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20.09.2012  |  0 Kommentare

Berlin (dpa) Von der Leyens Armutsbericht entfacht neuen Koalitionskrach

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Koalition erneut gegen sich aufgebracht. FDP und Teile der CDU sind verärgert, weil ihr Entwurf des neuen Armuts- und Reichtumsberichts - so sehen das die Kritiker - auf Steuererhöhungen einstimmen soll.
Armut

Obdachloser in Berlin: Die untere Hälfte der deutschen Haushalte besaß zuletzt lediglich 1 Prozent des Nettovermögens. Foto: Arno Burgi/Archiv  Bild: Foto: dpa

Rösler

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist mit der Arbeit des Arbeitsministeriums unzufrieden. Foto: Marc Tirl  Bild: Foto: dpa

Ferraris

Reiche unter sich: Parkplatz bei den Ferrari Racing Days auf dem Nürburgring. Foto: Werner Baum/Archiv  Bild: Foto: dpa

Tafel für Bedürftige

Bei der Stralsunder Tafel warten Bedürftige auf die Ausgabe von Lebensmitteln. Foto: Stefan Sauer/Archiv  Bild: Foto: dpa

Armut

Nebenverdienst: Ein alter Mann sammelt Pfandflaschen. Foto: Frank Rumpenhorst  Bild: Foto: dpa

Von der Leyen und Rösler

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler im Fernsehstudio. Foto: Stephanie Pilick/Archiv  Bild: Foto: dpa

Warten auf Nahrung

Warten auf Nahrung: Ein bedürftiger Mann vor dem Gebäude der Tafel Leipzig. Foto: Waltraud Grubitzsch/Archiv  Bild: Foto: dpa

Champagner

Gekühlter Champagner auf der Bar des Nachtclubs «Bel Ami» in Berlin: Der private Reichtum in Deutschland wird immer größer. Foto: Britta Pedersen  Bild: Foto: dpa

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Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium kündigte an, der Vorlage, die zunehmend ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland beleuchtet, die Zustimmung zu verweigern. Aber auch aus den Reihen der CDU wurde massive Kritik laut.

Das Arbeitsministerium wies den Vorwurf zurück, Steuererhöhungen das Wort zu reden. Schon in den vergangenen Tagen und Wochen war von der Leyen mit ihrem Zuschussrenten-Konzept gegen Altersarmut in Union und FDP auf massive Kritik gestoßen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte angesichts der neu aufgeflammten Debatte vor Mehrbelastungen: «Ich halte von Vermögensabgaben nichts», sagte sie am Donnerstag dem Fernsehsender Sat 1. Die Opposition dringt auf eine Abgabe für Vermögende.

Zum Streit zwischen Arbeitsministerin und Wirtschaftsminister äußerte sich Merkel zurückhaltend. Bisher sei nicht einmal die erste Runde der Abstimmung in der Bundesregierung gelaufen. Das Kabinett werde im November beraten. «Ich bin ganz optimistisch, dass wir dann auch einen gemeinsamen Standpunkt finden.»

In einer internen Stellungnahme aus dem Ressort von Philipp Rösler heißt es, der am Dienstag bekanntgewordene Entwurf sei «nicht ressortabgestimmt» und entspreche daher «auch nicht der Meinung der Bundesregierung».

Der Unmut in der Koalition hatte sich vor allem an der im Bericht angedeuteten Möglichkeit von Steuererhöhungen entzündet: «Die Bundesregierung prüft, ob und wie über die Progression in der Einkommensteuer hinaus privater Reichtum für die nachhaltige Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden kann.»

Rösler hält Forderungen «nach noch mehr Umverteilung» für nicht zustimmungsfähig. «Ich gehe davon aus, dass solche Vorschläge ein für allemal vom Tisch sind und die Bundesregierung sich wieder voll auf das konzentrieren kann, was wichtig ist: Alles was Wachstum und Beschäftigung bringt», sagte Rösler in Bangkok. Dass sich Mitglieder der Bundesregierung bei Auslandsreisen zu aktuellen innenpolitischen Themen äußern, ist höchst ungewöhnlich.

Von der Leyens Ministerium hatte zuvor klargestellt: «Es gibt im Bericht keinerlei Hinweise auf neue Umverteilungen über das Steuersystem. Die Prüfaussage in diesen Zusammenhang zu stellen, ist absolut konstruiert.» Es gehe «ausschließlich und allein um das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung und des Engagements im Rahmen von freiwilligen Spenden- und Stiftertätigkeiten», keineswegs «um Zwangsmaßnahmen».

Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) sprach in der «Bild»-Zeitung» von «Linksrhetorik pur». Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs sagte: «Das ist das ganze Gegenteil von dem, was wir im Koalitionsvertrag beschlossen haben.»

Das Rösler-Ressort dringt darauf, in dem Bericht die positiven Trends stärker in den Vordergrund zu stellen. So hätten seit 2005 mehr als zwei Millionen Menschen eine Beschäftigung gefunden. Auch sei der Anteil der Niedriglohnbeschäftigung seit 2007 rückläufig und die Langzeitarbeitslosigkeit um 40 Prozent gesunken. «Dadurch hat sich die Lebenssituation einkommensschwacher Haushalte verbessert», so das Wirtschaftsministerium.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte den kabinettsinternen Streit eine «Schmierenkomödie» und warnte wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin vor einer Selbstblockade der Bundesregierung. Beide warben für eine Vermögensabgabe und einen höheren Spitzensteuersatz. Der Präsident des Sozialverbands SoVD, Adolf Bauer, verwahrte sich gegen Bestrebungen, den Armuts- und Reichtumsbericht «weichzuspülen».

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