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Plagiate 46 Doktortitel von Spitzen-Politikern werden überprüft

Hexenjagd oder Wahrheitsfindung? Im Internet gibt es eine neue Seite, die jetzt die Doktorarbeiten aller deutschen Spitzenpolitiker unter die Lupe nehmen will. Jeder, der Zeit und Lust hat, soll hier die Rechtmäßigkeit der Promotionen überprüfen können.

Die Startseite von www.doktorarbeitendomino.de: 65 Politiker werden hier überprüft
Die Startseite von www.doktorarbeitendomino.de: 65 Politiker werden hier überprüft Bild: Screenshot
Wer dachte, die Plagiatsjäger würden nach Guttenberg (Uni Bayreuth), Silvana Koch-Mehrin (Uni Heidelberg) oder Stoiber-Tochter Veronica Saß (Uni Konstanz) die Hände in den Schoß legen, hat sich getäuscht. Ab sofort will eine Internet-Seite allen promovierten Bundestagsabgeordneten auf die wissenschaftlichen Finger schauen. Auch alle Doktorarbeiten der deutschen Mitglieder des Europaparlaments werden unter die Lupe genommen.

In Anlehnung an den sogenannten Domino-Effekt, nach dem die demokratischen Revolutionen in der arabischen Welt immer weitere Diktatoren zu Fall bringen würden, wurde die Seite auf den Domain-Namen www.doktorarbeitendomino.de getauft.

Die Macher der Seite stammen aus der Blog-Leserschaft des IT-Sicherheitsexperten Felix von Leitner. Als Kernteam sind sie bislang allerdings nur unter den Namen admin, ck und timmah bekannt. Sie wollen klargestellt haben, dass das Projekt nicht einer Hetzjagd, sondern vielmehr einer ausgewogene Wahrheitsfindung dienen soll. Sie führen drei Punkte an, weshalb sie diese Seite ins Leben gerufen haben.

Koordinierung, Effizienz und Parteiunabhängigkeit

Zum einen soll die Suche nach Plagiaten besser koordiniert werden, indem eine Seite alle Ergebnisse sammelt. Wie schon bei Guttenplag oder Vroniplag geschieht das nach dem Prinzip des "Crowdsourcing". Dabei werden die zeitlichen und geistigen Ressourcen der breiten Masse an "Mit-Jägern" nutzbar gemacht, um effektive Ergebnisse zu erhalten. Außerdem solle ein objektives Gesamtbild entstehen, bei dem hervorgehoben werden soll, dass es auch tadellose Arbeiten von Politikern gibt. Das gesamte Verfahren soll zudem parteiunabhängig stattfinden.
 
Die Macher der Seite wollen ausschließlich Doktorarbeiten überprüfen, die nach 1995 geschrieben wurden, weil sich erst ab 1996 das Internet enorm ausgebreitet hat, was die Copy/Paste-Mentalität erst ermöglichte. Demnach dürften vor allem die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion ins Schwitzen geraten, denn sie stellen mit 20 promovierten Bundestagsmitgliedern die höchste Zahl dar. Die FDP kommt auf zehn und SPD muss sich auf sieben untersuchte Doktorarbeiten gefasst machen. Die Grünen haben nur vier Doktoren in ihren Reihen. Nur die Links-Fraktion bleibt außen vor, Doktorarbeiten ab 1996 dort: Fehlanzeige.

 46 Spitzenpolitiker im Visier
 
Zusammen mit allen deutschen Europaabgeordneten mit einer Promotion nach 1995 (fünf) würden demnach 46 Doktorarbeiten von Spitzen-Politikern untersucht. Die Seite hatte gestern Abend innerhalb von sieben Stunden bereits mehr als 80.000 Seitenaufrufe. Davon sind viele aus der Bundesrepublik, aber auch einige aus dem übrigen Europa. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist, hängt ganz davon ab, wieviele Mitstreiter Doktorarbeitendomino erhalten wird.

Hier geht es zur Plagiate-Seite: www.doktorarbeitendomino.de
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