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03.09.2012  |  von TILMANN P. GANGLOFF  |  0 Kommentare

Fernsehen Biene Maja macht seit 100 Jahren Karriere

In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzulanger Zeit, war eine Biene sehr bekannt: Kaum ein Kind in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre kannte Maja nicht. Von ihr sprach tatsächlich alles weit und breit, wie es in dem Lied heißt – und heute wieder.
Biene Maja

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Denn die flotte Biene feiert ihren 100. Geburtstag.

Die liebenswerte Honigbiene und ihre Freunde, die Drohne Willi und der Grashüpfer Flip, hinterließen bei vielen Kindern einen bleibenden Eindruck. Die ab Herbst 1976 jeweils donnerstags ausgestrahlten Folgen waren so beliebt, dass das ZDF die erste Staffel sonntags wiederholte und eine zweite in Auftrag gab.

Tatsächlich ist Maja aber viel älter – auch wenn man es ihr nicht ansieht. Im September 1912 veröffentlichte der Autor Waldemar Bonsels sein Buch „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“. Bis heute wurde es in 40 Sprachen übersetzt. Mit der in Japan produzierten ZDF-Serie haben Bonsels' Vorlagen (1915 erschien die Fortsetzung „Himmelsvolk“) außer der Hauptfigur allerdings kaum etwas gemeinsam. Im Grunde sind die Geschichten, die Bonsels ursprünglich für seine Söhne geschrieben hat, geschickt verpackter Biologie-Unterricht: Bei ihrem Ausflug in die Welt lernt die frisch geschlüpfte Honigbiene viele Insekten kennen, von denen sie ausführlich über ihre Lebensumstände informiert wird. Für ein 100 Jahre altes Buch ist die Lektüre überraschend unverstaubt. Heutige Eltern würden allerdings über die diversen Grausamkeiten stolpern: Mehrfach werden Majas Gesprächspartner unvermittelt und mitten im Geplauder von Fressfeinden zermalmt.

Zum Bestseller wurde „Die Biene Maja“ vor allem dank der erwachsenen Leser: Während des Ersten Weltkriegs avancierten die Kindergeschichten zur Lieblingslektüre der deutschen Soldaten. Tatsächlich endet die literarisch von der Neuromantik geprägte Heldenreise der kleinen Biene in einem Massaker: Als sie von Hornissen gefangen genommen wird, erfährt sie, dass die Räuber ihre Wabe überfallen wollen. Sie flieht und warnt ihr Volk, das die Feinde in einen Hinterhalt lockt. In der Beschreibung des aufopferungsvollen Kampfs gegen die Eindringlinge schwärmt Bonsels vom „kühnen Soldatentod“ und der „wilden Seligkeit der hohen Todesbereitschaft“ – in Zeiten regelmäßiger Berichte über Selbstmord-Attentate Formulierungen, die zwiespältige Gefühle hervorrufen.

Bonsels ist als Autor nicht unumstritten. Allerdings kam die Kritik erst nach seinem Tod im Sommer 1952 auf. Literaturwissenschaftler Sven Hanuschek (Ludwig-Maximilians-Universität, München) geißelt den Schriftsteller als „geistigen Brandstifter“, der weit mehr als bloß ein Mitläufer des Nazi-Regimes gewesen sei. Tatsächlich hat Bonsels beispielsweise bei seinem 1943 nur als Privatdruck erschienenen Roman „Der Grieche Dositos“ den antisemitischen Charakter der Erzählung betont. Naturwissenschaftler Karl Daumer kritisiert, dass Bonsels die biologischen Erkenntnisse in seinem Buch zwar korrekt wiedergebe, sie immer wieder ideologisch überlagere. Er spricht von „bedenklichen Freund-Feind-Moralvorstellungen“.

Seiner Meinung nach finde sich gerade in den Schlusskapiteln, wenn sich die Bienen gegen die Hornissen wehren, „nur noch wenig Biologie, dafür aber umso mehr Ideologie.“ Bonsels verherrliche den Bienenstaat „mit einer sozialdarwinistisch getönten, rassistischen Tendenz“.

Über solche Vorwürfe ist die TV-Produktion naturgemäß erhaben. Die Serie will Kurzweil bieten, sonst nichts. Irene Wellershoff, beim ZDF stellvertretende Leiterin des Kinderfernsehens und zuständig für fiktionale Stoffe, erklärt die ungebrochene Begeisterung für die Biene Maja „damit, dass Kinder einfach von kleinen Wesen fasziniert sind. Während die Eltern auf die Schönheit des Panoramas hinweisen, entdeckt das Kind eine Ameise auf dem Boden. Außerdem gefallen Kindern der Freiheitsdrang von Maja und der lustige Willi.“ Dass die eckige und steife Machart der Serie einem Vergleich mit modernen Animationsproduktionen nicht mal flüchtig standhält, sei für die Zielgruppe kein Thema, glaubt die ZDF-Redakteurin: „Für Kinder ist die Geschichte wichtiger als der Look.“ Trotzdem hat man eingesehen, dass Stil und Erzählweise aus dem Rahmen des Programmumfelds fallen: „Da wir immer neuen Kindergenerationen ermöglichen wollen, die Biene und ihre Freunde kennenzulernen, schien es uns sinnvoll, Maja mit einer neuen Serie ein Weiterleben weit über ihren hundertsten Geburtstag hinaus zu ermöglichen.“ Das Remake wird derzeit hergestellt. Wellershoff verspricht „einen Augenschmaus, der sich in der visuellen Qualität mit den besten Serien weltweit messen kann.“



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Wer hinter Maja steht
  • Die Serie: „Biene Maja“ wurde 1975 vom damaligen Leiter des ZDF-Kinderfernsehens, Josef Göhlen, in Auftrag gegeben und als deutsch-österreichischjapanische Koproduktion in Japan realisiert. Die Ausstrahlung erfolgte im Herbst 1976. Aufgrund des großen Erfolgs wurde eine zweite Staffel (ebenfalls à 52 Folgen) produziert. Das von Karel Gott gesungene Titellied war ein großer Erfolg in den Hitparaden. Anlässlich des Maja-Jubiläums wiederholt der Kinderkanal die Serie montags bis freitags um 6.25 Uhr. Das ZDF lässt derzeit 78 neue „Maja“-Folgen in 3D produzieren. Die Ausstrahlung ist für nächstes Jahr geplant.
  • Die Vorlage: „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“, mit Originalillustrationen von Waltraut und Ottmar Frick. Deutsche Verlags-Anstalt, München. 176 Seiten, 16,95 Euro. Das Buch wurde 1926 erstmals adaptiert: als Stummfilm mit echten Insekten. Die Umsetzung hat damals zwei Jahre gedauert.
  • Der Autor: Waldemar Bonsels (1880- 1952) gehörte in den 1920er-Jahren zu den meistgelesenen Autoren in Deutschland. Er verließ das Gymnasium ohne Abschluss und machte eine kaufmännische Ausbildung, bevor er sich zum Missionskaufmann ausbilden ließ und 1903 für einige Monate nach Ostindien ging. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Kriegsberichterstatter. Seine Bücher veröffentlichte er zunächst in seinem eigenen Verlag, einer seiner größten Erfolge wurde „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ – es ist das einzige seiner Werke, das noch heute einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Neue Forschungs-Ergebnisse nähren den Verdacht, dass Bonsels der Nazi-Ideologie näher stand als er selbst zu Lebzeiten zugeben wollte.
 

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