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18.09.2011  |  von  |  0 Kommentare

Ein "Exit-Programm" für die FDP

Kaum zwei Prozent erreichte die FDP bei der Wahl. Grund genug für Sonneborn, dem ehemaligen Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" und jetzigem Chef der Spaßpartei "Die Partei", der FDP ein "Exit-Programm" anzubieten.


Berlin. Endlich einmal wieder Bomben-Stimmung bei der FDP: Konfetti wird geschmissen, Jubelgesänge werden angestimmt, junge Leute liegen sich im Thomas-Dehler-Haus in den Armen. Eine Parteizentrale im Freudentaumel - wie kann das sein? Wer es nicht sofort merkt, guckt ziemlich verdutzt, sind doch gerade im Fernsehen für die Liberalen 1,8 Prozent bei der Berlin-Wahl prognostiziert worden. Die FDP fliegt krachend aus dem Abgeordnetenhaus und liegt ganz, ganz tief am Boden. Deshalb übernimmt die Satire jetzt das Regiment. Die Liberalen und ihre Wahlfete werden an diesem Abend geentert. Von einer Gruppe Spaßmacher, die jubelnd "endlich raus" skandiert. Und von Martin Sonneborn samt Gefolge, dem ehemaligen Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" und jetzigem Chef der Spaßpartei "Die Partei". "Wir sind hier, um ein Exit-Programm für FDP'ler anzubieten", grinst Sonneborn verschwitzt. "Wer will schon mit so einer Partei untergehen?" Sonneborn stürmt sogar die Bühne, macht vor den Kameras auf Siegerpose. Da wird es den leidenden Liberalen dann doch zu bunt. Sicherheitsleute geleiten ihn raus. Als die Polizei eintrifft, ist der Spaß schon längst vorbei. Zu lachen hat die FDP wahrlich nichts mehr. "Wir sind zum Gespött freigegeben", ärgert sich ein Parteigänger. Man sei inzwischen "Watschenmann für alles", meint ein anderer. Der Berliner Spitzenkandidaten Christoph Meyer sieht so blass und geschockt aus, dass man um seine Gesundheit fürchten muss. Der Frust mündet unter den Gästen der Wahlparty in hitzige Diskussionen. Die von Parteichef Philipp Rösler angestoßene und heftig kritisierte Eurodebatte "ist eine Woche zu spät gekommen", beklagt ein Jungliberaler. "Quatsch", entgegnet ein anderer, "wir sind in der Regierung und verhalten uns wie die Opposition. Das geht nicht." Klar wird: Die Liberalen wissen nicht mehr weiter. Sie sind ratlos, enttäuscht, hoffnungslos. So hat man eine Partei selten erlebt. Im Umfeld der Führung wird beklagt, dass der Koalitionspartner CDU "uns keinen Stich lässt". Allerdings wird auch eingeräumt, dass das eigene Auftreten "chaotisch ist". Generalsekretär Christian Lindner macht keinen Hehl daraus, dass er froh darüber ist, dass in diesem Jahr keine Wahlen mehr anstehen. Das Ergebnis sei ein "Tiefpunkt und ein Weckruf" zugleich, so Lindner. Nun müsse man sich Zeit zum Nachdenken nehmen, um "im kommenden Jahr die Fahne der Freiheitspartei neu aufzurichten". Starke Worte, die unpassend klingen, wenn man kaum zwei Prozent bei einer Wahl geholt hat. Von ruhigeren Zeiten ist die FDP und Berliner Koalition insgesamt ohnehin noch meilenweit entfernt. Bei der CDU herrscht diesmal echte Jubelstimmung. Nach einer Serie von Wahlniederlagen hat die Union in Berlin zugelegt. Ein Erfolg von Spitzekandidat Frank Henkel, der der Vorsitzenden Angela Merkel das Leben etwas erleichtert. Die Kritiker am innerparteilichen Kurs der CDU-Chefin dürften nun etwas leiser werden. "Die CDU hat zugelegt nach einem sehr bürgernahen Wahlkampf", findet jedenfalls Generalsekretär Hermann Gröhe.
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