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Politik Landtagswahl in Baden-Württemberg: Wen soll ich wählen? Eine kleine Anleitung zur Entscheidungs-Findung

Am Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag, aber noch sind viele Wähler unentschlossen. Wir erklären Ihnen, worauf Sie bei der Wahl achten sollten und was Sie tun können, um zu einer wohldurchdachten Entscheidung zu kommen!

Umfragen zufolge weiß jeder dritte Wähler in Baden-Württemberg noch nicht, wem er am kommenden Sonntag seine Stimme geben soll. Andere Erhebungen sehen die Zahl der Unentschlossenen sogar noch höher. Online-Portale wie der Wahl-O-Mat, die politische Ansichten mit Wahlprogrammen abgleichen, leben davon.

Doch nur wenige Wähler treffen ihre Entscheidung ausschließlich aufgrund von Wahlprogrammen. Andere Faktoren spielen mindestens eine genauso große Rolle – zum Beispiel die Frage nach dem Personal und dem Image einer Partei.

Was also tun? Wer noch nicht weiß, wie er sich am 13. März entscheiden soll, kann sich an folgenden Fragen orientieren, um seine Gedanken zu ordnen.

1. Inhalte: Was will eine Partei? Teile ich ihre Forderungen? Finde ich ihr Programm gut? Deckt es sich weitgehend mit meinen Interessen oder meinen Vorstellungen, wie das Land regiert werden soll?

2. Personal: Wie vertrauenswürdig sind die Spitzenkandidaten der Parteien? Wem traue ich am ehesten zu, das Land zu führen? Welcher Kandidat im Wahlkreis wird die Interessen der Region im Landtag am besten vertreten?

3. Image: Wie ist die Anmutung einer Partei? Ist mir ihr Umfeld, ihr Auftreten, ihr Milieu sympathisch? Teile ich das Lebensgefühl, das sie vermittelt? Und: Will ich sie wirklich an der Macht sehen? Oder will ich eher meinen Protest zum Ausdruck bringen, wenn ich sie wähle?

Sehen Sie schon klarer? Um ganz sicher zu gehen, können Sie sich auf das folgende Gedankenexperiment einlassen, um zu einer abgewogenen Wahlentscheidung zu kommen. Sie benötigen nur einige Minuten Zeit, am besten auch einen Zettel und einen Bleistift.

 

Beispiel 1: CDU oder AfD?

Ich bin Stammwähler der CDU und erwäge, diesmal mein Kreuz bei der AfD zu machen, weil ich mit Merkels Flüchtlingspolitik nicht einverstanden bin. Mit dem Wahlprogramm der AfD stimme ich zu 80 Prozent überein, mit dem der CDU nur zu 20 Prozent. Allerdings sind mir die Kandidaten der AfD nicht geheuer. Beim Gedanken, sie in den Landtag zu schicken, wird mir unwohl. Hier sehe ich meine Zustimmungsquote bei 20 Prozent. Den Wahlkreis-Kandidaten der CDU hingegen vertraue ich weitgehend, sie kommen bei mir auf 80 Prozent. Ähnlich sehe ich das Auftreten der Parteien: Die AfD ist mir in ihrem Gebaren allenfalls zu 20 Prozent sympathisch, bei CDU ist es umgekehrt.

In der Summe ergibt sich folgende Rechnung: AfD 80 plus 20 plus 20 – macht einen Gesamtwert von 120. Teilt man diesen Wert durch drei, ergibt sich bei diesem Wähler eine Zustimmungsquote zur AfD von 40 Prozent. Bei der CDU ist die Rechnung wie folgt: 20 plus 80 plus 80 – macht einen Gesamtwert von 180. Geteilt durch drei, ergibt sich eine Zustimmungsquote von 60 Prozent.  Dieser Wähler wird also weiterhin CDU wählen, obwohl er Merkels Kurs ablehnt.

