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Berlin/Mannheim Vorläufiges amtliches Endergebnis der Landtagswahl: Grün büßt ein - AfD noch stärker

Das vorläufige amtliche Endergebnis für die Landtagswahl in Baden-Württemberg steht fest. Die Grünen haben im Vergleich zur ersten Hochrechnung wieder verloren, die AfD hingegen wurde noch stärker als um 18 Uhr. Auch die Ergebnisse bei den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben sich noch leicht verändert.

Die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen und die CDU als stärkste Partei klar abgelöst. Für eine Neuauflage der grün-roten Regierung reicht es wegen des schlechten Abschneidens der SPD allerdings nicht. Möglich wäre stattdessen ein grün-schwarzes Bündnis oder eine Dreier-Koalition.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen die Grünen auf 30,3 Prozent - ein Plus von 6,1 Punkten im Vergleich zur Wahl 2011. Die CDU erreicht nur noch 27,0 Prozent, das sind 12 Punkte weniger als 2011. Die SPD verliert 10,4 Punkte und landet mit 12,7 Prozent noch hinter der AfD, die aus dem Stand 15,1 Prozent erreicht. Die FDP erreicht 8,3 Prozent, 3,0 Punkte mehr als bei der Wahl im Jahr 2011.

Die Linke schafft den Sprung in den Landtag mit 2,9 Prozent auch diesmal nicht. Für die Sitzverteilung bedeutet das: Die Grünen sind künftig mit 47 Abgeordneten im Landtag vertreten, die CDU mit 42, die AfD mit 23, die SPD mit 19 und die FDP mit 12. Die Wahlbeteiligung liegt den Angaben zufolge bei 70,4 Prozent, das sind 4,1 Punkte mehr als 2011.

Rheinland-Pfalz

Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz ist die SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 36,2 Prozent stärkste Kraft geworden. Auf dem zweiten Platz liegt die CDU mit 31,8 Prozent. Drittstärkste Kraft im Mainzer Landtag wird die AfD mit 12,6 Prozent.

Die Grünen verlieren deutlich, schaffen mit 5,3 Prozent der Stimmen aber erneut den Einzug in das Landesparlament. Die FDP kommt den offiziellen Zahlen zufolge auf 6,2 Prozent und ist damit wieder im rheinland-pfälzischen Landtag vertreten.

Eine Fortführung des bisherigen Regierungsbündnisses aus SPD und Grünen ist nicht mehr möglich. Die Sozialdemokraten kommen auf 39 Sitze, die CDU auf 35. Die AfD schickt 14 Abgeordnete in den Landtag, die FDP sieben und die Grünen sechs. Rechnerisch möglich sind demnach eine große Koalition aus SPD und CDU sowie ein Bündnis der SPD mit Grünen und FDP. 

Sachsen-Anhalt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge mit 29,8 Prozent stärkste Kraft geworden. Wie die Landeswahlleiterin in der Nacht zum Montag in Magdeburg mitteilte, erreicht die AfD aus dem Stand 24,2 Prozent. Die Linkspartei verliert deutlich und kommt auf 16,3 Prozent.

Die SPD rutscht auf 10,6 Prozent ab und halbiert damit ihr Ergebnis von 2011. Die Grünen kommen mit 5,2 Prozent erneut ins Parlament. Die FDP hingegen verpasst mit 4,9 Prozent knapp den Wiedereinzug.

Damit verfügt die CDU im neuen Landtag über 30 Sitze. Die AfD kommt auf 24 Mandate und die Linke auf 17 Mandate. Die SPD stellt elf Abgeordnete, die Grünen sind mit fünf Parlamentariern vertreten.

Für eine Fortsetzung der bisherigen Koalition aus CDU und SPD gibt es damit keine Mehrheit mehr. Haseloff ist neben der SPD auf einen weiteren Partner angewiesen, um weiterregieren zu können. Bereits vor der Wahl hatte er signalisiert, dass er sich auch ein schwarz-rot-grünes Bündnis vorstellen kann.

Bei der Landtagswahl 2011 hatte die CDU 32,5 Prozent erhalten, die Linke kam auf 23,7 Prozent und die SPD auf 21,5 Prozent. Auf die Grünen entfielen damals 7,1 Prozent. Die FDP erreichte vor fünf Jahren nur 3,8 Prozent.

Was die Wahlforschung zu den Ergebnissen sagt

Baden-Württemberg
Hauptgründe für das grüne Rekordergebnis sind laut Forschungsgruppe „hohes Parteiansehen, eine sehr gute Regierungsbilanz sowie viel Politikvertrauen nicht nur beim Top-Thema Flüchtlinge.

Hinzu kommt mit Winfried Kretschmann der fast schon idealtypische Landesvater: Bei Arbeitsbilanz und Reputation erreicht der grüne Kandidat ein Niveau, in das in den letzten Jahrzehnten nur eine Handvoll Ministerpräsidenten vorgestoßen sind.“ 66 Prozent der Baden-Württemberger wollen Kretschmann als nächsten Regierungschef, nur 17 Prozent sind für CDU-Herausforderer Guido Wolf.

„Dass Wolf selbst in den eigenen Reihen kaum Zugkraft besitzt, liegt auch am überwiegend kritisch bewerteten Abrücken von Angela Merkel.“ Alle Analysen, Zahlen und Hintergründe lesen Sie in unserem exklusiven Live-Ticker zur Wahl in Baden-Württemberg.


Rheinland-Pfalz
Ihr gutes Ergebnis verdankt die Mainzer SPD laut Forschungsgruppe „zum einen Malu Dreyer, die in bester Tradition rheinland-pfälzischer Ministerpräsidenten lagerübergreifend viel Wertschätzung erfährt.

Zum anderen profitiert sie bei einer Wahl, bei der für 58 Prozent der Befragten das Land und für 37 Prozent die Bundespolitik wichtiger war, von hohem Vor-Ort-Ansehen, ihrer Regierungsarbeit sowie einem Rekord-Absturz der Grünen.“ Dreyers Gegnerin Julia Klöckner (CDU) habe ihr flüchtlingspolitischer Kurs „eher geschadet“. 61 Prozent sähen das Abrücken von Merkel kritisch.

Alle Analysen, Zahlen und Hintergründe lesen Sie in unserem exklusiven Live-Ticker zur Wahl in Rheinland-Pfalz.

Sachsen Anhalt
Hier finden nach Erkenntnissen der Wahlforscher nur 43 Prozent eine Fortführung der CDU/SPD-Koalition gut, 36 Prozent indes schlecht. „Der mäßigen Regierungsbilanz von Schwarz-Rot (...) stand eine ebenfalls blasse Opposition aus Linken und Grünen gegenüber“, hieß es.

In dieses Vakuum konnte die AfD hineinstoßen und „ihr mit Abstand bestes Ergebnis in ihrer noch nicht so langen Parteigeschichte“ erzielen. Dank des Amtsbonus’ von Ministerpräsident Reiner Haseloff konnte die CDU in Magdeburg immerhin ihre Position als stärkste Kraft behaupten. Alle Analysen, Zahlen und Hintergründe lesen Sie in unserem exklusiven Live-Ticker zur Wahl in Sachsen-Anhalt.

 

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Landtagswahl Baden-Württemberg 2016: Am 13. März 2016 fand in Baden-Württemberg die Landtagswahl statt. Hier im Themenpaket erfahren Sie alles rund um die Wahl, die Kandidaten, Parteien und zu Ihrem Wahlkreis.


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