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Wirtschaft Fischer Computertechnik will hoch hinaus

Die Computer-Firma aus Radolfzell profitiert vom digitalen Wandel und beliefert die Industrie mit spezieller Software.

Im Roman „Ausweitung der Kampfzone“, mit dem der französischen Skandal-Autor Michel Houellebecq in den 90er-Jahren bekannt wurde, zieht der namenlose Ich-Erzähler, ein 30-jähriger Software-Entwickler, ein bedrückendes Fazit seines Berufslebens: „Meine ganze Arbeit als Informatiker hat überhaupt keinen Sinn. Dieser Welt mangelt es an allem, außer an zusätzlicher Information“, sagt er.

Mit dieser Einstellung hätte der psychisch angeschlagene (Anti-)Held des Romans wohl keine Karriere bei Fischer Computertechnik (FCT) gemacht. Denn das Unternehmen aus Radolfzell verdient sein Geld ausschließlich damit, Informationen intelligent zu strukturieren und darzustellen.

Erfolgsgeschichte FCT

 

Entsprechend positiv – und konträr zum Romanhelden Houellebecqs – beurteilen die Mitarbeiter den Wert von Informationen. „Informationen sind für FCT das Lebenselixier“, „Informationen werden neben Rohstoff, Arbeit und Kapital als einer der bestimmenden Wirtschaftsfaktoren verstanden“ oder „Information ist für mich der Lebenssaft jedweder Kommunikation, zwischen Menschen, Produkten oder Systemen“, heißt es in einer Unternehmensbroschüre zum 30-jährigen Bestehen von FCT. Anders als die sich auf dem absteigenden Ast befindende Romanfigur Houellebecqs liest sich die Entwicklung von FCT wie eine Erfolgsgeschichte. 1985 aus der Universität Darmstadt heraus gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute 50 Mitarbeiter im Radolfzeller Stadtteil Stahringen. Der Umsatz ist 2015 bis auf über 4 Millionen Euro angewachsen. In diesem Jahr könnte erstmals die 5-Millionen-Marke geknackt werden. Und die Liste der FCT-Kunden strotzt nur so von bekannten Industrie-Firmen. Unter anderem vertrauen Alstom, Bosch, MTU, Georg Fischer, Kärcher und Panasonic auf die Dienstleistungen von FCT.

„Unsere Stärke ist die Kommunikation rund um das Produkt. Wir bereiten die Informationen, die früher gedruckt in Handbüchern und Bedienungsanleitungen abgebildet wurden, für das digitale Zeitalter so auf, dass der Nutzer jederzeit und an jedem Ort auf sie zugreifen kann“, erklärt Unternehmensgründer Walter Fischer. So kann zum Beispiel ein Nutzer den Code einer Maschine einscannen, um an Informationen über die Wartung und Reparatur zu kommen. „Früher wurden diese Informationen als lästiges Beiwerk betrachtet. Doch mittlerweile ist eine gut organisierte Produktinformation ein wichtiges Verkaufsargument“, sagt der 64-jährige promovierte Chemiker. Deshalb sieht er große Wachstumspotenziale für sein Unternehmen.

Angetrieben wird die Nachfrage nach FCT-Produkten durch das sogenannte Internet der Dinge, in Deutschland auch Industrie 4.0 genannt. Immer mehr Gegenstände, sowohl im privaten, vor allem aber im industriellen Bereich, werden internetfähig gemacht und miteinander vernetzt. Speziell für dieses Segment hat FCT eine Software namens TIM 4.0 entwickelt. „TIM 4.0 ist die Lösung, um die Produktkommunikation 4.0 bei unseren Kunden umzusetzen und damit für die Industrie 4.0 gewappnet zu sein“, heißt es in der Produktwerbung.

Neben dem schnellen technologischen Wandel wird sich auch in der Unternehmensführung einiges tun. Zum Jahresende, spätestens aber zum Beginn des neuen Jahres will sich Unternehmensgründer Walter Fischer aus dem operativen Geschäft zurückziehen und die Verantwortung an seine beiden Vorstandskollegen übergeben.

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