 

Beispiel 2: CDU oder Grüne?

Ich habe bisher meistens CDU gewählt, will aber, dass Kretschmann Ministerpräsident bleibt: Ihn befürworte ich zu 100 Prozent, ich möchte auf keinen Fall, dass Guido Wolf Ministerpräsident wird. Dennoch finde ich das Wahlprogramm der CDU überzeugender, es erreicht bei mir einen Zustimmungswert von 70 Prozent. Dem Programm der Grünen stimme ich nur zu 30 Prozent zu. Generell steht mir die CDU näher. Ihr Gesamteindruck sagt mir zu 70 Prozent zu, bei den Grünen gilt dies nur zu 30 Prozent.

In der Summe ergibt sich in diesem Fall folgende Rechnung: CDU: 70 plus 0 plus 70 – ergibt unter dem Strich 140. Geteilt durch drei, ergibt sich eine Zustimmungsquote von 46,7 Prozent. Grüne: 30 plus 100 plus 30 – macht 160. Geteilt durch drei, ergibt sich eine Zustimmungsquote von 53,3 Prozent. Dieser Wähler wird knapp für die Grünen entscheiden.

 

Beispiel Nummer 3: SPD oder Grüne?

Ich verstehe mich als Stammwähler der SPD, bei den meisten Wahlen in Bund und Land habe ich die Sozialdemokraten gewählt. Soziale Themen wie Mindestlohn und Mietpreisbremse sind für mich wichtiger als grüne Themen wie etwa die Energiewende. Trotzdem bin ich mir diesmal nicht sicher, ob ich nicht doch lieber die Grünen wählen soll, weil ich mit meiner Stimme auf jeden Fall dazu beitragen will, dass Winfried Kretschmann Ministerpräsident bleibt. SPD-Landeschef Nils Schmid macht auf mich keine so überzeugende Figur. Generell würde ich sagen, dass mir das SPD-Programm zu 80 Prozent zusagt. 

Meine Zustimmung zu Kretschmann stufe ich auf 90 Prozent ein, Schmid nur auf 10 Prozent. Als SPD-Stammwähler fühle ich mich jedoch bei den Sozialdemokraten zu 90 Prozent zu Hause.

In der Summe ergibt sich für diesen Wähler folgende Bilanz. SPD: 80 plus 10 plus 90 – ergibt 180. Geteilt durch drei ergibt sich für die SPD eine Zustimmungsquote von 60 Prozent. Gegenprobe Grüne: 20 plus 90 plus 10 – ergibt 120. Teilt man den Wert durch drei, kommen die Grünen bei diesem Wähler auf eine Zustimmung von 40 Prozent. Er bleibt somit trotz seiner Sympathie für Kretschmann bei der SPD.

Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Kein Wähler wird alle drei Punkte gleich stark gewichten: Für den einen gibt das Programm den Ausschlag, für den anderen der Kandidat. Stammwähler wiederum setzen ihr Kreuz immer an derselben Stelle, auch wenn sie von Programm und Spitzenkandidat einmal nicht überzeugt sind.

Das Vorgehen hat also Grenzen. Zu Recht sagt Lothar Frick von der Landeszentrale für politische Bildung: „Der eigene Verstand muss weiter eingeschaltet werden.“

 

Immer noch unschlüssig?


Was die Parteien vorhaben: Eine Übersicht über die wichtigsten Wahlaussagen finden Sie hier.

Welche Partei passt zu Ihnen? Finden Sie es heraus mit unserem Wahl-O-Mat!
 


Flüchtlinge, TTIP, Cannabis: Erstwähler fragen, Spitzenkandidaten antworten. Wir haben acht Erstwähler aus der Region gebeten, den Spitzenkandidaten im Video ihre drängendste politische Frage zur Landtagswahl zu stellen. Die Fragen im Video - und die Antworten von Kretschmann, Wolf, Schmid und Co. sehen und lesen Sie hier.

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