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24.12.2012  |  von  |  0 Kommentare

Politik Ministerin muss um Doktortitel zittern

Unruhige Weihnachtstage für Annette Schavan – doch auch die nächsten Wochen dürften es für die Bundesbildungsministerin in sich haben: Wenn im Januar die großen Wissenschaftsorganisationen zu ihren Neujahrempfängen in Berlin zusammenkommen, wird ein Thema die Tischrunden der Professoren beherrschen: Wie lange kann sich die unter Plagiatsverdacht stehende oberste politische Repräsentantin von Bildung und Forschung noch im Amt halten?Am 22. Januar will der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf erstmals darüber beraten, ob er gegen die CDU-Politikerin ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einleitet. Das Ergebnis einer Vorprüfung des Promotionsausschusses der Hochschule ist für Schavan vernichtend: Einstimmig votierten die sieben Mitglieder – vier Professoren, zwei Mitarbeiter und ein Student – für diesen Schritt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan stehen schwere Wochen bevor: Verliert sie den Doktortitel, wird die Rheinländerin im Amt kaum zu halten sein.  Bild: dpa



Basis für die Entscheidung: ein 75-seitiges Gutachten des Promotionsausschussvorsitzenden Stefan Rohrbacher, Professor für Jüdische Studien. Er attestiert Schavan eine „leitende Täuschungsabsicht“ bei ihrer vor 32 Jahren eingereichten Doktorarbeit mit dem Thema „Person und Gewissen“. Rohrbachers Gutachten wie auch das einstimmige Votum des Promotionsausschusses wurden durch Indiskretionen in den Medien publik.

Der Fakultätsrat wird an Rohrbachers Analyse nicht vorbeikommen. Der im Kollegenkreis als „akribischer Analytiker“ charakterisierte Wissenschaftler will laut „Spiegel“ in Schavans Dissertation auf 60 der 351 Seiten fündig geworden sein und sieht in ihrer Arbeit „das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“. Doch der Fall Schavan ist nicht mit dem des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gleichzusetzen, der ganze Textpassagen aus einem Zeitungskommentar und aus anderen Aufsätzen kopierte.

Schavan hat sich unterdessen zur Wehr gesetzt: „Ich habe meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Deshalb weise ich die Vorwürfe entschieden zurück“, sagte sie. Zugleich bestritt Schavan Rücktrittsgedanken: „Ich möchte Ministerin bleiben über die Bundestagswahl hinaus.“

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