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12.07.2012  |  von  |  0 Kommentare

Politik Ein guter Freund

Dirk Notheis, Investmentbanker und alter Bekannter aus Junge-Union-Zeiten, fädelte mit Mappus den EnBW-Deal ein

Ebenfalls in der Schusslinie: Investmentbanker Dirk Notheis.  Bild: dpa

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Redakteurin BaWü / Kolumnistin

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Er brachte es bis zum Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley. Sein Meisterstück sollte der milliardenschwere Rückkauf von EnBW-Aktien durch das Land Baden-Württemberg werden. Seither steht Dirk Notheis, Karriere-Banker und einstiger Junge-Union-Freund von Stefan Mappus, in der politischen Schusslinie.

Mappus scheint – zumindest beim EnBW-Deal – dem aus dem badischen Ettlingen stammenden Banker ergeben gewesen zu sein. Der Ministerpräsident pflegte enge Familienbande, nahm Notheis mit zur Papst-Audienz nach Rom. Im November 2010 war es so weit: Mit dem EnBW-Deal zog Notheis für seine Investmentbank 12,8 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an Land. Wer die Mails liest, die er in der heißen Phase der Geschäftsanbahnung schrieb, stößt auf den schnoddrigen, knappen Ton eines Menschen, der gewohnt ist, Order auszugeben. Eines Mannes, der smart auftritt, aber unverhohlen drohen kann, um seine Position durchzusetzen. Und schließlich auf einen, der einen gestandenen Politiker wie Mappus aussehen lässt wie eine an Fäden bewegte Marionette. „Die zentrale Frage ist: War der Ministerpräsident seinem Banker hörig“, sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel später im Landtag.

Notheis war es auch, der den Preis für den Kauf der 45-Prozent-Aktien vom französischen Staatskonzern EdF festklopfte und Mappus Kontakte mit anderen Banken verbot: „Du musst das alles ablehnen!“ Inzwischen hat er sich bei Morgan Stanley eine „Auszeit“ genommen. Die Karriere scheint zu Ende.

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Die EnBW-Affäre

Der EnBW-Deal der Regierung Mappus im Jahr 2010 zieht weite Kreise: Der umstrittene Rückkauf der EnBW-Aktien vom französischen Stromkonzern EDF, vom damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus am Landtag vorbei in die Wege geleitet, wurde vom Staatsgerichtshof Baden-Württemberg Ende 2011 für verfassungswidrig erklärt. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Im Juli 2012 nimmt die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen Mappus wegen Verdachts der Untreue auf.

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