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Berlin G20-Gesundheitsminister beraten über globales Krisenmanagement bei Epidemien

Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) muss sich die Welt besser auf globale Krankheitsausbrüche vorbereiten.

Es sei zwar ungewiss, wann die nächste Epidemie auftreten werde, aber dass sie komme, „steht bereits heute ganz sicher fest“, sagte Gröhe am Freitag zum Auftakt des Treffens der Gesundheitsminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Berlin.

Der große Ebola-Ausbruch vor zwei Jahren in Westafrika, bei dem etwa 30.000 Menschen erkrankten und mehr als 11.000 starben, habe „in dramatischer Weise“ gezeigt, dass örtlich begrenzte Gesundheitsprobleme schnell zu weltweiten Bedrohungen werden könnten, sagte Gröhe. Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo verdeutliche, dass solche Gefahren jederzeit wieder auftreten könnten.

Ebola, die Zikavirus-Epidemie in Südamerika und die vergangenen Gelbfieber-Ausbrüche seien „Mahnungen“ an die Weltgemeinschaft. Solche Epidemien verursachten „unsägliches menschliches Leid“. Zudem könnten sie „die soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung von Ländern dramatisch zurückwerfen“, warnte Gröhe. „Wir müssen die Welt heute besser auf kommende Gesundheitskrisen morgen vorbereiten.“

In einer Krisenübung wollten die G20-Minister den Ernstfall eines grenzüberschreitenden Ausbruchs einer tödlichen Krankheit erproben.

Dafür wurde am Tagungsort in Berlin eigens ein Krisenraum eingerichtet, um unter anderem die Informationsflüsse und Entscheidungswege zu testen.

Bei dem zweitägigen G20-Gesundheitsministertreffen stand neben der Bekämpfung globaler Gesundheitsgefahren auch der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen im Mittelpunkt. Die Minister wollten am Samstag über einen sachgerechten und sparsamen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin beraten. Weltweit wird eine zunehmende Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika beobachtet.

Vor allem multiresistente Erreger, die gegen eine Vielzahl oder gar alle Antibiotika unempfindlich sind, sind ein großes Problem. „Die Bekämpfung bakterieller Infektionen wird zunehmend durch die weltweit steigende Zahl besonders gefährlicher Erreger bedroht oder sogar unmöglich gemacht“, sagte Gröhe. Ihre Ausbreitung werde durch die Globalisierung gefördert. „Wenn wir jetzt nicht gemeinsam und weltweit handeln, steuern wir auf ein Post-Antibiotika-Zeitalter zu - mit dramatischen Folgen für uns alle“, warnte der Minister.

Zivilgesellschaftliche Organisationen aus der ganzen Welt bekräftigten ihre Forderung nach stärkeren Gesundheitssystemen, um Pandemien und Antibiotikaresistenzen effektiver bekämpfen zu können. „Schwache und unterfinanzierte Gesundheitssysteme führen dazu, dass sich Krankheiten wie Ebola und das Zika-Virus ausbreiten können und für viele Menschen tödlich enden“, erklärte Marwin Meier von Civil20, einem Zusammenschluss von Organisationen aus 50 Ländern. Große Teile der Bevölkerung hätten keinen Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung. Das G20-Gesundheitsministertreffen sollte daher sicherstellen, dass Gesundheitssysteme ausreichend finanziert werden.

Deutschland hat seit Dezember 2016 für ein Jahr den Vorsitz der G20, dem Zusammenschluss der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, inne. Die globale Gesundheit ist ein Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft.

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