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Washington “Fantastisches Land, fantastische Leute“: Trump irritiert mit Telefonat mit Pakistan

In seinem ersten Telefonat mit Pakistans Regierungschef Sharif preist Trump Land und Leute in den höchsten Tönen. Die Nachbarn Indien und Afghanistan sind wenig amüsiert.

Zunächst hielten es viele für einen Witz: „Ein wundervolles Land mit enormen Möglichkeiten“, schwärmte der designierte US-Präsident Donald Trump ausgerechnet über das islamische Pakistan. In seinem ersten Telefonat mit Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sparte der 70-jährige Immobilienmogul auch sonst nicht mit Lob: „Sie sind ein fantastischer Mensch mit einem sehr guten Ruf“, schmeichelte er Sharif laut einer Mitschrift des Presseamtes in Islamabad. In einen Zeitraum von Minuten schien Trump die komplizierten Beziehungen zwischen den USA und den verfeindeten Atommächten Pakistan und Indien vom Kopf auf die Füße gestellt zu haben. Trumps Team bestätigte inzwischen den Inhalt des Telefonats.

„Wenn ich mit Ihnen, Premierminister, spreche, dann kommt es mir vor, als würde ich Sie schon lange kennen“, antichambrierte Trump weiter. Pakistaner gehörten zu den „intelligentesten Menschen“ der Welt. Auch einen Besuch des Nuklearwaffenstaates, in dem Al Qaida-Chef Osama bin Laden jahrelang unbehelligt lebte, stellte Trump in Aussicht. Der letzte Besuch, den ein amerikanischer Präsident Pakistan abstattete, liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. Amerikas Top-Diplomat John Kerry machte in den vergangenen vier Jahren bewusst einen Bogen um Islamabad.

Vor kurzem hatte Trump noch ein amerikanisches Einreiseverbot für alle Muslime und eine harte Linie gegenüber Pakistan verlangt. Nun freut sich Pakistans Regierung, einmal nicht als Pariah dazustehen. Die Opposition läuft hingegen Sturm: Das freundliche Telefon-Geplänkel mit Trump werde Sharif in seinem jüngsten Korruptionsskandal nicht retten können, kritisierte sie. Pakistans Regierungschef, ein mächtiger Industrieller mit Milliardenvermögen, verfügt wie Trump über eine Fülle von Geschäftsinteressen, die mit seinem Regierungsamt überlappen.

Trumps 180-Grad-Kehrtwende irritiert nicht nur Pakistaner, sondern auch Pakistans Nachbarn Indien und Afghanistan. Beide werfen Pakistan vor, gezielt Terrorismus zu fördern, um seinen Einfluss in Südasien zu vergrößern. Indiens Premierminister Narendra Modi ist es zunehmend gelungen, Pakistan außenpolitisch zu isolieren. Ein für November geplanter Gipfel südasiatischer Staaten in Islamabad musste abgesagt werden, weil fünf von acht Ländern sich für einen Boykott ausgesprochen hatten. US-Präsident Barack Obama hat Modi in seiner Haltung gegenüber Pakistan bestärkt und ist selbst hart gegen die islamische Republik ins Gericht gegangen. Auf seiner letzten Rede vor den Vereinten Nationen in New York im September geißelte er indirekt Pakistan für seine Stellvertreter-Kriege in den Nachbarländern.

Unklar ist, ob Trumps hemmungslose Komplimente gegenüber Sharif eine neue Wende in Amerikas Außenpolitik darstellen oder einfach nur groteske Übertreibung eines geschickten Geschäftsmannes sind. Lalit Mansingh, ehemaliger indischer Botschafter in Washington, rät, sich nicht so sehr mit Worten aufzuhalten, sondern die Besetzung der außenpolitischen Schlüsselrollen in Trumps Kabinett abzuwarten.

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