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Politik Abgabe für Kinderlose: Närrisch oder wünschenswert?

14.02.2012


Sollen Kinderlose mehr in die Sozialversicherung einzahlen? Ein Pro und Kontra aus der SÜDKURIER-Politikredaktion
Sollen Kinderlose mehr in die Sozialversicherung einzahlen als Familien mit Kindern? In der Union ist ein Streit darüber entbrannt, die Opposition zeigt sich empört.

Eine junge Gruppe von Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um den Parlamentarier Marco Wanderwitz hatte einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Den jungen Unionsabgeordneten schwebt vor, Kinderlose ab 25 Jahre mit einem Prozent ihres Einkommens zur Kasse zu bitten. Die Abgabe könne nach der Anzahl der Kinder gestaffelt werden. Kinderlose sollen voll zahlen, Eltern mit einem Kind die Hälfte, Eltern mit mehreren Kindern nichts. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wies den Vorschlag zurück, die Opposition ist empört. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) zeigten sich hingegen offen.

Auch in der SÜDKURIER-Redaktion wird dieses Thema kontrovers diskutiert. Lesen Sie hier ein "Pro" und "Kontra" unserer Politik-Redakteure Alexander Michel und Uli Fricker.

Pro: Kinder sind die Zukunft

„Kinder kriegen die Leute immer“, hat unser erster Bundeskanzler, Konrad Adenauer, einmal gesagt. Der Vater von acht Kindern hatte keinen Grund, am Fortbestand des Generationenvertrags zu zweifeln. Dieser ist heute aber nicht mehr als eine Phrase. Die steigenden Soziallasten einer rapide alternden Gesellschaft werden auf immer weniger Schultern verteilt. Trotz Renten-Nullrunden und Ausdehnung der Lebensarbeitszeit steuern die Sozialsysteme auf einen schleichenden Kollaps zu.

Die Situation wäre weniger dramatisch, würden in Deutschland mehr Kinder geboren. Daher ist es legitim, darüber nachzudenken, ob nicht jene Menschen einen Solidarbeitrag leisten sollen, die Kinder und Familiengründung anderen überlassen. Denn auch sie erwarten später eine Rente. Aber die fällt nicht vom Himmel, sondern wird von jenen erwirtschaftet, die andere großgezogen haben. Kinderlose sind Nutznießer der Entscheidung jener, die sich dafür entschieden haben, die enorme finanzielle Last einer Familie zu tragen und dafür jahrzehntelange Abstriche an ihrem individuellen Lebensentwurf zu machen.

Das krasseste Beispiel einer von der Politik geduldeten Ungerechtigkeit: Mütter steigen für Jahre aus dem Job aus und werden dafür mit einem Nasenwasser bei der Rentenversicherung abgespeist. Alleinerziehenden Frauen in mies bezahlten Jobs drohen nicht nur Altersarmut, sondern oft auch gesundheitliche Einbußen, während gut verdienende Kinderlose Annehmlichkeiten genießen, von denen Mehrkind-Familien nur träumen können.

Auch wenn die Abgabe sicher nicht kommen wird: Sie verweist auf eine krasse Schieflage unserer Gesellschaft – eine Schieflage, die sich trotz aller politischen Projektemacherei bisher nur verschlimmert hat.

Alexander Michel, Politikredaktion

Kontra: Närrischer Vorschlag

Auch der Politik hört man an, dass Fasnacht ist. In Bayern noch mehr als anderswo in Deutschland. Aus dem Freistaat kommt die Idee, dass Kinderlose in Zukunft von Staats wegen bestraft werden. Über ein Punktesystem müssten diejenigen einen "Sonderfonds" füllen, die kein Kind haben. In gestaffelter Form werden auch Paare zur Kasse gebeten, die "nur" ein oder zwei Kinder haben. Straffrei gehen demnach Clans mit einer zweitstelligen Anzahl von Sprösslingen aus.

Fast wie früher. Dann kann frau auch gleich zuhause bleiben und dem Staat Betreuungskosten sparen. Sind das drei Fliegen mit einer Klappe? Nein, ein Teil der Union versucht mit umoralischen Methoden, die Staatskasse zu füllen. Ob sich zwei Partner für Nachwuchs entscheiden, ist ihre Sache. Die öffentliche Hand hat in diesem Privatbereich nichts verloren. Auch keine Partei, die offenbar noch immer einem altmodischen Familienbild nachläuft.

Im Übrigen jetten Kinderlose (schon das Wort ist diskriminierend!) nicht nur durch die Welt, um toll zu leben und Wellness zu treiben. Sie arbeiten oft zu zweit, sie zahlen überproporational viel Steuern, und sie stehen in der Gesellschaft oft in der ersten Reihe, wenn es ums Ehrenamt geht. Die meisten lieben sogar Kinder. Denn Kinderlosigkeit kann verschiedene Gründe haben. Nur selten ist sie gewollt und herbei verhütet: Ein Leben ohne Kinder ist oft gar nicht gewünscht.

Uli Fricker, Politikredaktion

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Reine Abzocke
Ja toll,hiermit wird mal wieder eine neue Sau durchs Dorf gejagt.
1.April
Was macht man mit denen wo gerne Kinder hätten aber keine bekommen können-die sind schon genug ...
Super Kommentar
Hallo Frau Neldner,
super!!! genau so ist es wie Sie schreiben.
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