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Politik OB-Wahl in Stuttgart: Andreas Renner zur CDU-Niederlage

23.10.2012
Singens Ex-Oberbürgermeister, Ex-Sozialminister und Fast-CDU-Kandidat Andreas Renner spricht über die Stuttgarter Oberbürgermeister-Wahl und das Großstadtproblem der CDU

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Herr Renner, die Stuttgarter Grünen sagen, mit Ihnen als CDU-Kandidat wäre es schwieriger geworden. Was meinen Sie?

Das ehrt mich, aber da ich nicht zur Wahl gestanden habe, bleibt der Beweis offen. Es gab Leute, die mir das richtige Profil attestiert haben. Aber eine Wahlkampfdynamik in meinem Fall hätte auch ganz anders ausgehen können. Das kann man ganz, ganz schwer sagen.

Wie ist denn Ihr Profil?

Ich habe sicherlich eines der Profile, die Offenheit und CDU darstellen. Und ich galt ja immer als einer der Wertkonservativ-Fortschrittlichen. Und ich habe Erfahrung im Amt, ich habe in zwei OB-Wahlen gezeigt, dass ich Menschen überzeugen kann.

Ihre Wahlanalyse zur OB-Wahl?

Es ist müßig, gute Ratschläge zu geben. Aber der Wahlkampfstil der letzten zwei Wochen war sicher suboptimal. Das mag in den anglo-amerikanischen Ländern gut ankommen, aber bei uns ist so was meistens kontraproduktiv. Die Zuspitzung ist zwar gelungen, aber man war ja weit davon entfernt, gegen Kuhn zu gewinnen.

Warum hat die CDU in Großstädten ein Problem?

Ich hatte den Eindruck, dass es hierbei nicht nur um die CDU ging, sondern auch um die Persönlichkeiten. Offensichtlich konnten sich mit Fritz Kuhn mehr Wähler identifizieren.

Das heißt, die Selbstanalyse des CDU-Kandidaten, es habe an mangelnder Bekanntheit gelegen, greift zu kurz?

Die Bekanntheit war am Ende ja bei beiden da. Doch es gab Leute, die im Vorfeld gesagt haben: Egal, wer da für die CDU antritt, der wird gewinnen, mit dieser großen Hausmacht im Hintergrund. Das war falsch. Die bürgerliche Mehrheit in Stuttgart wählt nicht zwangsläufig konservativ im Sinne von CDU. Man muss einfach konstatieren: Fritz Kuhn hat weite Teile des konservativen Wählerspektrums erreicht. In dieser Schnittmenge treffen sich die Persönlichkeiten, die es untereinander ausmachen. Offenbar ist es Kuhn besser gelungen, an die Menschen ranzukommen und sie von seiner Person zu überzeugen. Erschwerend kommt für jeden CDU-Kandidaten hinzu – das hätte auch für mich gegolten –, dass Grün an Schrecken verloren hat, seit Kretschmann in den Augen der Bürger einen guten Job macht. In Stuttgart gibt es Wahlbezirke mit über 60 Prozent für Kuhn und bei der Landtagswahl 2011 haben die Grünen drei von vier Wahlkreisen gewonnen. Das ist die Realität.

Die Analyse scheint klar, warum findet Ihre Partei kein probates Rezept in Großstädten?

Ich glaube, das war der Versuch, dem zu begegnen. Das halte ich für sehr legitim. CDU-Kreischef Kaufmann hat für sich die Annahme getroffen, einen Unabhängigen ins Rennen schicken zu müssen. Aber das war offenbar auch nicht das richtige Mittel.

Unabhängigkeit hat nichts gebracht?

Offensichtlich hat die Bürger ein Parteikandidat nicht abgeschreckt. Wir lernen daraus, dass ein Parteibuch eben doch kein Makel ist. Das wird in der Bevölkerung offensichtlich so nicht gesehen. Bei aller mangelnden Wertschätzung, die Politiker gemeinhin haben, haben die Bürger jemandem, der langjährig politisch arbeitet, ihr Vertrauen geschenkt. Am Ende gewinnt bei jeder OB-Wahl – ob in Stuttgart oder Donaueschingen, Mannheim oder Heidelberg – der rundere Kandidat. Das war in Stuttgart offensichtlich Kuhn.

Die Fragen stellte Gabriele Renz

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