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Wirtschaft Grüne Zettel haben bald ausgedient

Die Mehrwertsteuer soll ab 2018 automatisch erstattet werden. Die Bundesfinanzdirektion Südwest erhofft sich von einem elektronischen Verfahren weniger Wartezeiten am Zoll und in den Geschäften.

Gute Nachricht für Verbraucher entlang der Schweizer Grenze: Die Bundesfinanzdirektion Südwest hat angekündigt, die Erstattung der Mehrwertsteuer für Schweizer Kunden künftig nicht mehr über Ausfuhrscheine, sondern über ein elektronisches Verfahren regeln zu wollen. Allein für dieses Jahr rechnet der Zoll an den Grenzübergängen zur Schweiz zwischen Weil am Rhein und Konstanz mit bis zu 19 Millionen abgestempelten Ausfuhrscheinen. Die Zettelwirtschaft hat inzwischen Dimensionen angenommen, die die Geduld vieler Kunden an Supermarktkassen strapaziert und die Zöllner an ihre Belastungsgrenze gebracht haben.

Das soll sich künftig ändern. „Ich habe die Vorstellung, dass ich wie beim Skifahren am Lift mit einer Karte am Ärmel an der Kasse vorbeilaufen kann“, schilderte der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster seine Idee, wie die Erstattung künftig aussehen könnte. Der CDU-Politiker aus Lörrach hatte gemeinsam mit seinem Parteikollegen Thomas Dörflinger aus Waldshut zu einer Pressekonferenz nach Rheinfelden eingeladen, auf der Melanie Schmaljohann, Referatsleiterin bei der Bundesfinanzdirektion (BFD) Südwest, mitteilte: „Wenn das Okay vom Bundesfinanzministerium kommt, gehen wir in die Ausschreibung.“

Der Echtbetrieb soll nach einer Testphase spätestens Anfang 2018 starten. „Wir sind zuversichtlich, dass das Projekt vom Ministerium mit großer Dringlichkeit behandelt wird“, zeigte sich BFD-Präsident Wilhelm Bruns optimistisch.

Wie das Verfahren genau in die Praxis umgesetzt werden soll, konnte Schmaljohann gestern noch nicht sagen. „Auf jeden Fall wird es kein Papier mehr geben“, betonte sie. Die Daten für die Erstattung der Mehrwertsteuer sollen stattdessen direkt vom Laden an den Zoll überspielt werden. „Die Papierstempel werden durch eine elektronische Signatur ersetzt.“ Voraussetzung sei eine Verzahnung mit den Kassensystemen der Geschäfte, fügte Bruns hinzu.

Der Einzelhandel habe bereits großes Interesse signalisiert. Dies zeige sich auch durch die Initiative mehrerer Unternehmer aus dem Raum Konstanz und Waldshut, die in den vergangenen Monaten mit Ideen an die Bundesfinanzdirektion herangetreten sind, wie das Verfahren technisch ablaufen könnte. Ob per Smartphone-App oder Datenchip – das werde das Ergebnis der Ausschreibung bringen, sagte Bruns.

 

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