Rain or shine - so lautet ein Wahlspruch des weltgrößten Metalfestivals in Wacken. Sowohl Sonne als auch Regen gab es am Freitag in schöner Regelmäßigkeit. Nachdem es am Morgen sogar ziemlich heiß war, verwandelte ein Gewitter am Nachmittag das 200 Hektar große Gelände in eine Pfütze. Und nach einem erneuten kurzen Gastspiel der Sonne wurde es noch schlimmer. Knöcheltiefer Schlamm erschwerte es den Fans sich fortzubewegen. Trockene Füße? Nur mit Gummistiefeln.
Doch echte Metalheads schreckt das Wetter nicht. Am Freitagabend bei den Auftritten von The Bosshoss, Hammerfall, Dimmu Borgir, In Flames und In Extremo war es dann nur noch an den Füßen nass - aber der Schlamm unausweichlich.
Dabei hatte es so sonnig begonnen: Am Mittag strahlte über dem Wackinger Dorf die Sonne und Tausende erkundeten die mehr als 100 verschiedenen Stände, an denen es neben Accessoires wie Hörnern, T-Shirts und lustigen Spielen auch allerlei Essbares gab. Vom Knoblauchbrot zum selbst belegen bis zum erfrischenden Schluck Met war alles dabei. Für Aufsehen sorgte eine Truppe, die Heavy Metal auch optisch ausdrückte. Mit ihren beeindruckenden selbstkonstruierten Fahrzeugen, wie beispielsweise umgebauten Traktoren, bretterten sie über die Wiese und boten dem Publikum eine beeindruckende Show mit Pyro-Effekten und jeder Menge Krach. Schwermetall pur und auch die Geruchskulisse stimmte. Ruhiger ging es bei den Mittelaltervorführungen zu. Warum ein flacher Helm die Überlebenschancen einst reduzierte und wie die Wickinger ihre Köpfe schützten wurde hier vermittelt.
Die ersten Blitze zuckten dann am Nachmittag über den Himmel, der innerhalb von Minuten dunkel geworden war. Wer es rechtzeitig schaffte sich unterzustellen, hatte Glück. Und nette Gespräche, denn für das internationale Publikum ist Regen an sich nichts Besonderes. "In Denmark we have rain, rain, rain and wind", scherzte ein Metalfan aus Dänemark und blickte lachend nach oben. So ist Wacken: Rain and shine – und das im fliegenden Wechsel.
Der Stimmung unter den 80.000 begeisterten Besuchern des Wacken Open Airs tat das meteorologische Drumherum keinen Abbruch. Kein Wunder, sorgten doch echte Heroen den Power-, Black- und Mittelalter-Metal für erstklassige Shows. Mit der Country-Rock-Formation The Bosshoss eröffneten dagegen echte Exoten den Konzertreigen vor den beiden Hauptbühnen. Eine Spur härter als gewohnt servierten sie ihr Repertoire. Jedoch herrschte noch längst nicht ein solches Gedränge wie beim Auftritt von Hammerfall.
Mit einer ausgesuchten Mischung aus ihrem aktuellen Album „Infected“ und dem Besten aus annähernd 20 Jahren Bandgeschichte heizten die Skandinavier ihrem Publikum nach allen Regeln der Kunst ein. Für Wehmut sorgte allerdings die Ankündigung, dass Hammerfall jetzt erst einmal gut zwei Jahre pausieren wird.
Ein ungewöhnliches Klangerlebnis boten die Blackmetaller Dimmu Borgir: Sie traten mit einem Symphonie-Orchester und einem Chor auf die Bühne, die die Gewittersalven aus furiosen Gitarren-Riffs und Bass-Drum prachtvoll untermalten.
Ebenfalls aus Norwegen, doch stilistisch eine ganz andere Geschichte: Der Auftritt von In Flames kann getrost als einer der Höhepunkte des bisherigen Festivals verbucht werden. Die Combo um Frontmann Anders Fridén legte die ideale Grundlage für den anschließenden Gig der deutschen Vorzeige-Band In Extremo, die das Publikum zu regelrechten Begeisterungsstürmen hinriss.