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Wirtschaft Das Leben in der Zukunft

Im Karlsruher Versuchshaus – dem Smart Home – denken die Haushaltsgeräte beim Stromverbrauch mit. Die Elektroautos können als Fahrzeug oder Energiespeicher genutzt werden. Sieht so der Stromverbrauch der Zukunft aus?

Klein, aber kräftig: Der graue Container und die Elektromobile des Instituts für Technologie in Karlsruhe sind Prototypen für den energieeffizienten Haushalt der Zukunft.
Klein, aber kräftig: Der graue Container und die Elektromobile des Instituts für Technologie in Karlsruhe sind Prototypen für den energieeffizienten Haushalt der Zukunft. | Bild: Bilder: dpa/Tabea Ruess

Die Szenerie erinnert an eine Baustelle. Nichts lässt vermuten, dass im Innern des unscheinbaren Containers modernste Technik steckt. Nur die Solarzellen auf dem Dach und die Elektroautos auf dem Vorplatz aus Schotter weisen darauf hin, dass es sich nicht um eine Unterkunft für Bauarbeiter handelt. Smart Home nennt sich das Versuchshaus und es ist die mögliche Wohnform der Zukunft. Das Konzept für energieeffizientes Wohnen geht derzeit am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in den Praxistest. Das Haus soll seinen Energieverbrauch selbst steuern. Es steht bezugsfertig auf dem Gelände der badischen Forschungseinrichtung. In der kommenden Woche ziehen die ersten Testbewohner ein.

Gemütlich wirkt das Smart Home beim Betreten des 80 Quadratmeter großen Containers. Zwei Schlafzimmer und ein großes Wohnzimmer stehen parat für die Wohngemeinschaft, eine hochwertig ausgestattete Küche erfüllt die Wünsche einer energieverwöhnten Gesellschaft: Spülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner, Mikrowelle, Einbau-Kaffeemaschine – alles drin. Aber äußerst stromzehrend obendrein. Doch das Karlsruher Haus achtet auf den optimalen Energieverbrauch und speichert überschüssigen Strom.

Wenn heute bei einem lokalen Energieversorger der Strom ausfällt, gehen in allen Haushalten die Lichter aus. Denn die Stromerzeugung ist nach dem Verbrauch ausgerichtet – gespeichert wird die Energie nirgends. Den Bewohnern des Smart Homes kann das nicht passieren. Der Container ist mit einem optional netzunabhängigen Heizblockkraftwerk ausgestattet, das wiederum mit einem Wärmespeicher gekoppelt ist. Und vor der Tür stehen Elektroautos bereit, deren Akku als Energiespeicher dient. Bei Bedarf können sie den fehlenden Strom über eine hauseigene Ladestation ins Netz zurückspeisen.

Um diese Ideen auch für die Praxis zu testen, ziehen ab der kommenden Woche zwei wissenschaftliche Mitarbeiter für drei Wochen in den Container ein, die alles testen und dokumentieren. „Anschließend sollen in zwei bis drei Monate langen Phasen Wohngemeinschaften dort einziehen“, erklärt Alexandra-Gwyn Paetz, die am Lehrstuhl für Energiewirtschaft am KIT unter anderem das Potenzial von Elektroautos erforscht.

Das Projekt Smart Home entstammt den kreativen Köpfen der Forschungsinitiative MeRegioMobil und könnte der Blick in unser aller Zukunft sein. Die kommunikationsfähige Technik würde den Alltag auf den Kopf stellen: Wäsche würde nicht mehr gewaschen, wenn gerade Zeit ist – sondern wenn der Strom am günstigsten und das Netz nicht ausgelastet ist – alles automatisiert durch Kommunikation zwischen Netz und Gerät. „Eine Veränderung in bislang unvorstellbarem Maße“, prophezeit KIT-Präsident Eberhard Umbach. Durch die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien kämen Einschränkungen auf die Menschen zu, denen man nur mit einer Umgewöhnung begegnen könne. „Wir müssen die Gesellschaft umbauen“, betont er.

Genau deshalb müsse die grüne Zukunft aber ausprobiert werden, sie könne nicht nur auf dem Tisch entwickelt werden. „Man muss testen, ob die Verbraucher mitmachen“, so Umbach. Das Smart Home sei ein zentrales Projekt für das künftige Energiesystem. „Der Laborversuch ist noch bis Ende 2011 angesetzt, danach ist allerdings eine Verlängerung geplant“, erklärt Projektleiter Andreas Kamper, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) in Karlsruhe.

„Wir sind gleichzeitig daran interessiert, das Laden von E-Mobilen intelligent zu lösen“, erklärt Hartmut Schmeck, Sprecher des Projekts am KIT. Die Elektroautos vor dem Container verfügen deshalb über ein intelligentes Lademanagement. „Sie können also Strom speichern, diesen sogar selektiv beziehen und ihn zu Spitzenlastzeiten wieder ins Stromnetz einspeisen“, sagt Lars Walch vom Stromversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW).

Acht Ladestationen des Konzerns gibt es bald in Karlsruhe, an die die Elektromobile andocken können – dafür sorgen die Stadtwerke. „Wir verteilen die Ladestationen homogen entlang der Ost-West-Achse der Innenstadt“, sagt Thomas Schnepf, zuständig für die strategische Planung bei den Karlsruher Stadtwerken.

In Karlsruhe scheint die Zeit also reif für Elektromobilität und energieeffizientes Wohnen.

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