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Politik Reform der Reform: Bachelor im Visier

09.07.2009
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Skepsis auf breiter Front: Zehn Jahre nach der Weichenstellung für Bachelor und Master wächst der Unmut der Studenten und der Druck auf die Hochschulen.

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Tausende junge Menschen gingen vor zwei Wochen in den „Bildungsstreik“. Obwohl die wenigsten dafür Zeit hatten. Denn seit sich die deutsche Hochschullandschaft im Bologna-Prozess befindet, ist Stress angesagt.

Die Umstellung der Studiengänge von Diplom und Magister auf Bachelor und Master ist in vollem Gange. Oder besser: Sie ist es bisweilen eben nicht. Deshalb die Proteste.

Dass die Sitzstreiks, Hörsaalbesetzungen und Demos keine wohlfeile Klage oder gar Lust auf Randale waren, zeigte sich daran, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kurz darauf einen runden Tisch einberief. Man habe „über Korrekturen beraten“, hieß es hernach. Sie sind dringend nötig.

Vor zehn Jahren verabredeten 29 europäische Staaten, die Studienabschlüsse vergleichbarer zu gestalten.

2005 ging es in Baden-Württemberg los mit der Umstellung der Abschlüsse. Im Landeshochschulgesetz steht nur, dass umgestellt werden muss und zehn Semester reichen. „Systematische und zügige Studiengänge mit klarer Berufsorientierung“ sollten entstehen. Sie müssen von einer „Akkreditierungsagentur“ auf europäische Vereinbarkeit geprüft und anerkannt werden.

„Wir bewegen uns auf dem Niveau des Trial and Error“, stöhnt Ralph-Walter Müller, der Bologna-Beauftragte der Universität Stuttgart – Versuch und Irrtum. Mal weigerten sich die Diplomchemiker, mal zögerte die ganze Universität. Viele sahen ihre internationale Reputation davonschwimmen, wenn ihr Renommier-Fach im Schnelldurchgang studiert werden kann.

Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) machte 2006 auf Optimismus: Die Umstellung laufe „reibungslos und so schnell wie möglich“. Sie bringe einen „erheblichen Zuwachs an Bildungs- und Berufschancen“. Bis heute bringt sie eher Verdruss und Frust.

Internationaler sollte das Studieren werden. Die Hochschulpolitiker schwärmten geradezu von der großen, neuen Durchlässigkeit: Heute Mannheim, morgen Madrid und Montpellier. Schöne Illusion. „Alles unerfüllte Versprechen“, urteilt die grüne Hochschulpolitikerin Theresia Bauer. „Das Studium ist verschulter und der permanente Klausur-Druck ist größer geworden“. Von Auslandsaufenthalten können viele – vom Geld einmal abgesehen – nur träumen. Auch für anderes Engagement bleibe kaum Zeit, klagt Bauer, die Landtagsabgeordnete aus Heidelberg: „Dabei brauchen und verlangen die Gesellschaft und Unternehmen soziale Kompetenz, die man nicht in Vorlesungen, sondern zum Beispiel beim Einleben in andere Kulturen erlernt.“

Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Stefan Hormuth, übte scharfe Kritik: Viele Lehrpläne seien so unflexibel gestaltet, dass Studierenden keine Möglichkeit bleibe, einen Teil des Studiums an einer Hochschule im Ausland zu absolvieren.

Der Bologna-Beauftragte Müller relativiert: „Natürlich kann man ein Auslandssemester machen, aber es setzt sehr gute Planung voraus.“ Vorher gilt es zu schauen, wo man wie viele Kreditpunkte („credit points“) bekommt, um nach der Rückkehr nahtlos wieder einsteigen zu können. „Das ist nicht mehr das Studienleben alter Zeit“, sagt Müller. Er versteht, dass Auslandsaufenthalte „ihren Reiz etwas verloren haben“. Die Kritik hat eine Grundlage: Erstmals seit 20 Jahren stagniert die Teilnehmerzahl am Erasmus-Programm der Europäischen Union.

