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07.08.2012  |  0 Kommentare

Berlin (dpa) Interview: «Keine kriminelle Energie»

Immer mehr der begehrten Spenderorgane werden nicht nach den Standardverfahren vergeben, die Gerechtigkeit bringen sollen. Zu hunderten wählen Ärzte in beschleunigten Verfahren selbst aus, wer vor Ort das Organ bekommt.
Montgomery

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Foto: Daniel Karmann / Archiv  Bild: Foto: dpa

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Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erläutert im dpa-Interview die Hintergründe.

Warum gibt es ein beschleunigtes Vergabeverfahren?

Montgomery: «Wir haben dieses beschleunigte Vermittlungsverfahren bewusst eingeführt, um die Nutzung zur Verfügung gestellter Organe zu verbessern. Die Organe "verschlechtern" sich in ihrer Qualität, weil die Spender älter werden und zunehmend auch Übergewicht oder Vorerkrankungen haben. Deshalb ist es weitgehend normal, dass wir zunehmend mehr Ablehnungen für ein Organ bekommen, weil das Organ einfach nicht zu einem Empfänger passen will. Damit diese Organe nicht komplett verloren gehen, hat man diesen schnellen Vermittlungsweg gewählt.»

Die Organe bleiben in der Region und werden nicht über das übliche Eurotransplantverfahren vergeben. Werden sie dennoch nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit vergeben?

Montgomery: «Das ist für auf den ersten Blick schwerer nachzuvollziehen, aber es sind ja dieselben Menschen, die auch auf den Listen von Eurotransplant stehen. Wir beobachten, ob es regionale Besonderheiten bei diesem Verfahren gibt, konnten diese aber bislang nicht feststellen. Die Zahl der Organe in diesem besonderen Vermittlungsweg ist allerdings gestiegen. Es ist aber ein flächendeckendes Phänomen an allen Transplantationszentren. Es ist nichts, was auf einen kriminellen Einzelfall oder Energie einzelner Zentren schließen ließe.»

Inwieweit gilt die allgemeine Warteliste?

Montgomery: «Die Organe werden nach einer klinikinternen Warteliste vergeben. Ich glaube, wenn ein Empfänger zufällig in einer Klinik ist, in der ein freiwerdendes Angebot eintrifft, dann hat er eine höhere Chance, als wenn er da nicht ist. Deshalb bin ich nicht sicher, ob die allgemeinen Kriterien dabei immer eingehalten werden können.»

Organspendeausweis

4932 Organe wurden 2011 in Deutschland transplantiert, 12.000 Menschen standen auf der Warteliste. Im Juli erschütterte ein Skandal um Spenderorgane die Universitätskliniken in Göttingen und Regensburg. Nun gibt es neue Zweifel: Dutzende Organe werden jedes Jahr nicht allein nach den Standardkriterien wie Erfolgsaussicht oder Dringlichkeit vergeben.

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