen. Das rechnet sich umso mehr, als sich das Material vielfältig einsetzen lässt, auf der Website, in der Online-Werbung, aber zum Beispiel auch als Kinospot oder Out-of-Home, ob auf den Bildschirmen der Bodensee-Fähren oder im Fahrgast-TV der Schwarzwaldbahn, das Grywaczewskis Agentur vermarktet.
Besonders zukunftsträchtig erscheinen Marketingkreisen Werbe-Einblendungen auf Smartphones und Tablets. „Werbung im mobilen Internet steigert die Markenbekanntheit und bleibt in den Köpfen der Nutzer hängen“, besagt eine aktuelle Wirkungsstudie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Immer mehr Bundesbürger, vor allem junge, surfen mobil im Web, knapp die Hälfte der Smartphone-Besitzer laut einer Ipsos-Studie sogar täglich: Sie suchen nach Restaurants in der Nähe, erkundigen sich nach Wetteraussichten oder anstehenden Veranstaltungen. Das eröffnet die Chance, Zielgruppen anzusprechen, wenn sie unterwegs sind – im Idealfall unterwegs zu dem Geschäft, auf das der Banner gerade aufmerksam machte. „In der ersten Jahreshälfte“, kündigt Jana Kiechle an, „wollen wir auch in der iPhone-App des SÜDKURIER Werbung einführen.“
QR-Codes, Suchmaschinen-Optimierung und -Marketing, Bewegtbild-Werbung, mobile Kampagnen: Eine Fülle an Möglichkeiten steht Werbungtreibenden offen. Aber: „Nicht alles, was machbar ist, ist für jedermann sinnvoll“, warnt Werber Grywaczewski. „Jene Kanäle auswählen, über die man seine Zielgruppe erreicht, und das Ganze dann durchdacht miteinander verknüpfen – darauf kommt es an. “ Vor diesem Hintergrund wird sich die klassische Anzeige als Basis-Medium insbesondere im regionalen Raum behaupten, meint Michael Beyer: „In der crossmedialen Vernetzung ist es die Print-Anzeige, die Internetauftritte bekannt macht und Besucherzahlen hochtreibt.“ Auch (und gerade) für regionale Werbung gilt: Die Zukunft liegt nicht in der Ferne. Sie beginnt in dieser Sekunde, genau hier.
