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02.03.2013  |  von  |  5 Kommentare

Politik Leistungsschutzrecht: Bundestag ist auf halber Strecke stehen geblieben

Die schwarz-gelbe Regierungsmehrheit hat das Leistungsschutzrecht verabschiedet. Das Ziel dahinter ist richtig, der Weg aber nicht zu Ende gegangen, findet Martin Jungfer, Leiter der Online-Redaktion.
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Die Verleger in Deutschland haben einen Teilerfolg errungen. Am Freitag hat der Bundestag das Gesetz zum Leistungsschutzrecht verabschiedet. Dieses soll vor allem Internet-Gigant Google bremsen. Der Fast-Monopolist darf sich nicht einerseits am inhaltlichen Angebot von Verlagen bedienen, andererseits das durch Werbung verdiente Geld ganz alleine einkassieren. In fast letzter Minute wurde das Gesetz zwar noch einmal geändert. Es riecht danach, als hätte der Lobbydruck von Google gewirkt. „Kleinste Textausschnitte“, so der schwammige Gesetzestext, dürften Suchmaschinen oder Blogger weiterhin lizenzfrei verwenden. Dennoch hat Google keinen Freifahrtsschein mehr. Die Regierung hatte den richtigen Gedanken, sie hat aber auf halber Strecke der Mut verlassen, sich deutlicher gegen Google zu stellen und für Chancengleichheit zu sorgen. Oder, wie es einst der bayerische Kabarettist Karl Valentin formulierte: „Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

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5 Kommentare
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Hallo Herr Fels, danke für Ihren Beitrag. Natürlich bediene ich mich auch an den kostenlosen Angeboten im Netz. Diese finanzieren sich aber in den meisten Fällen durch Werbung. Die Situation der Verlage ist in meinen Augen differenzierter zu betrachten. Die journalistischen Leistungen werden u.a. eben von Google benutzt, um dann durch Werbung um die Ergebnisse Geld zu verdienen. Davon haben die Verlage nur nichts. Wenn Sie von Geben und Nehmen sprechen, ist es aus Sicht der Verlage und des Gesetzgebers zur Zeit eben so, dass z.B. Google viel mehr nimmt als gibt. Das zu ändern, ist für mich legitimes Interesse und im Übrigen auch notwendig, damit wir in Deutschland weiterhin viele Redaktionen haben, die Nachrichten erstellen können.
Herzlicher Gruß, Martin Jungfer
Geben und nehmen
Google, Wikipedia und Konsorten stellen ihnen und ihren Kollegen kostenlose Werkzeuge zur Verfügung, indem sie ihnen Suchergebnisse und Content gratis (!) präsentieren. Inhalte, die viele Anwender erstellt haben und mit denen sie als Redakteur nun Geld verdienen.
Für die Verlage wäre es technisch sehr einfach, ihre Inhalte aus den Suchergebnissen ausblenden zu lassen. Das wollten sie aber nicht und ignorieren jeden diesbezüglichen Hinweis. Lieber wird nach dem Gesetzgeber gerufen.
Das LSR ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die ihre Inhalte frei verfügbar zur Verfügung stellen und stellt viele Blooger und Freischaffende vor das Problem einer wachsweichen rechtlichen Lage aufgrund schlampiger Definitionen.
Es gibt keine belastbaren Zahlen, die ihr Argument belegen, daß Suchmaschinen mehr nehmen, als sie geben.
Mein Vorschlag im Rahmen der Glaubwürdigkeit: Verzichten sie doch in Zukunft einfach auf kostenlose Werkzeuge und nehmen sie ihren Content aus den Suchmaschinen.
Finanzierung
Hallo Herr Fels, betriebswirtschaftlich ist das Ganze schnell gerechnet. Wenn unsere Redaktionen alle Inhalte kostenlos ins Netz stellen, bleibt als Finanzierung ausschließlich die Werbung. Dort treffen wir allerdings auf einen Konkurrenten wie Google. Dieser macht Milliarden-Gewinne durch Werbeplätze in den Suchergebnissen, die es nur gibt, weil andere Inhalte erstellen. Leider entwickeln sich die Erlöse durch Werbung nicht so, dass davon Redaktionen bezahlt werden können. In meinen Augen ist es keine Alternative, dass Journalisten, die unabhängig recherchieren und berichten, künftig ohne Lohn arbeiten. Mögliche Lizenzgebühren von Google werden das Problem übrigens alleine nicht lösen. Aber es ist ein nicht unwichtiger Anteil.
Herzlicher Gruß - Martin Jungfer
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