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Paris „Trauriger Epilog“ - Wie französische Medien Hollandes Verzicht sehen

Die Ankündigung war ein Donnerschlag: François Hollande tritt nicht für eine zweite Amtszeit als französischer Präsident an. So kommentiert das die französische Presse.

„La Croix: „Statt sich an die Macht zu klammern, macht er "die Zukunft des Landes" zur Priorität. Und auch wenn er es nicht wirklich zugibt, beugt er sich den Konsequenzen eines Versprechens, das er nicht halten konnte: die Arbeitslosigkeit schnell und deutlich zu senken. Das politische Wort gewinnt damit an Glaubwürdigkeit. Jetzt wird die Zeit kommen, um die Bilanz des Handelns von François Hollande zu ziehen. Eine enttäuschende Bilanz, manchmal bedauernswert und in manchen Punkten sogar hart zu kritisieren. Man kann dem Präsidenten der Republik aber nicht die Würde absprechen, die er am Donnerstagabend bewiesen hat.“

„Le Figaro“: „Trauriger Epilog einer null und nichtigen Amtszeit: von Manuel Valls zum Ausgang gedrängt und mehr noch von der Offenkundigkeit eines persönlichen und politischen Desasters, das in der Fünften Republik (seit 1958) kein Beispiel kennt. François Hollande hat nicht mal versucht, den Anschein zu wahren. Wieder einmal hat er nichts entschieden: Er knickt ein. Er verlässt die Bühne so, wie er sie ausgefüllt hat: mit schiefer Krawatte, verloren in zu großen Kleidern. (...) Frankreich hat bereits einen Schlussstrich gezogen. Es weißt genau, dass François Hollande gestern nicht darauf verzichtet hat, sich um eine zweite Amtszeit zu bewerben. In Wahrheit ist er nie Präsident gewesen.“

„Libération“: Ehrenwert. Hollande verzichtet, weil er sicher ist, dass seine Kandidatur der Linken schaden würde. Zu viele Spaltungen, zu viel Gewalt, zu viel Bitterkeit: Er wollte keinen harte, brutalen, brudermörderischen Kampf in einer bereits zerrissenen poltischen Familie führen, in einer von Unsicherheiten geplagten Nation. Es gibt nur selten Politiker, die hellsichtig genug sind, um sich freiwillig von der Macht zu entfernen im Namen eines übergeordneten Interesses, einer notwendigen Solidarität, einer Idee.“

„Ouest-France“: „Nachdem er eine Bilanz gezeichnet hat, von der jedes Element ein Wahlkampfargument hätte sein können (...), beweist François Hollande endlich Klarsichtigkeit und einen Mut, der zugleich ein Eingeständnis des Scheiterns ist. (...) Bei bestimmten Themen - Autorität, Rechtsstaat, Finanzen - ist (Premierminister) Manuel Valls (für die Konservativen) schwieriger zu schlagen, einfach weil er näher an gewissen Positionen des Zentrums und der moderaten Rechten steht. Die Linke wird eine Art Hoffnung wiederfinden. Mit François Hollande war ihr gewiss, zu verlieren und den Franzosen die Wahl zwischen François Fillon und Marine Le Pen zu lassen.“

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