Politik Das Geschäft der Steuerhinterziehung blüht

Die Behörden leiten immer mehr Verfahren ein. Wer sein Geld am Fiskus vorbeischmuggelt, muss mit Konsequenzen rechnen

Irgendwie muss er aufgefallen sein. Als die Zollbeamten das Fahrzeug an die Seite winkten, reichten schon wenige Hangriffe, um den Hohlraum hinter dem Airbag als Versteck auszumachen. Die Nischen hatte der Schmuggler mit Banknoten vollgestopft. Immer wieder gehen den Beamten des Hauptzollamts Singen dicke und etwas schlankere Fische ins Netz. 2010 taten sie entlang der Grenze zwischen Konstanz und Bad Säckingen 40 Millionen Euro auf und machten 1454 Mitteilungen an Finanzämter, erläutert Michael Hauck von der Pressestelle des Hauptzollamts Singen. Welcher Anteil davon legal erworbenes Geld war, das dem Fiskus mehr oder weniger intelligent entzogen wurde, lässt sich in der Zollbilanz nicht ausweisen. In der Regel gehen Steuerfahnder Dank des Datenaustausches dem noch gesondert nach und werden häufig um ein Vielfaches fündig.

Die Bilanz des laufenden Jahres ist derweil noch unter Verschluss. Mit einem Rückgang bei den Verfahren ist jedoch kaum zu rechnen. Im Gegenteil: „Die Zahl der eingeleiteten Ordnungswidrigkeiten ist ansteigend“, sagt Hauck mit Blick auf die vergangenen Jahre. Geschnappt werden Menschen jedes Berufsstandes und aus dem ganzen Bundesgebiet und angrenzenden Ausland. Natürlich auch aus der Region. „Die Grenze ist nah“, sagt Hauck.

Die Verstecke sind vielfältig, nicht selten auch einfallsreich. In Brotstullen, Schuhen, in Handstock und Golftasche oder auch mal in einer Kaffeedose können sich Bargeld, Goldstücke und Sparbücher verstecken. Wer ertappt wird muss mit deftigen Strafen rechnen. Ein Viertel des Wertes zieht ihm bereits die Zollbehörde ab. Da kommt es vor, dass ein Ertappter schnell noch pikante Belege aufzuessen versucht.

Dass Steuerhinterzieher, die in der Vergangenheit ihr Geld in die Schweiz brachten, ungeschoren davonkommen, will Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) unterbinden. „Es gibt in Deutschland keine Mehrheit für den Schutz von Steuersündern“, erklärte er gestern nach dem Aus des Steuerabkommens. Auch künftig haben angekaufte Steuer-CD's Konjunktur. Die grün-rote Landesregierung hat, wie es heißt, noch keine der umstrittenen Datenträger gekauft. Er sei jedoch offen dafür, hatte Schmid im August gegenüber dieser Zeitung gesagt. „Wir holen nur zurück, was dem Staat zusteht.“ Unter den geplanten 500 neuen Stellen in den Finanzbehörden dürften auch einige für die Steuerfahndung sein.

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