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Wirtschaft Adieu, le Franc!

17.02.2012


Heute läuft in Frankreich die Frist für den Umtausch alter Franc-Scheine in Euro aus. Manche Händler machen daraus nochmals ein gutes Geschäft.

– Manch ein Franzose hat in den vergangenen Tagen nochmals genau unter der Matratze nachgeschaut. Ins alte Sparschwein geblickt, Schränke ausgeräumt – wenn nicht die eigenen, so doch die der Eltern oder Großeltern. Denn viele haben auch zehn Jahre nach Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung noch Franc-Scheine gebunkert, ob aus Nachlässigkeit, Euro-Skepsis oder Nostalgie. Die Banknoten zeigen die Antlitze von Größen wie dem Architekten Gustave Eiffel (200 Franc), den Physik-Nobelpreisträgern Marie und Pierre Curie (500 Franc) oder dem Autor Antoine de Saint-Exupéry (50 Franc).Wer dafür noch frische Euro möchte, muss sich beeilen: Nur noch heute tauscht die französische Notenbank Banque de France die alten Scheine um. Dann läuft in Frankreich die Frist dafür ab, so wie bereits in Italien und demnächst auch in Griechenland und Finnland. Und das in Zeiten, in denen europakritische Politiker wie die Rechtspopulistin Marine Le Pen den Ausstieg aus dem Euro fordern und sich in Umfragen ein Viertel der Franzosen die Rückkehr zum Franc wünscht.

Deutschland hat keinen solchen Stichtag für den Umtausch alter D-Mark in Euro. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank waren bis Ende vergangenen Jahres noch 13,29 Milliarden D-Mark in bar im Umlauf, also rund 6,8 Milliarden Euro, knapp die Hälfte davon in Scheinen. Vermutet wird, dass ein großer Teil davon im Ausland liegt. Die Münzen sind wohl für viele Besitzer den Umtausch-Aufwand nicht wert – da wiegt der Erinnerungswert höher.

Die französische Notenbank schätzte den Wert des noch zirkulierenden Geldes Anfang der Woche auf 4 Milliarden Franc, etwa 600 Millionen Euro. Sie rechnete damit, dass höchstens ein Sechstel davon abgegeben wird. Die übrigen 500 Millionen Euro kommen dem Staat zugute; bei einer Neuverschuldung von mehr als 80 Milliarden Euro eine erfreuliche Nachricht. Die Regierung hat das Geld bereits in den Haushalt eingeplant.

Ein großer Teil des wertlos werdenden Geldes dürfte Touristen gehören, die es nach einem Frankreich-Urlaub nie mehr gewechselt haben. Auch Sammler halten Scheine zurück, die teilweise ein Vielfaches ihres Ursprungswertes bekommen. Dennoch verzeichneten die 68 Filialen der Banque de France in den vergangenen Tagen und Wochen einen Ansturm von Geldwechslern – allein seit Weihnachten waren es rund 60 000. Meist handele es sich um den berühmten Notgroschen und deshalb um relativ geringe Summen. Fälle wie der Mann, der an der Côte d`Azur eine Million Franc einzahlte, bleiben selten.

Auch zahlreiche Händler, Tankstellen und sogar Casinos akzeptierten in den vergangenen Wochen noch Franc. Wie lohnend das sein kann, illustriert vor allem das 9000-Seelen-Städtchen Le Blanc in Zentralfrankreich: Mehr als 30 Läden im Ort nehmen dort seit fünf Jahren Franc an. Aus ganz Frankreich pilgerten die Menschen in die Franc-Bastion. „Wir haben dadurch bis zu 20 Prozent mehr Umsatz erreicht“, erklärt Sylvie Auteau-Oenne-Loccoz, die als Vorsitzende eines Händler-Vereins die Idee hatte. Die alten Franc geben die Leute für Dinge aus, die sie sonst gar nicht gekauft hätten, ergänzt eine Kollegin.

Damit ist es ab morgen vorbei; dennoch markieren bis heute manche Restaurants und Läden die Preise noch in Franc. Manche Kunden stöhnen dann, dass das Leben mit ihm billiger war. Dafür konnten sie mit ihm aber nicht in 17 Ländern bezahlen.

Wie die Deutschen sich von ihrer D-Mark trennen mussten, sehen Sie in unserer Bilderstrecke oben - klicken Sie sich durch!

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