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Wirtschaft Apple gegen den Rest

04.09.2010
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Die Anwendungen fürs Handy sind ein umkämpfter Milliardenmarkt. Der iPhone-Hersteller muss sich dem neuem Konkurrenten Android stellen.

Unterwegs Word-Dokumente lesen, mit Google Maps den Weg finden oder im Keller das Mobiltelefon als Taschenlampe verwenden. Apps (Abkürzung des englischen Worts Applications, Anwendung) werten Handys auf, machen aus Telefonen vielseitige Helfer. Und: Apps sind in der Regel nicht teuer, viele sind kostenlos. Nur für wenige zahlt man mehr als fünf Euro.

Dennoch galten die kleinen Handy-Programme lange Zeit als Ladenhüter. Dann kam Steve Jobs. Der Chef des Computerkonzerns Apple startete im August 2008 den App-Store für das iPhone und den iPod touch. Bereits im ersten Monat wurden dort Apps im Wert von einer Million Dollar gekauft. Sowohl die Auswahl der Programme als auch die Zahl der Downloads hat seitdem stark zugenommen. Mittlerweile wurden fünf Milliarden Mal Apps runtergeladen, insgesamt stehen mehr als 250 000 unterschiedliche Anwendungen für die Apple-Geräte zur Verfügung.

Besonders beliebt sind die Anwendungen aus der Kategorie Bücher, die mit 43 809 Anwendungen (17,32 Prozent) die aktuelle Rangliste anführen. Auf Platz zwei folgen mit 14,52 Prozent Spiele (36 719 Anwendungen), auf dem dritten Rang mit 11,38 Prozent Apps aus dem Bereich Unterhaltung (28 771 Anwendungen). Der durchschnittliche Preis eines Programms beträgt 2,91 US-Dollar. Rund 70 Prozent aller Apps im App-Store sind kostenpflichtig.

Doch Apple hat Konkurrenz bekommen. Vor allem von Android. Android ist ein Betriebssystem und hatte ursprünglich dem Suchmaschinenhersteller Google gehört. Am 5. November 2007 verkündete Google, sein bisher geschlossenes Betriebssystem in ein offenes zu wandeln. Es wurde eine Allianz gegründet, dem sich Mobilfunkhersteller wie Motorola und Samsung, Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom sowie Chiphersteller und Marketingunternehmen anschlossen. Der Name des Konsortiums: Open Handset Alliance. Der Vorteil des Zusammenschlusses: Nicht nur ein, sondern viele Unternehmen arbeiten gemeinsam an der Verbesserung eines Betriebssystems.

Am 18. August 2008 kam mit dem „HTC Dream“ (wurde von T-Mobile als G1 vermarktet) das erste Android-Gerät auf den Markt. Mittlerweile werden Tag für Tag 200 000 Handys mit diesem Betriebssystem verkauft.

Mehr Android-Handys als iPhones

Im Vergleich zu Apple, dessen Betriebssystem mit dem Namen iOS lediglich auf dem hauseigenen iPhone, iPod touch und dem iPad läuft, ist das offene Betriebssystem Android auf den Modellen zahlreicher Hersteller installiert. Zum Beispiel auf Geräten von Sony Ericsson, Motorola, Samsung, HTC, LG Electronics, Acer und Toshiba. Mittlerweile werden mehr Handys mit dem Android-Betriebssystem verkauft als iPhones. Der weltweite Marktanteil liegt bei 17 Prozent, Tendenz steigend. Und natürlich gibt es auch Apps für Android-Handys. Sehr viele sogar. Weit über 100.000 Anwendungen stehen im so genannten Android Market zur Verfügung.

Aber nicht nur mit dem Android Market wird versucht, Apple zu kopieren. Der Apple-Rivale Research in Motion hat im März vergangenen Jahres die „App World“ für seine Blackberry-Geräte gestartet, Nokia betreibt eine Plattform mit dem Namen „Ovi Store“, Microsoft eröffnete vor einem Jahr den „Windows Marketplace for Mobile“ und für Geräte des Herstellers Palm kann man die Software-Programme im „App Catalog“ beziehen.

Doch keiner hat auch nur annähernd den Erfolg von Apples App-Store. Er gilt als Maßstab in der Branche. Auch, weil er einfach zu bedienen ist. Entweder direkt vom iPhone, dem iPod touch oder iPad aus oder über die Software iTunes auf dem Rechner. Die kennt jeder Mensch unter 30. iTunes ist die am weitesten verbreitete Software zur Musikverwaltung.

Statt eine neue Software zu erstellen, integrierte Apple den App-Store einfach in iTunes. Keiner musste Neues lernen. Ein Update, und alle Musikfans hatten den App-Store automatisch auf ihrem Computer, integriert in einer Software, die sie kannten.

Ob aber Apples Erfolg von Dauer sein wird? Android legt die Schwachstelle von Apples Unternehmensphilosophie offen. Das Apple-System ist ein geschlossenes. Schon immer gewesen. Die Apple-Rechner laufen nur mit dem Apple-Betriebssystem Mac OS X. Das Gleiche gilt für die mobilen Geräte iPhone, iPod touch und das iPad, deren Betriebssystem den Namen iOS trägt.

Apps lassen sich ausschließlich vom hauseigenen App-Store auf die Geräte spielen. Die Apps selbst dürfen zwar von Drittprogrammierern erstellt werden, müssen aber eine Kontrollinstanz bei Apple durchlaufen, bevor sie zum Download angeboten werden dürfen.

Android dagegen ist offen. Viele Menschen arbeiten an der Fortentwicklung der Android-Software mit, die Apps darf jeder überall anbieten, eine Kontrolle gibt es nicht. Der Vorteil: Das Android-System entwickelt sich schnell weiter und findet rasend schnell Verbreitung. Der Nachteil: Die Übersicht geht verloren. Nur ein Viertel aller sich in Betrieb befindenden Smartphones verwenden die bislang aktuelle Version 2.1, die bereits in wenigen Tagen von einer erweiterten Version 2.2 abgelöst wird.

Noch immer gibt es Hersteller, die neue Geräte mit einer älteren Android-Version auf den Markt bringen. Die Folge: Nicht jede App funktioniert mit jedem Gerät. Kompatibilitätsprobleme sind an der Tagesordnung. Im geschlossenen System von Apple ist die Fehlerquote dagegen gering. Zusammen kommt hier nur, was zusammenkommen darf.

Der Eindruck, den viele von Apple haben, täuscht dagegen: Die Produkte mit dem angebissenen Apfel waren technisch gesehen nie ihrer Zeit voraus. Vielmehr gelingt es Apple, besser als der Konkurrenz, vorhandene technische Möglichkeiten zum Wohle des Nutzers einzusetzen. Nichts nervt mehr, als teure Geräte, die nicht funktionieren. Apple hat das früh verstanden.

Und wie sieht die Zukunft aus? Gut möglich, dass das App-Konzept auch auf dem PC erfolgreich wird! Der Chip-Hersteller Intel hat einen entsprechenden Store programmiert und ihm den Namen App-Up-Store gegeben. Ziel von Intel ist es, diesen auf so vielen Netbooks wie möglich bereits vorzuinstallieren. Anwender können dann die Apps per Kreditkarte bezahlen. Spätestens Ende September soll der App-Up-Store online gehen. Laut Intel sind bisher rund 500 Apps verfügbar.

Die Entwicklung von Apple
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