Auch im Inland lauern Probleme. Die Studierenden ahnen, dass sie mit ihren schnellen Abschlüssen nicht so viel anfangen können, wie ihnen versprochen wurde. Der Bachelor ist (noch) wenig beliebt bei den Unternehmen.

Bislang traut man in vielen Chefetagen den neuen Abschlüssen nicht über den Weg. Ein Diplomingenieur, das war halt was. Was aber ist ein Bachelor nach drei Jahren Studium? In Konstanz haben Uni, IHK und Arbeitsagentur auf die Akzeptanzschwäche reagiert mit einem Pilotprogramm „Bachelor – Fit für die Wirtschaft“, das Trainee-Stellen vermittelt.

Die Stuttgarter Hochschule bietet erst seit 2007 modulierte Studiengänge an. „Wer früher bei uns Fahrzeug- und Motorentechnik studierte, bekam überall auf der Welt einen Job“, erzählt Müller. „Das Diplom aus Stuttgart war phantastisch.“ Mit dem Bachelor im Gepäck würde schon mal die Frage gestellt: „Was können Sie denn?“ In Stuttgart setzt man auf das „6+4-Modell“: Sechs Semester zum Bachelor und vier weitere zum „Regelabschluss“ Master.

Auch viele Studierende planen von vornherein den Masterabschluss, der eigentlich „den Qualifiziertesten“ vorbehalten sein sollte. So wie in Konstanz. Alt-Rektor Gerhart von Graevenitz galt dem Minister als Vorzeigerektor.

Früh wurde umgestellt, kaum Probleme. „Die Abstimmung mit den Studierenden läuft gut“, heißt es dort. Der Regelabschluss ist – ganz nach Vorgabe – der dreijährige Bachelor. Nur der Studiengang Psychologie wird demnächst umstellen auf einen vierjährigen, weil man der Meinung war, mit nur sechs Semestern „nicht ausreichend berufsqualifizierend“ zu sein.

Eine Umfrage unter den ersten Bachelor-Absolventen ergab große Zufriedenheit. Nur an der Beratung, heißt es selbstkritisch aus Konstanz, könne man noch arbeiten. Für Ralph-Walter Müller ist der Bologna-Prozess noch lange nicht abgeschlossen. Nicht 2010, kaum 2020. Bologna, sagt der Geologe, sei wie ein naturwissenschaftlich definierter Prozess: „Er hat einen Anfang, aber kein Ende“.

Der Bologna-Prozess ist nicht mehr zu stoppen. Nur zu verbessern. Annette Schavan setzte sich spät, aber immerhin an die Spitze der Bewegung. Am runden Tisch mit Leuten vom Aktionsbündnis Bildungsstreik, Vertretern der Hochschulen und Studierenden wurden „konkrete Punkte“ genannt, die umgesetzt werden sollen: An die Universitäten, die noch immer den alten Diplom-Lernstoff in drei Semester pressen, ergeht der Appell, die Strukturreform mit einer Erneuerung der Curricula zu verbinden.

Für die Länge des Bachelor-Studiums brauche man mehr Flexibilität, heißt es auf einmal. Und: „Es kann auch erforderlich sein, statt sechs auch sieben oder acht Semester im Bachelor-Studiengang zu studieren.“ Studierende sollten doch selbst entscheiden können, ob sie einen Master machen wollen. „Ich bin gegen Quote“, bekennt Schavan. Ganz neue Töne. Der Aufstand der Wissenshungrigen hat doch etwas gebracht.

Bildungsstreik in KonstanzStudenten/Schüler-Protest in Konstanz Teil 2Bildungsstreik in Sigmaringen Teil 1
Endlich wachen die Studenten auf!
Es ist an der Zeit, dass das zu strikt aufgebaute und verschulte Studium wieder ...
Wichtig...
Von unbekannt
Ich bin gerade dabei mein Bachelorstudium zu beenden.
du hast ja keine Ahnung
Wie kann mann bitte "auf Master studieren".

mann kann nur Bachelor (6 o.
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