Fünf Jungs aus Sachsen bringen frischen Wind in die deutsche Musik-Szene
Eigentlich ist es seltsam, dass Deutschlands Musikszene trotz aller Hypes und Trends im vergangenen Jahrzehnt keine wirklich erfolgreiche deutschsprachige Indie-Kombo ausgeworfen hat. Das änderte sich im vergangenen Jahr schlagartig, als Kraftklub in die Öffentlichkeit drängte. Fünf Mann mit großer Klappe, einheitlich in Arbeiter-Zwirn, Collegejacke und Hosenträger gekleidet, feierten erste Erfolge in kleinen Konzerthäusern und als Support-Act von Fettes Brot und den Beatsteaks und erreichten urplötzlich einen großartigen fünften Platz bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest.
Von da an war Kraftklub fast allgegenwärtig. Im Internet erreichte die Band schnellstens Kultstatus, aus dem sich ein unaufhaltsamer Hype entwickelte. Dieser erreichte in der vergangenen Woche seinen vorläufigen Höhepunkt: Kraftclub stieg mit dm Album „Mit K“ von null auf eins in die deutschen Albumcharts ein. Und Deutschland hat endlich seine Indie-Stars …
Dabei passt bei Kraftklub auf den ersten Blick alles gar nicht so richtig zusammen: Die fünf Jungs stammen aus dem unglamourösen Chemnitz (nennen ihre Heimat aber mit Nachdruck Karl-Marx-Stadt und bezeichnen sie ohne große Umschweife als die hässlichste Stadt Deutschlands), Frontmann Felix Brummer (eigentlich felix Kummer) war früher unter dem Synonym Bernd Bass in der Hip-Hop-Szene unterwegs. Aus ebendieser wurde Kraftklub – in Form von Rapper Casper – zu Beginn der Karriere nachhaltig gepusht.
Dabei funktioniert Kraftklubs Musik in erster Linie als Indie-Rock mit Crossover-Momenten, wobei die Indie-Szene und das hauptstädtische Hipstertum längst zum offensichtlichen Feindbild des Quintetts erklärt wurden – nicht umsonst sind zwei von Kraftklubs bekanntesten Stücken mit „Scheissindiedisko“ und „Ich will nicht nach Berlin“ betitelt.
Die Jungs von Kraftklub machen indes keinen Hehl daraus, dass ihre Band von keinem durchdachten Konzept unterwandert ist, sie sich keine Gedanken über politische Probleme machen und in erster Linie zusammen Spaß haben wollen. Und tatsächlich: Der ironische Nihilismus ist so erfrischend wie die Musik der Band und eine entscheidende Zutat in ihrem Erfolgsrezept.
Gegründet wurde Kraftklub – wie sollte es auch anders sein – in einem Fitness-Studio. Dort versuchte nämlich der oben erwähnte Nachwuchs-Rapper Bernd Bass, seinem schmächtigen Körper ein wenig mehr Kontur zu verleihen und traf dabei zufällig auf die Schulband Neon Blocks seines Bruders Till und seiner Jugendfreunde Karl Schumann, Steffen Israel und Max Marschk . Noch an den Hanteln wurde gesmalltalkt und ein wenig gejammt – und wenige Wochen später vereinigten sich Hip-Hop und Indie, Bernd Bass und Neon Blocks im Proberaum zu Kraftklub: „Wir sind alle eher so die Indie-Hörer und haben das dann einfach mal zusammen probiert. Es war nicht so, dass wir uns gedacht haben, wir machen jetzt mal was Verrücktes, das gut ankommt, sondern es hat sich einfach so ergeben.“ 2010 gewan Kraftklub den renommierten New Music Award – der Beginn einer klassischen Erfolgsstory.
Das aktuelle Album der Band, „Mit K“, offenbart tatsächlich außergewöhnliches Potential: Die Texte sind witzig bis scharfsinnig (In „Songs für Liam“ heißt es beispielsweise: „Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam“ – eine großartige Liebeserklärung!), die Musik ist treibend, eingängig und strotzt nur so vor Zitaten, und die Hip-Hop-Elemente sorgen für einen mächtigen Schuss Unberechenbarkeit.
Den durchschlagenden Erfolg sehen die Jungs von Kraftklub indes absolut nüchtern und genießen den Moment nach eigener Aussage mit allen Vor- und den wenigen Nachteilen – und sollte das Ganze ein plötzliches Ende nehmen, steht Plan B bereits griffbereit. Frontmann Felix meint dazu: „Wenn ich anfangen will zu studieren, dann kann ich das später immer noch machen. Dann kann ich BWL studieren und in die Wirtschaft gehen. Aber ich würde mich ärgern, wenn ich es nie versucht hätte.“
Videos von Kraftklub:
Zu jung: www.youtube.com/watch?v=bV37CClYr-U
Ich will nicht nach Berlin: www.youtube.com/watch?v=NuUqIIxZ1wc