Servus Herr Kraus. 60 Jahre und das Lausbuben-Image klebt zäh an Ihnen. Ist es für Sie eher Fluch oder Segen?
Beides. Mit 60 stehe ich da zwar inzwischen immer besser drüber. Große Schwierigkeiten hatte ich im Alter von 20 bis 25 Jahren, als ich in einer Schublade steckte und dadurch als Schauspieler viele Angebote nicht gekriegt habe.
Was haben Sie für Ihren ersten Ludwig-Thoma-Film an Gage kassiert?
3000 D-Mark. Das ist verglichen mit heutigen Gagen wenig, für einen Zwölfjährigen aber viel Geld.
Was machten Sie damit?
Ich nix. Meine Eltern haben es angelegt.
In Ihrer Biografie steht, Sie heißen eigentlich Krause. Weil der schlesische Name aber nicht zur Figur des Ludwig Thoma passte, wurde daraus Kraus. Stimmt das?
Ja. Ich stamme aus Gleiwitz und bin mit sechs nach München gekommen. Und ich heiße Krause. Dann erwählte man mich als Lausbub. Auf dem Kinoplakat stand plötzlich Kraus drauf. Ich war sauer, weil mir kein Mensch gesagt hat, dass das „e“ gestrichen wurde. Später habe ich erfahren, dass ein Hans Krause nicht den urbayerischen Ludwig Thoma darstellen konnte, weil das zu preußisch geklungen hätte. Darum hat man mich Hansi Kraus genannt.
Und in den 80er Jahren haben Sie ihren Namen erneut geändert. Weil Sie wegwollten vom Lausbuben-Image?
Ja und nein. Ich habe nur das „i“ gestrichen und nannte mich Hans Kraus. Weil das aber nichts nutzte, habe ich es wieder weggenommen. Hans Kraus, das klingt zu hart. Wenn Leute bei mir anriefen, dachten sie, falsch verbunden zu sein.
Wie viel Lausbub steckt noch in Ihnen?
Immer noch a bissl. Ich bin ja damals auch deswegen ausgesucht worden, weil die Lausbuben-Rolle ganz gut zu mir gepasst hat.
Wie darf man sich das vorstellen? Gab es damals auch schon große Castings?
Damals hieß das noch Besetzung und die Münchner Abendzeitung hatte einen Aufruf drin, dass ein Lausbub für einen Film gesucht wird. Ich meldete mich. Insgesamt sind 140 Buben eingeladen worden. Doch es dauerte drei Durchgänge, bis klar war: Ich bin es! Allerdings habe ich dabei zunächst – wie soll ich sagen? – ein wenig nachgeholfen. Der Aufnahmeleiter ging nach der ersten Runde herum und forderte verschiedene Buben auf, ihre Adresse zu hinterlassen. Ich war leider nicht dabei, habe es aber mitgekriegt. Da dachte ich mir: Wenn ich jetzt schon hier bin, hinterlasse ich auch meine Adresse.
Gibt es heute noch Lausbuben oder wird es für sie schwerer in einer Welt, in der jeder gleich die Polizei ruft?
Ich weiß nicht, kann mir aber vorstellen, dass heute beim kleinsten Streich vor Gericht gezogen wird.
Sie feierten vor wenigen Wochen ihren 60. Geburtstag. Das war überhaupt nicht lustig. Sie waren plötzlich todkrank. Wie geht es Ihnen heute?Alles wieder gut. Ich hatte eine schwere Sepsis, das heißt, mein Körper war mit Bakterien vergiftet. Gott sei Dank bin ich rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen. Die Ärzte sagten mir: Zwei Stunden später und es wäre wohl zu spät gewesen.
Hat sich dadurch ihr Leben verändert?
Nein, ich habe es ja nicht mitgekriegt, war bewusstlos. Als ich wieder aufwachte, war das Schlimmste vorbei. Meine Familie litt sehr, ich selbst weniger.
Was machen Sie derzeit beruflich?
Zurzeit bin ich bei Georg Maiers Iberl-Bühne, einem bayrischen Volkstheater hier in München. Ansonsten: Schau ma mal, was kommt.
Ist es schwer, an neue Rollen heranzukommen?
Ja durchaus, weil viele Regisseure mich immer noch in die Schublade Lausbub stecken.
Wovon träumt ein Lausbub mit 60?
Ich habe keine Träume mehr. Und im Nachhinein muss ich sagen: Wenn es mich kürzlich zerbröselt hätte, wär’s vorbei gewesen. Was jetzt noch kommt, sind Zugaben.
Videos vom Lausbuben-Kraus:
