Denn die flotte Biene feiert ihren 100. Geburtstag.
Die liebenswerte Honigbiene und ihre Freunde, die Drohne Willi und der Grashüpfer Flip, hinterließen bei vielen Kindern einen bleibenden Eindruck. Die ab Herbst 1976 jeweils donnerstags ausgestrahlten Folgen waren so beliebt, dass das ZDF die erste Staffel sonntags wiederholte und eine zweite in Auftrag gab.
Zum Bestseller wurde „Die Biene Maja“ vor allem dank der erwachsenen Leser: Während des Ersten Weltkriegs avancierten die Kindergeschichten zur Lieblingslektüre der deutschen Soldaten. Tatsächlich endet die literarisch von der Neuromantik geprägte Heldenreise der kleinen Biene in einem Massaker: Als sie von Hornissen gefangen genommen wird, erfährt sie, dass die Räuber ihre Wabe überfallen wollen. Sie flieht und warnt ihr Volk, das die Feinde in einen Hinterhalt lockt. In der Beschreibung des aufopferungsvollen Kampfs gegen die Eindringlinge schwärmt Bonsels vom „kühnen Soldatentod“ und der „wilden Seligkeit der hohen Todesbereitschaft“ – in Zeiten regelmäßiger Berichte über Selbstmord-Attentate Formulierungen, die zwiespältige Gefühle hervorrufen.
Bonsels ist als Autor nicht unumstritten. Allerdings kam die Kritik erst nach seinem Tod im Sommer 1952 auf. Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek (Ludwig-Maximilians-Universität, München) geißelt den Schriftsteller als „geistigen Brandstifter“, der weit mehr als bloß ein Mitläufer des Nazi-Regimes gewesen sei. Tatsächlich hat Bonsels beispielsweise bei seinem 1943 nur als Privatdruck erschienenen Roman „Der Grieche Dositos“ den antisemitischen Charakter der Erzählung betont. Naturwissenschaftler Karl Daumer kritisiert, dass Bonsels die biologischen Erkenntnisse in seinem Buch zwar korrekt wiedergebe, sie immer wieder ideologisch überlagere. Er spricht von „bedenklichen Freund-Feind-Moralvorstellungen“.
Seiner Meinung nach finde sich gerade in den Schlusskapiteln, wenn sich die Bienen gegen die Hornissen wehren, „nur noch wenig Biologie, dafür aber umso mehr Ideologie.“ Bonsels verherrliche den Bienenstaat „mit einer sozialdarwinistisch getönten, rassistischen Tendenz“.
Über solche Vorwürfe ist die TV-Produktion naturgemäß erhaben. Die Serie will Kurzweil bieten, sonst nichts. Irene Wellershoff, beim ZDF stellvertretende Leiterin des Kinderfernsehens und zuständig für fiktionale Stoffe, erklärt die ungebrochene Begeisterung für die Biene Maja „damit, dass Kinder einfach von kleinen Wesen fasziniert sind. Während die Eltern auf die Schönheit des Panoramas hinweisen, entdeckt das Kind eine Ameise auf dem Boden. Außerdem gefallen Kindern der Freiheitsdrang von Maja und der lustige Willi.“ Dass die eckige und steife Machart der Serie einem Vergleich mit modernen Animationsproduktionen nicht mal flüchtig standhält, sei für die Zielgruppe kein Thema, glaubt die ZDF-Redakteurin: „Für Kinder ist die Geschichte wichtiger als der Look.“ Trotzdem hat man eingesehen, dass Stil und Erzählweise aus dem Rahmen des Programmumfelds fallen: „Da wir immer neuen Kindergenerationen ermöglichen wollen, die Biene und ihre Freunde kennenzulernen, schien es uns sinnvoll, Maja mit einer neuen Serie ein Weiterleben weit über ihren hundertsten Geburtstag hinaus zu ermöglichen.“ Das Remake wird derzeit hergestellt. Wellershoff verspricht „einen Augenschmaus, der sich in der visuellen Qualität mit den besten Serien weltweit messen kann.“
