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22.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Bern Atomkraftwerk Mühleberg: Banger Blick in die Schweiz

Das Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg gerät wegen seiner umstrittenen Erdbebensicherheit erneut in die Kritik. Greenpeace wirft den Aufsichtsbehörden eine Verletzung der Aufsichtspflicht vor.

Das Schweizer Kernkraftwerk Mühleberg ist immer wieder Gegenstand von Protesten. Sorgen bereitet die Nähe zu einer Staumauer, deren Sicherheit umstritten ist.  Bild: dpa

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Redakteur Baden-Württemberg

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Die Schweizer Atom-Aufsichtsbehörden (BFE und Ensi) geraten wegen ihrer Haltung zum Alt-Reaktor Mühleberg unter Druck. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den Einrichtungen vor, sie würden ihren Aufsichtspflichten bei der rund 14 Kilometer westlich von Bern gelegenen Anlage nicht nachkommen.

AKW Mühleberg: Kritische Lage

Hintergrund ist die besondere Lage des Reaktors, der seinen kommerziellen Betrieb vor über 50 Jahren aufnahm. Gut einen Kilometer entfernt liegt ein Staudamm, der das Wasser der Aare reguliert. Vor allem seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima richten sich die besorgten Blicke auf die Staumauer. Im Falle eines Erdbebens müsste diese 20 Millionen Kubikmeter Wasser halten. Diese gewaltigen Wassermengen würden, so die Kritiker, im Falle eines Dammbruchs den Kühlbetrieb des Atomreaktors sofort außer Kraft setzen. Eine Katastrophe, ähnlich wie in Japan vor zwei Jahren, wäre unausweichlich.

Gutachten: Staumauer würde Erdbeben kaum standhalten

Ein erstes Gutachten der Mühleberg-Betreiberin Bernische Kraftwerke (BKW) war auch zu dem Ergebnis gekommen, dass die Staumauer einem mittelschweren Erdbeben kaum standhalten würde. Zwei weitere Versionen desselben Gutachterbüros kamen schließlich zum gegenteiligen Schluss. Daraufhin erteilten die Aufsichtsbehörden dem Kernkraftwerk-Betreiber ihren Segen: Sicherheitsnachweis erbracht.

Gesetzliche Mindesanforderungen nicht erfüllt?

Der Schweizer Ingenieur Markus Kühni wollte sich damit aber nicht zufriedengeben. Er stolperte über die konträren Gutachten und stellt jetzt fest: „Die Staumauer oberhalb des AKW Mühleberg erfüllt die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht und darf somit nicht als sicher eingestuft werden.“ Gestützt werden seine Berechnungen durch den Geotechniker Wie Wu von der Universität Wien. Der Experte für Bodenkunde rechnete im Auftrag von Greenpeace alles noch einmal durch und kam zu einem für den BKW vernichtenden Ergebnis: Dokumentation und Stellungnahme der Betreiberin seien „lückenhaft und reichen aus geotechnischer Sicht als Sicherheitsnachweis nicht aus“, erklärte er gestern bei einer Pressekonferenz in Bern. Seine Kritik richtet sich auf eine widersprüchliche Anwendung von Sicherheitsrichtlinien, das Zugrundelegen bodenmechanischer Kennwerte, die nicht nachvollziehbar seien und das Fehlen eines Nachweises, wie sich die Staumauer im Erdbebenfall verhält.

Greenpeace: Schweizer Atomaufsichtsbehörden sind gefordert

Jetzt liegt der Ball vor allem bei den Schweizer Atomaufsichtsbehörden. Greenpeace forderte die obersten Aufseher im BFE auf, sich zu dem „mehrmals beschönigten Gutachten“ Stellung zu nehmen. Und für Markus Kühni steht bereits fest, „dass man nichts anderes tun kann, als das AKW unverzüglich abzuschalten“, wie er gegenüber dieser Zeitung gestern erklärte. Eine offizielle Stellungnahme aus Bern lag gestern dagegen nicht vor.

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