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Wirtschaft Möglicher Opel-Verkauf löst Sorge um Arbeitsplätze aus

Nach Bekanntwerden eines möglichen Verkaufs von Opel fordern die Bundesregierung und das Land Hessen Beschäftigungsgarantien.

Überlegungen zum Verkauf von Opel an den französischen PSA-Konzern haben massive Sorge um die Arbeitsplätze ausgelöst. Opels US-Mutterkonzern General Motors und die PSA-Gruppe um Peugeot und Citroën bestätigten am Dienstag die Verhandlungen. Die Bundesregierung und das Land Hessen zeigten sich überrascht über die Pläne und forderten eine Beschäftigungsgarantie für die rund 18.250 deutschen Mitarbeiter.

General Motors (GM) erklärte in Detroit, es gebe Gespräche über „einen möglichen Kauf von Opel Vauxhall durch PSA“. Es gebe aber „keine Sicherheit, dass ein Abkommen erzielt wird“. Nach Bekanntwerden der Überlegungen legte der GM-Kurs an der Wall Street um 3,6 Prozent zu, die Aktie von PSA stieg in Paris um 4,6 Prozent.

Ein Verkauf würde es dem US-Konzern ermöglichen, sich von seiner verlustreichen Europasparte zu trennen. Seit dem Jahr 2000 hat GM mit Opel und Vauxhall ein Minus von mehr als 15 Milliarden Dollar aufgehäuft (rund 14 Milliarden Euro). Im vergangenen Jahr belief sich der Verlust auf 257 Millionen Dollar (gut 240 Millionen Euro). Opel-Chef Karl-Thomas Neumann machte dafür den geplanten Brexit und den Fall des britischen Pfundes verantwortlich.

Ein Sprecher von PSA verwies ebenso wie GM auf eine 2012 gegründete Allianz der beiden Autokonzerne. In diesem Rahmen prüfe die PSA-Gruppe „zahlreiche strategische Initiativen zur Verbesserung der Rentabilität und der operativen Leistung“. Dazu gehöre auch „eine Annäherung an Opel und Vauxhall“. Zu PSA gehört neben Peugeot und Citroën auch die Premiummarke DS.

Sowohl das Land Hessen als auch die Bundesregierung wurden von der Nachricht kalt erwischt. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte der „Bild“-Zeitung: „Ich finde es nicht akzeptabel, dass eine solche Entscheidung an die Öffentlichkeit gelangt, ohne dass vorher mit Betriebsrat, IG-Metall oder der Landesregierung darüber gesprochen worden ist.“ GM trage die Verantwortung für die Beschäftigten.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) äußerte sich besorgt um die Perspektive für die Opel-Mitarbeiter besonders am Stammsitz in Rüsselsheim. „Unsere Agenda ist klar: Wir möchten ein starkes Opel-Werk, wir möchten die Arbeitsplätze erhalten“, sagte er. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte ihrerseits „Beschäftigungssicherheit für die Mitarbeiter und Sicherheit für den Produktionsstandort Kaiserslautern“.

Auch die Gewerkschaften hatten keine Kenntnis von den Plänen. Die IG Metall erklärte in Frankfurt am Main, wenn es Gespräche von GM mit PSA gebe, „wäre das eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“. Allerdings kündigte die IG Metall an, einen möglichen Verkauf „aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit PSA vorbehaltslos“ zu prüfen.

Opel wurde 1862 von Adam Opel in Rüsselsheim gegründet und gehört seit 1929 zu GM. Bereits im Jahr 2009 stand Opel zum Verkauf, weil General Motors kurz vor der Insolvenz war. Gespräche mit einem Konsortium um den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank platzten jedoch – offenbar weil die Interessenten zu viele Zugeständnisse verlangten.

Opel verkauft nach Angaben der Geschäftsleitung jährlich mehr als eine Million Fahrzeuge. In ganz Europa beschäftigt der Autobauer rund 35.600 Mitarbeiter.

 

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