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12.03.2012  |  von  |  0 Kommentare

Spanien Kiffen gegen die Krise

Ein spanisches Dorf will mit Drogenanbau Geld machen – und das wohl ganz legal.

ARCHIV - Cannabis Pflanzen, aus denen auch Marihuana hergestellt wird, sind am 31.08.2010 in einer Plantage in Safed (Israel) zu sehen. - Der Anbau von Cannabis anstelle von Oliven soll ein Dorf im Nordosten Spaniens aus der Krise führen. Die 900-Seelen-Gemeinde Rasquera in der Provinz Tarragona will einer privaten Initiative aus Barcelona Felder verpachten, damit dort Cannabis für den Eigenbedarf angebaut wird.  Bild: dpa



In der tiefen Schuldenkrise kommen Spaniens Bürgermeister auf immer verrücktere Ideen, um ihre Orte vor der Pleite zu retten. Manche treten in den Hungerstreik, um auf die Geldprobleme ihrer Dörfer aufmerksam zu machen. Andere wollen große Spielcasinos in die Gegend pflanzen, um die leeren Kassen zu füllen. Doch den Vogel schießt nun das nordspanische Dorf Rasquera in der Region Katalonien ab: Hier wurde beschlossen, im großen Stil Cannabis anzubauen und mit dem Drogen-Verkauf Schulden zu bezahlen sowie Jobs zu schaffen.

„Das ist unser Anti-Krisenplan“, sagt stolz Bürgermeister Bernat Pellisa. Er gehört der katalanischen Regionalpartei „Republikanische Linke“ an, die in dem 1000-Seelen-Dorf Rasquera das Sagen hat. Auf sieben Hektar Land, was etwa der Größe von sieben Fußballfeldern entspricht und auf denen bisher Oliven reiften, sollen künftig berauschende Gewächse sprießen.

Aus den Hanfpflanzen, deren offizieller Name Cannabis lautet, können Haschisch und Marihuana gewonnen werden. Cannabis gehört zu den am weitesten verbreiteten Drogen und wird üblicherweise mit Tabak gemischt als Joint geraucht.

Nachdem der Dorfrat dem Plan zustimmte, soll nun noch das Volk befragt werden, ob es in Spaniens erstem Drogendorf wohnen will: Die Haschisch- und Marihuana-Plantagen sollen bald blühen, wenn die Mehrheit der 962 Dörfler mit „Si“ stimmt. Und sofern nicht noch der Staatsanwalt einschreitet. Die Ermittler prüfen derzeit, ob sich das Dorf des Drogenhandels schuldig machen könnte, für den Gefängnis droht. Zwar sind in Spanien der Cannabis-Anbau für den Eigenbedarf und auch der Konsum nicht ausdrücklich verboten, die kommerzielle Kultivierung sowie der Handel aber sehr wohl.

Genau diese rechtliche Grauzone will das Dorf Rasquera nun für seine Drogenfabrik ausnutzen: Denn hinter dem größten bisher bekannten Cannabis-Projekt Spaniens steht ein „gemeinnütziger Verein“ von Haschisch- und Marihuana-Rauchern, der „nur für den Eigenbedarf“ die Hanfpflanzen anbauen will. Eine Art legaler Raucher-Club namens ABCDA aus der katalanischen Hauptstadt Barcelona, in dem sich immerhin 5000 Mitglieder organisieren und der für die „soziale Normalisierung des Cannabis-Konsums“ eintritt.

Die Cannabis-Plantagen sollen in Gewächshäusern grünen, gut bewacht werden und 40 Arbeitsplätze schaffen, sagt Bürgermeister Pellisa, der mit dem Cannabis-Verein schon einen Vertrag gemacht hat: Jedes Jahr werde das Rathaus 650 000 Euro an Pacht kassieren, freut sich Pellisa. Damit könne das Dorf dann schnell die 1,3 Millionen Euro Schulden bezahlen, die es vor sich herschiebe. Und man könne den jungen Leuten, von denen immer mehr aus dem öden Dorf flüchten, Jobs und damit eine Zukunft geben.

Damit alles seine Ordnung habe und unter Kontrolle bleibe, will Pellisa ein „öffentliches Unternehmen“ gründen, das Drogenanbau und Produktion organisieren und die ordnungsgemäße Abgabe an den „Raucherverein“ überwachen soll. Mit diesem „Anti-Krisenplan“, sagt der oberste Dörfler selbstbewußt, „sind wir Vorreiter“. Und noch einen Titel hat der Bürgermeister für seinen Ort Rasquera schon einheimst: Es gilt in der Öffentlichkeit jetzt als Spaniens „Kiffer-Dorf“.

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