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08.08.2012  |  von ANGELIKA BECKER  |  0 Kommentare

Graubünden Umstrittenes Comeback

Wolf und Bär siedeln sich wieder in der Schweiz an - Schafzüchter bangen um ihre Herden

Aufmerksam und sehr scheu: Der Wolf hat sich nach vielen Jahren wieder in den Schweizer Wäldern angesiedelt. Schafzüchter freut diese Rückkehr nicht besonders. Sie haben Angst um ihre Herde.  Bild: AFP

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Riesig richtet sich der Dunkelbraune auf. Dann geht er auf allen Vieren weiter, zeigt den großen Muskelhöcker im Nacken, Kraft für gewaltige Pranken. Vor atemberaubender Alpenkulisse bewegt er sich quer zum steinigen Hang. Drei Kühe gehen ihm neugierig ein Stück entgegen. Eine von ihnen liegt am nächsten Morgen tot zwischen den Felsen nahe der Engadiner Alp Praveder. Ein Opfer von Lumpaz, dem ersten Bären, der nach 100 Jahren wieder in der Schweiz auftauchte. In den vergangenen sieben Jahren sind wenigstens sechs Bären aus dem italienischen Trentino in die Schweiz gewandert. So nette Namen wie Lumpaz bekommen sie schon lange nicht mehr. JJ2 und JJ3 heißen sie, oder M13 und M14 – wie die beiden, die gegenwärtig im Kanton Graubünden unterwegs sind. Die Zahl der in der Schweiz lebenden Bären ist jedoch nach wie vor sehr gering. Es handelt sich um vereinzelte Tiere.

Trotz der geringen Population stellen die zurückgekehrten Waldbewohner für Hirten und Schäfer eine neue Situation dar. Um die Hirten beim Schutz ihrer Tiere vor wilden Tieren zu entlasten bietet die WWF (World Wide Fund For Nature) seit 2008 den etwas anderen Urlaub auf der Alp an. Touristen können in ihrem Urlaub gezielt Schafhalter unterstützen, deren Tiere sonst allein auf der Alp Bär, Luchs und Wolf ausgeliefert wären. Rund 70 Menschen verbrachten ihren Sommerurlaub in den Bergen. Reina Gehrig ist eine von ihnen. Die Kunsthistorikerin leitet in Bern ein Theaterfestival und arbeitet jetzt im Urlaub auf der Alpe als Hirtenhelferin. Sie wohnt allein in einer Sennhütte, gemeinsam mit den zahmen und wilden Tieren. „Hier oben, das ist eine andere Welt, die aber auch meine ist“, sagt sie über ihren Urlaubsort. Gehring fühlt sich als Teil eines Gesamtsystems mit Füchsen, Hasen, Schlangen, Käfern, sagt sie. „Dazu gehören auch Bären und Wölfe.“ Scharf darauf, dem Bären zu begegnen, sei sie jedoch nicht.

„Für uns als Schafzüchter ist der Bär nicht willkommen“, sagt Benjamin Stecher, Schafzüchter aus Tarasp im Kanton Graubünden. Rund 60 000 Schafe gibt es in Graubünden. Die meisten Herden grasen den Sommer über ohne Hirten und ohne Einzäunung in der Höhe. Ein gefundenes Fressen für Bär und Wolf. Stecher setzt deshalb auf Hirtenhilfen und Schutzhunde. Viele Landwirte lehnen aber den zusätzlichen Aufwand ab. „Schafe sind ein Teil der Schweizer Kultur, und die Raubtiere gehörten halt wieder zur Natur“, so der Schafzüchter. Kultur und Natur gelte es zu pflegen, auch aus wirtschaftlichem Interesse. Graubünden sei schließlich Tourismuskanton, sagt er.

Michael Leibacher, zuständig für die Angebotsentwicklung der regionalen Tourismusgesellschaft, begrüßt die Rückkehr von Bär und Wolf. „Als Lumpaz sich mit dem ersten Riss in der Region vorstellte, kamen extrem viele Neugierige nach Graubünden“, sagt er. Langfristig schade aber der Bärentourismus den Tieren. Wertvoller sei, die emotional ansprechenden Bären und Wölfe nur als Ausdruck von wilder, intakter Alpennatur zu nutzen.

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