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Paris Wen wählt Frankreich? Die vier wichtigsten Kandidaten im Kurzporträt

Die entscheidende Woche im französischen Präsidentenwahlkampf beginnt. Die Umfragen lassen ein knappes Rennen erwarten. Die Favoriten sind Emmanuel Macron und Marine Le Pen, doch weitere Kandidaten sind im Rennen.

Polit-Jungstar Emmanuel Macron – der Retter Europas?

Einige nennen ihn den „französischen Kennedy“. Der 39-jährige EmmanuelMacron tritt bei der Präsidentenwahl als Parteiloser an. Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker hat dabei Großes vor: Er will die Parteienlandschaft seines Landes umpflügen und der Rechtspopulistin Marine Le Pen Paroli bieten. Umfragen trauen ihm zu, Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai klar zu schlagen. Der frühere Jesuitenschüler profitiert dabei von der Schwäche vieler Kontrahenten.

Macron, der schon vor langer Zeit sein Parteibuch bei den Sozialisten abgab, positioniert sich „weder rechts noch links“. Er tritt mit seiner Bewegung „En Marche!“ offen für Europa und damit auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland ein. Damit ist er in der Kandidatenrunde eher die Ausnahme. „Ich habe Europa im Herzen“, lautet einer seiner Wahlsprüche. In Berlin wird seine Kandidatur deshalb mit Wohlwollen gesehen.

Der hochbegabte und ehrgeizige Kandidat war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Da das Misstrauen gegen die Finanzbranche im Land ganz tief sitzt, muss er sich immer wieder rechtfertigen.

Macron ist seit 2007 mit der mehr als 20 Jahre älteren Brigitte Trogneux verheiratet, die früher seine Lehrerin im nordfranzösischen Amiens war. Das Paar hat keine Scheu, sich schick angezogen in People-Magazinen zu präsentieren.

Emmanuel Macron
Emmanuel Macron | Bild: THOMAS SAMSON (AFP)

Marine LePen: Rechte Frontfrau gegen Europa und Globalisierung

Ihre Feindbilder sind „das System“ und „die Globalisierung“: Marine Le Pen ist eine der bekanntesten Figuren des Rechtspopulismus in Europa. Seit sie 2011 die Führung der Front National (FN) von ihrem Vater übernahm, eilt die französische Rechtsaußen-Partei von einem starken Wahlergebnis zum nächsten.

Marine Le Pen kam 1968 als jüngste Tochter des rechtsextremen Polit-Haudegens Jean-Marie Le Pen zur Welt. Im Alter von acht Jahren wurde sie von einer Bombenexplosion aus dem Schlaf gerissen – ein Anschlag auf ihren Vater, dessen Hintergründe nie geklärt wurden. Sie studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwältin, bis sie 1998 die Justizabteilung der Front National übernahm. Marine Le Pen hat drei Kinder. Ihre zwei Ehen gingen auseinander, heute ist sie mit dem FN-Europaabgeordneten Louis Aliot liiert.

Die 48-Jährige hat der FN ein gemäßigteres Auftreten verordnet, offenen Rassismus zurückgedrängt. Für diese Strategie ließ sie sogar ihren Vater aus der Partei ausschließen. Sie vertritt aber weiter radikale Positionen gegen die Europäische Union, den Euro und Einwanderung. „Die Stunde der großen Konfrontation zwischen Globalisierern und Patrioten ist gekommen“, sagt sie.

Le Pen ist Abgeordnete im EU-Parlament. Vorwürfe zur Verwendung von EU-Mitteln, wegen denen auch die französische Justiz ermittelt, lässt sie als Manöver ihrer politischen Gegner an sich abperlen.

