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Wiesbaden/Berlin Studie: Hälfte der Dschihad-Rückkehrer bleibt ihrer Gesinnung treu

Auch wenn die Zahl der Ausreisen von Islamisten in IS-Kampfgebiete zuletzt gesunken ist: Sicherheitsbehörden haben die Extremisten im Blick. Eine aktuelle Studie zur Islamistenszene beschäftigt die Innenministerkonferenz.

Knapp die Hälfte der Rückkehrer aus den Dschihad-Kampfgebieten bleibt einer Studie zufolge in Deutschland ihrer Gesinnung treu. Rund 48 Prozent der Islamisten seien weiter im extremistischen oder salafistischen Milieu unterwegs, wie die „Welt“ am Montag unter Berufung auf das Papier schreibt. Bei rund acht Prozent sei es gar eine „taktisch motivierte“ Rückkehr, etwa um sich zu erholen oder um neue Ausrüstung oder Geld zu besorgen.

Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums in Wiesbaden verwies darauf, dass die fortgeschriebene Studie derzeit noch Verschlusssache sei. Sie soll bei der Innenministerkonferenz diese Woche in Saarbrücken vorgestellt und anschließend veröffentlicht werden.

Der Analyse zufolge arbeitet rund ein Viertel der Rückkehrer mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Beispielsweise liefern sie den Ermittlern Informationen zur Islamistenszene in Deutschland oder Syrien, wie die „Welt“ weiter schreibt. Lediglich etwa jeder zehnte Ausgereiste sei bislang frustriert oder desillusioniert zurückgekehrt.

Die Studie wurde vom Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus, dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz erstellt. Die Zahl der Islamisten, die in den vergangenen Jahren aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, liegt laut früheren Angaben der Sicherheitsbehörden inzwischen bei rund 850.

Experten analysierten 784 Lebensläufe von Männern und Frauen zwischen 13 und 62 Jahren, die sich den Terrorgruppen angeschlossen hätten, heißt es. 274 seien inzwischen wieder in Deutschland.

Etwa ein Drittel der ausgereisten Islamisten soll sich der Einschätzung von Experten zufolge noch im Kriegsgebiet aufhalten. Ein Drittel sei mittlerweile zurückgekehrt, zwölf Prozent von ihnen seien inhaftiert. Die restlichen Islamisten befänden sich wohl im Ausland, oder ihr Aufenthaltsstatus sei unbekannt, heißt es in dem Bericht.

Zuletzt verzeichneten die Behörden einen signifikanten Rückgang bei der Zahl der Ausreisen. Zwischen Juli 2015 und Juni 2016 seien nur noch 49 radikalisierte Menschen registriert worden, die sich auf den Weg in die Kampfgebiete machten. 2014 seien es noch bis zu 100 im Monat gewesen. Nach Meinung der Fachleute könnte der Rückgang damit zu tun haben, dass der IS seine Anhänger im Westen seit geraumer Zeit dazu aufrufe, nicht mehr auszureisen, sondern in den Heimatländern Anschläge zu verüben, wie die „Welt“ schreibt.

Im Bezug auf eine gute Präventionsarbeit wollten die Sicherheitsbehörden mit der Untersuchung auch herausfinden, auf welchen Wegen sich Muslime radikalisieren. Hier seien insbesondere der Freundeskreis, salafistische Moscheen und Internetpropaganda entscheidend.

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