Politik Machtkampf im Tropenparadies
„Ich glaube, dass die Menschen des Landes mehr Leid ertragen müssten, wenn ich weiter Präsident der Malediven bliebe“, sagte der 44-jährige Staats- und Regierungschef in seiner Rede an die Nation. Mohamed Wahid, der bisherige Vizepräsident des Landes mit über Tausend Inseln, wurde zum Übergangspräsidenten bestimmt. Urlauber auf der beliebten Inselkette mit seinen weißen Sandstränden und Korallenriffen sind von den Unruhen zur Zeit nicht betroffen, da sich die Proteste auf die Hauptstadt beschränken.
Der Rücktritt Nasheeds ist das vorerst letzte Kapitel eines langwierigen Machtkampfes zwischen ihm und seinem Vorgänger Maumun Abdul Gayum. Gayum hatte das Land 30 Jahre lang autokratisch regiert, bis 2008 Nasheed ihn in einer demokratischen Wahl besiegte. Die beiden Politiker sind langjährige Rivalen: Während der Regierungszeit von Gayum verbrachte Nasheed insgesamt sechs Jahre im Gefängnis und wurde wegen seines Pro-Demokratie-Kampfes 27 Mal festgenommen. Dem Rücktritt von Nasheed gingen wochenlange Proteste der Opposition in Male voran, nachdem Nasheed die Armee aufgefordert hatte, den Obersten Richter abzusetzen, weil dieser angeblich Gayum unterstützen soll.
Das weitere Schicksal von Nasheed ist bislang unklar: Der Ex-Präsident soll unter dem „Schutz der Armee“ stehen. Ob der Politiker sich freiwillig oder gezwungenermaßen in Militär-Gewahrsam begeben hatte, ist offen. Im kommenden Jahr stehen erneut Präsidentenwahlen auf den Malediven an. Im Vorfeld hatte die politische Opposition versucht, mit islamistischer Hardliner-Rhetorik bei den Wählern zu punkten und Nasheed beschuldigt, unislamisch zu sein. Entgegen dem westlich-liberalen Insel-Image ist der Großteil der Bevölkerung der Malediven streng muslimisch. Die Einwohner leben streng abgeschottet von der Welt der Touristen, die vor allem zum Tauchen und zum Honeymoon-Urlaub auf die Insel kommen. Einheimische sind nur als Personal auf Touristen-Inseln zugelassen, umkehrt dürfen Urlauber praktisch nicht auf Inseln, auf denen Einheimische leben.
