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07.11.2011  |  von  |  0 Kommentare

Politik Deutsch gerät ins Abseits

Den Haag – Deutsche Wörter wie Sehnsucht, Heimweh, Fingerspitzengefühl, Heimat, überhaupt, Schwung, Alleingang oder „die Schwalbe machen“ gehen vielen Niederländern derzeit wieder leicht über die Lippen. Nur, wenn es darum geht, ein Gespräch auf Deutsch zu führen, müssen die meisten Niederländer passen.


Vor allem junge Niederländer können so gut wie keinen zusammenhängenden Satz in Deutsch richtig aussprechen. Und das, obwohl viele von ihnen in der Schule meist ein, manchmal sogar zwei Jahre lang Deutsch-Unterricht hatten.

Rudi Carrell pflegte sein niederländisches Idiom und baute den ein oder anderen Batavismus absichtlich in sein Deutsch ein, wenn er das lustig fand. Er war schließlich Komiker. Louis van Gaal übersetzte einfach eins zu eins vom Niederländischen ins Deutsche, als er bei Bayern München Trainer war und von „Der Tod oder die Gladiolen“ schwadronierte. Der Slogan: „Dood of gladiolen“ ist die Durchhalteparole beim alljährlichen Viertage-Marathon-Marsch von Nimwegen. Wer ihn erfolgreich absolviert, der bekommt am Ziel einen Strauß Gladiolen.

Niederländer setzen auf Englisch

Doch trotz alledem führt die deutsche Sprache in den Niederlanden inzwischen ein Schattendasein. Englisch ist die zweite Landessprache im Land der Oranier und der Tulpen geworden. Henk und Marijke absolvieren ihre Seminare und Vorlesungen an den Hochschulen in Den Haag und Amsterdam in der Regel in Englisch, nicht in Niederländisch. Manche Niederländer gehen sogar so weit, dass sie in Englisch antworten, wenn man sie in fließendem Niederländisch – aber mit deutschem Akzent – anspricht.

Nun soll das Deutsch der Holländer wieder auf Vordermann gebracht werden. Aus „Platzen Sie sich,“ soll wieder ,,Bitte nehmen Sie Platz‘‘ werden. Das ,,Steinkohlen-Deutsch‘‘ der Niederländer, wie es Kritiker nennen, soll ein Lifting erhalten.

,,Mach mit‘‘ lautet das Motto der neuen Kampagne mit der in den Niederlanden die deutsche Sprache promotet werden soll. Es ist eine gemeinsame Initiative des Deutschland-Instituts der Universität Amsterdam, der Niederländisch-Deutschen Handelskammer, der Deutschen Botschaft in Den Haag und des Goethe Instituts in Amsterdam. Unterstützt wird sie auch von den Botschaften Österreichs und der Schweiz und von zahlreichen deutschen Unternehmen.

Kampagne soll gegensteuern

Die deutsch-niederländische Handelskammer berechnete jüngst, dass niederländische Unternehmen Exportchancen nach Deutschland mit einem jährlichen Volumen von etwa sieben Milliarden Euro entgehen, nur deshalb, weil viele niederländische Manager die deutsche Sprache nicht mehr beherrschen. Darum heißt es jetzt nachjustieren, schließlich ist Deutschland für Holland der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale jährliche Handelsvolumen zwischen den Niederlanden und Deutschland beträgt rund 135 Milliarden Euro. Das ist der drittgrößte binationale Handelsstrom in der Welt.
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