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Wirtschaft Aus dem Weihnachtsmann wird kein Osterhase

Was geschieht mit den übrig gebliebenen Schokoladen-Weihnachtsmännern? Die Legende vom Umpacken hält sich hartnäckig - und ist doch falsch, versichern die Hersteller.

Ein unverpackter Schokoladen-Weihnachtsmann steht zwischen Schoko-Osterhasen. Auch mit der schönsten Aluminium-Hülle ließe sich aus dem Nikolaus kein Hase machen. Die Figuren sind zu verschieden.
Ein unverpackter Schokoladen-Weihnachtsmann steht zwischen Schoko-Osterhasen. Auch mit der schönsten Aluminium-Hülle ließe sich aus dem Nikolaus kein Hase machen. Die Figuren sind zu verschieden. | Bild: Fotolia/ Montage: Hutsch

Wochenlang füllten sie die Regale und Einkaufswagen, waren sie beliebt und erfreuten Kinderherzen und Erwachsenen-Gaumen: Schoko-Weihnachtsmänner. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie sind davon allein in Deutschland 110 Millionen unterwegs. Doch nach den Feiertagen ist ihre Zeit schlagartig vorbei. Was geschieht nun mit den Übriggebliebenen? Ein altes Gerücht besagt, dass sie einfach neu verpackt werden. Und zwar in Osterhasen-Folie. Die Schoko-Form sei so ähnlich, dass ein neues Aluminium-Kleid ausreiche, aus dem Weihnachtsmann ein Häschen zu machen.

Stimmt nicht, sagt die Industrie. „Die Schoko-Weihnachtsmänner sind zumeist schon vor Weihnachten ausverkauft“, berichtet Rüdiger Funke, Leiter des Infozentrums Schokolade. Der Handel weiß aus langjähriger Erfahrung, wie viele Weihnachtsmänner jedes Jahr benötigt werden. „Durch eine gute Disposition der Märkte sind die Restmengen an Schokoladen-Weihnachtsmännern sehr gering. Nach den Feiertagen werden die geringen Restmengen zu einem Sonderpreis verkauft“, heißt es bei Edeka Südwest.

An Bedürftige verteilt Mit 50 bis 70 Prozent Rabatt verschwinden auch die letzten verschlafenen Weihnachtsnachzügler von der Ladentheke. Und was passiert dann mit den allerletzten alten Säcken? Wer dann immer noch herumsteht, wird für Bedürftige an Kinderheime oder Essenstafeln abgegeben. Denn die Weihnachtsmänner müssen schließlich Platz machen für die Osterhasen.

Mit einfachem Umpacken wäre es nicht getan. Mag es in der äußeren Erscheinung auch gewisse Ähnlichkeiten geben, so weisen Weihnachtsmänner und Osterhasen doch eklatante Unterschiede auf. „Der Osterhase hat lange Ohren, die nach hinten fallen und der Weihnachtsmann eine Mütze, die nach oben steht“, gibt Martin Müller, der Bundesvorsitzende der Lebensmittelkontrolleure zu Bedenken. Ein Weihnachtsmann, der sich als Osterhase verkleidet? „Das ist eine Mär. Solche seltsamen Weihnachtsmänner gibt es nicht“, sagt Müller.

Von innen sind sie zwar beide hohl und ihr Körper von der gleichen altbewährten Schokoladenrezeptur, doch die Form, die Konturen und zarten Rillen machen den feinen Unterschied aus. Ein Weihnachtsmann muss eben nach Weihnachtsmann und ein Osterhase nach Osterhase aussehen. „Der Saisonmarkt ist sehr klassisch geprägt“, erklärt Dieter Schäfer, Pressesprecher beim Süßwarenhersteller Rübezahl Schokoladen (Dettingen unter Teck). Es habe schon Versuche mit ausgefallenen Weihnachtsmännern gegeben. Selbst Weihnachtsfrauen wurden ausprobiert. Diese hätten sich auf dem Markt aber nicht durchsetzten können.

Die Kakaopreise sind hoch. Da liegt der Verdacht nahe, dass alte Weihnachtsmänner von den Herstellern wieder eingezogen werden. In Folge könnten die Weihnachtsmänner ja den Produktionsprozess bis zur Einschmelzung quasi zurück abwickeln und am Ende des Fließbandes als Osterhasen wieder auferstehen.

„Die Weihnachtsmänner einzusammeln, auszuwickeln und einzuschmelzen, wäre jedoch viel zu teuer“, sagt Schäfer. Rübezahl Schokoladen stellt 50 Millionen Weihnachtsmänner und ebenso viele Osterhasen her. Die Produktion wird weit im Voraus geplant und auch ins Ausland geliefert: „Am Nikolaustag haben wir mit der Osterhasenproduktion für Australien begonnen“, sagt Schäfer. Wegen ein paar Tausend übrig gebliebenen Weihnachtsmännern würden die Maschinen nicht extra laufen.

Umpacken wäre unwirtschaftlich „Allein aus Hygienegründen wird niemals Ware, die das Werk einmal verlassen hat, zurückgenommen“, heißt es bei der Firma Lindt und Sprüngli. Abgesehen davon wäre ein Umverpacken völlig unwirtschaftlich, und die Schokolade viel zu alt. Schon mögliche Qualitätsverluste sprechen gegen eine Rückholaktion. Bei mehrfachem Erhitzen kann nämlich das Fett in der Schokolade verderben.

Doch warum halten sich diese Gerüchte so hartnäckig, wenn nichts davon wahr ist? „Es liegt Jahre zurück, da verwendeten manche Betriebe denselben Formensatz für Weihnachtsmänner und Osterhasen. Daher rührt dieser Irrglaube“, sagt Funke. Die Schokoladenfiguren werden maschinell in sogenannten Halbschalen hergestellt. In die eine Hälfte läuft zuerst die Schokolade ein, dann schließt die andere Hälfte und schließlich schwenkt und dreht sich die ganze Form bis sich die Schokoladenmasse an der Formwand abgelagert hat. Da die Formen-Herstellung sehr teuer ist, konnten sich manche Betriebe nur eine Form leisten, sagt Funke. Lediglich die Verpackung variierte.

„Heute haben aber alle Hersteller für Osterhasen und Weihnachtsmänner jeweils eigene Formsätze“, versichert Schäfer. Zudem würden die Schokoladenfiguren immer frisch produziert werden, versichern die Hersteller. Das Ende der Weihnachtsmänner hat auch eine bitter-süße Note. Ob Weihnachtsmann oder Osterhase – am Ende werden sie verzehrt oder, wenn sie niemand mehr will, entsorgt.

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