Berlin Agrarminister:Zwölf Bundesländer vom Eier-Skandal betroffen

Mit einem Insektizid verseuchte Eier tauchen in immer mehr deutschen Regionen auf - und die Spurensuche läuft. Die Behörden nehmen die Lage ernst, auch wenn sie bisher nicht von akuten Gefahren sprechen.

Der Skandal um Millionen giftbelastete Eier zieht in Deutschland weitere Kreise. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Eine Schlüsselrolle hätten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Lage sei „unter Kontrolle“, es gebe aber „noch keine Entwarnung“. Warenströme würden mit Hochdruck untersucht, auch für Produkte mit verarbeiteten Eiern.

Auch in Baden-Württemberg sind verseuchte Eier aufgetaucht. Von fünf Proben seien in drei Rückstände nachgewiesen worden, teilte Agrarminister Peter Hauk (CDU) am Freitag in Stuttgart mit. Belastete Eier aus dem Nachbarland seien nicht mehr im Handel erhältlich, bekräftigte ein Sprecher auf Nachfrage.
Bei im Südwesten produzierten Eiern sei der Stoff bislang nicht nachgewiesen worden, teilte Hauk weiter mit: „Wir hoffen, dass sich dies auch bei den weiteren Proben so fortsetzt.“

Nach dem Bekanntwerden des Skandals lief im Land ein Sonderkontrollprogramm an. In einem ersten Schritt seien 19 Proben von Erzeugern aus dem Land unter die Lupe genommen worden. Sie waren negativ. Jeweils eine Probe aus Hessen und Niedersachsen sei ebenfalls nicht auffällig gewesen.

Unterdessen lehnte Agrarminister Hauk den niedersächsischen Vorstoß ab, im Skandal um Fipronil belastete Eier das Insektizid in das bundesweite Rückstandsmonitoring für Lebensmittelkontrollen aufzunehmen. Für die Untersuchungen seien die Länder zuständig sowie auch für die laufenden Lebensmittelkontrollen, sagte Hauk der Deutschen Presse-Agentur. Im Südwesten würden auf über 700 Stoffe geprüft. Es sei normale Routine, dass ein auffälliger Stoff in das Untersuchungsprogramm aufgenommen werde. Zuvor hatte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) auch Konsequenzen beim Bund gefordert.

Ein Ursprung des Skandals sind belastete Eier aus den Niederlanden, die auch in Deutschland in den Handel gelangten - darunter Bio-Eier. Aldi Süd und Aldi Nord haben deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf genommen. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung vom Freitag.

In den Niederlanden war in Legehennenbetrieben der nicht dafür zugelassene Wirkstoff Fipronil eingesetzt worden, viele der dort produzierten Eier wurden nach Deutschland verkauft. Die giftige Substanz war nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel „Dega-16“ in die Ställe gelangt, das eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus beruht.

Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, ein Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. Es wird zum Beispiel auch bei Hunden und Katzen verwendet. Die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren ist nicht erlaubt. In hohen Dosen kann Fipronil auch für Menschen gefährlich sein. Wie genau es auf sie wirkt, ist allerdings nicht bekannt.

In Experimenten mit Ratten schädigte der Stoff das Nervensystem und die Leber, hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt. Vorerst gebe es aber keine Befunde mit einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. Die Messwerte liegen demnach bisher „um einen Faktor zehn unterhalb“ des Wertes, bis zu dem eine Gefährdung für Erwachsene wie Kinder als unwahrscheinlich eingestuft wird.
 

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