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Luftfahrt Riesen bleiben am Boden

09.02.2012
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– Ist der Flugzeugbau zu komplex geworden? Beim doppelstöckigen Airbus A380 finden sich Risse in Tragflächen-Teilen, beim Langstreckenflieger „Dreamliner“ muss Boeing am Rumpf nachbessern.

Auffällig ist: Alle großen Neuentwicklungen der vergangenen Jahre schafften es nur mit Verzögerungen und teils milliardenschwerem Mehraufwand in die Luft.

Den Herstellern bleibt nichts anderes übrig, als die Passagiere zu beruhigen und sich um Schadensbegrenzung zu bemühen. Dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) nun Untersuchungen anordne, bedeute keineswegs, dass Maschinen absturzgefährdet seien, musste Airbus gestern – wieder einmal – betonen. Kurz zuvor hatte die EASA die Untersuchung aller A380-Flügel angeordnet. An mehreren Teilen waren zuvor Risse entdeckt worden. Fluggäste in aller Welt fragten sich, ob die modernen Flugzeuge sicher sind.

Piloten zeigen sich entspannt: „Die Teile sind ja nicht komplett ungeeignet, sie halten nur nicht so lange wie gedacht“, sagt beispielsweise ein Lufthansa-Pilot. „Grundsätzlich ist es positiv zu sehen, dass die Überwachung so gut ist, der Mangel auffiel und man die Flieger nun alle überprüft“, so seine Meinung.

Für die Fluggesellschaften an sich ist der Ausfall aber bitter. Denn auch wenn Airbus für die Reparaturkosten geradesteht, fehlen die Maschinen mindestens drei Tage im laufenden Betrieb. Für viel Geld haben sich viele Fluglinien den Publikumsmagneten A380 angeschafft, der laut Preisliste umgerechnet fast 300 Millionen Euro kostet. 68 Exemplare des Riesenfliegers sind bereits im Einsatz, acht davon bei der Lufthansa.

Die Fluglinie schmiedet nun schon Pläne, wie sie keinen Kunden enttäuschen muss, der mit dem Airbus-Flaggschiff nach Tokio oder Johannesburg fliegen will. „Wir werden das so gestalten, dass alle acht Maschinen überprüft werden und kein A380-Flug ausfällt“, sagt Sprecher Michael Lamberty. Noch hat Europas größte Fluggesellschaft an ihren A380-Maschinen keine Risse entdeckt. Aber: Von außen sind die Beschädigungen nicht zu erkennen. Für die Reparatur müssen die Airbus-Techniker zum Inneren des Flügels vorstoßen: Nur so können sie die schadhaften Teile austauschen. An jedem der untersuchten Flieger waren bislang mehrere solche Reparaturen notwendig.

Airbus-Rivale Boeing ist ebenfalls Kummer gewohnt. Der Hoffnungsträger 787 „Dreamliner“ wurde zum Albtraum der Konstrukteure. Eine ungesunde Mischung aus eigenen Fehlern und denen der Zulieferer führte dazu, dass die ersten Maschinen mit mehr als drei Jahren Verspätung ausgeliefert wurden. Die Kunden waren stinksauer, die Kosten explodierten. Zudem erwiesen sich die verwendeten Kohlefasern beim „Dreamliner“ als tückisch. Der leichte, hochstabile Kunststoff ersetzte das sonst im Flugzeugbau übliche Aluminium. Ziel war es, das Flugzeug abzuspecken und langlebiger zu machen. Erst vor wenigen Tagen tauchten aber neue Fertigungsprobleme auf. Das Skelett, das dem Rumpf Festigkeit verleiht, war an einigen Stellen nicht richtig montiert worden. Es bestehe kein Grund zur Sorge, heißt es: „Die Reparaturen werden nur einige Tage dauern.“

Die Flugzeugbauer haben aus den Fehlern gelernt: Bei ihren Verkaufsschlagern, den Mittelstrecken-Baureihen Airbus A320 und Boeing 737, gehen sie kein Risiko ein und verzichten vorerst auf einen kompletten Modellwechsel. Stattdessen setzen die Hersteller auf eine Modernisierung und rüsten die Maschinen mit neuen Triebwerken aus. Doch selbst eine solche Operation ist schwierig, wie der Jumbo-Jet zeigt: Auch die neueste Generalüberholung verschlang mehr Zeit als veranschlagt.

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