Marine Le Pen
Marine Le Pen | Bild: JOEL SAGET (AFP)

François Fillon: Kantiger Konservativer mit Justiz-Ärger

Andere hätten längst das Handtuch geworfen. François Fillon ist als Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten seit Mitte März mit einem Ermittlungsverfahren der französischen Justiz konfrontiert. In der Affäre um die Beschäftigung seiner Frau Penelope im Parlament prüfen Ermittler den Verdacht, dass Staatsgelder hinterzogen wurden. Kein anderer Präsidentschaftskandidat der vergangenen Jahrzehnte hatte mit derart massiven Vorwürfen zu kämpfen.

Fillon wies die Anschuldigungen zurück, doch seine Kandidatur litt erheblich unter „Penelopegate“. Dazu kamen Medienenthüllungen über sein Privatleben, so nahm er in seiner Zeit als Premierminister eine teure Uhr als Geschenk an. Trotz allem werden dem Notarssohn aus der westfranzösischen Provinz im ersten Wahlgang immer noch rund 20 Prozent der Stimmen zugetraut.

Seine Ansprüche an die Wähler hat er zurückgeschraubt. „Ich bitte euch nicht, mich zu lieben, ich bitte euch, mich zu unterstützen“, sagte der 63-Jährige bei einer Wahlveranstaltung. Viele Anhänger sind katholisch und leben abseits der großen Metropolen.

Fillon spielt gerne seine Erfahrung aus, er war fünf Jahre lang Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012). Bei den konservativen Republikanern stach der Vater von fünf Kindern im vergangenen Jahr völlig überraschend seinen früheren Chef Sarkozy und den beliebten Alain Juppé aus. Von Sarkozy setzte er sich mit einem „No-nonsense-“Stil ab, von Juppé mit seinem radikalen Wirtschaftsprogramm.

French presidential election candidate for the right-wing Les Republicains (LR) party Francois Fillon delivers a speech during a campaign meeting, on April 18, 2017 in Lille. / AFP PHOTO / Philippe HUGUEN
French presidential election candidate for the right-wing Les Republicains (LR) party Francois Fillon delivers a speech during a campaign meeting, on April 18, 2017 in Lille. / AFP PHOTO / Philippe HUGUEN | Bild: PHILIPPE HUGUEN

Jean-Luc Mélenchon: Linker Volkstribun und Deutschland-Kritiker

Er ist der linke Lautsprecher der französischen Politik. „Wenn ihr diese drei wählt, werdet ihr Blut spucken“, warnt Jean-Luc Mélenchon mit Blick auf seine drei härtesten Konkurrenten bei der Präsidentenwahl. Allerdings poltert der hochtalentierte Redner bewusst weniger als früher, um ein breiteres Wählerspektrum zu erreichen. Mit Schlagfertigkeit und radikal linken Positionen ist der 65-Jährige im Schlussspurt des Wahlkampfs in den Kreis der Favoriten aufgerückt.

Der Franzose wurde 1951 im marokkanischen Tanger geboren, damals eine internationale Zone, und kam mit elf Jahren nach Frankreich. Er studierte Philosophie und arbeitete als Lehrer, bevor er in die Politik ging. Mélenchon ist geschieden und hat eine Tochter.

In den 1970er Jahren trat er der Sozialistische Partei (PS) bei. Mélenchon saß lange im Senat und war 2000 bis 2002 beigeordneter Minister für Berufsbildung. Beim Referendum über die EU-Verfassung 2005 war er ein Wortführer der französischen Ablehnung. Drei Jahre später brach er mit der PS und gründete eine linke Konkurrenz.

Mélenchon machte immer wieder Schlagzeilen mit harter Kritik an Deutschland – so rechnete er in einem Buch „Der Bismarck-Hering“ über „das deutsche Gift“ mit Berlins Politik in der Eurokrise ab. 2012 erreichte der Europaabgeordnete bei der Präsidentenwahl 11 Prozent. Diesmal profitiert er auch von der Schwäche des sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon.

Jean-Luc Melenchon
Jean-Luc Melenchon | Bild: PHILIPPE DESMAZES (AFP)

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