Doch mit Verlauf und Dauer des Krieges rückten die Nationalsozialisten immer stärker von ihrem Frauenideal ab. Frauen wurden als Arbeitskräfte benötigt, unter anderem in der Rüstungswirtschaft. Sie mussten Stellungen bauen oder Bombenschäden beheben. Ende 1944 stand etwa eine halbe Million Frauen in Diensten der Wehrmacht. Sie bedienten Flakscheinwerfer und Ortungsgeräte oder waren in Büros und dem Nachrichtenwesen tätig. Ab dem März 1945 wurden auch Waffen an Frauen ausgegeben, die kämpfen wollten.
Hunderttausende von Frauen wurden während und nach dem zweiten Weltkrieg von den Besatzern vergewaltigt. Beteiligt waren – entgegen landläufiger Annahmen – an den Verbrechen längst nicht nur Sowjet-Soldaten, sondern auch amerikanische und französische Soldaten. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das Thema nicht nur von den Opfern, sondern auch in der Gesell-schaft lieber totgeschwiegen. Man machte sich an den Wiederaufbau und hatte andere Sorgen. Erst Jahrzehnte später wuchs die Sensibilität im Umgang mit diesem schwierigen Thema.
Rund eine Million Kriegerwitwen lebten nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Besatzungszonen und der frühen Bundesrepublik. „Für viele Kriegerwitwen war eine erneute Eheschließung in den 50er-Jahren jedoch eine Option, die sie nicht wahrnehmen konnten oder wollten“, meint die Historikerin Anna Schnädelbach. Die moralisch-sittlichen Maßstäbe waren streng. Es war nicht das einzige Dilemma von Kriegerwitwen: Von der staatlichen Unterstützung konnten diese Frauen nicht überleben, gleichzeitig wurden ihnen Steine im Berufsleben in den Weg gelegt.