Italien Vor fünf Jahren havarierte die Costa Concordia

Vor fünf Jahren havarierte das Kreuzfahrtschiff mit Kapitän Francesco Schettino vor der italienischen Insel Giglio. 32 Menschen starben bei dem Unglück. Alles zum aktuellen Stand der Ermittlungen.

Don Lorenzo Pasquotti war einer der ersten, der den Schiffbrüchigen in der Unglücksnacht zu Hilfe eilte. Der Dorfpfarrer im Hafen der toskanischen Insel Giglio sperrte die Türen seiner Kirche auf. Die ersten durchnässten Passagiere kauerten da schon auf den Stufen. Don Lorenzo schaffte Decken und Jacken aus seiner Wohnung herbei. „Später haben sich die Schiffbrüchigen auch mit den Messgewändern und den Hemden der Ministranten zugedeckt“, erzählt der Pfarrer am Telefon.

Bilder von der letzten Fahrt der Costa Concordia

An diesem Freitag wird auf Giglio der fünfte Jahrestag der Havarie der Costa Concordia begangen, ein Unglück, bei dem 32 Menschen ums Leben kamen. Das Kreuzfahrtschiff war in der Nacht des 13. Januar 2012 gegen 21.45 Uhr vor der Insel wegen eines waghalsigen Manövers auf Grund gelaufen und kam dann vor dem Hafenbecken mit schwerer Schlagseite zu liegen. 4229 Passagiere befanden sich auf dem Schiff, die meisten konnten sich mit Rettungsbooten oder schwimmend in den Hafen von Giglio retten.

Vom Wrack der Costa Concordia ist auf Giglio schon länger nichts mehr zu sehen. Über 18 Monate lag das knapp 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff vor der Insel. In einer aufwendigen Aktion richteten Spezialisten das Wrack auf, brachten es mithilfe von 30 Stahlcontainern wieder zum Schwimmen und schleppten es im Juli 2014 in den Hafen von Genua. Dort wird der Stahlriese seither abgewrackt. 80 Prozent des Materials soll für den Bau anderer Schiffe wiederverwendet werden. Bis Februar 2017 soll die letzte Schraube abmontiert sein und damit die Überreste des Schiffs verschwunden sein.

Wie vom Erdboden verschluckt ist auch Francesco Schettino (56), der ehemalige Kapitän des Schiffes. Im Mai bestätigte ein italienisches Berufungsgericht seine Verurteilung zu 16 Jahren und einem Monat Haft wegen fahrlässiger Tötung, Schiffbruch und vorzeitigem Verlassen des Schiffs. Fünf Mitverantwortliche wurden 2013 im Schnellverfahren zu geringen Haftstrafen verurteilt. Wie sein Anwalt Saverio Senese berichtet, hält sich der 56-Jährige in seinem Wohnort Meta di Sorrento südlich von Neapel auf. Der Ex-Kapitän hat Revision gegen das Urteil eingelegt. Erst wenn diese vom Obersten Gerichtshof in Rom abgelehnt werden sollte und das Urteil damit rechtskräftig wird, müsste Schettino ins Gefängnis. Am 20. April soll die Entscheidung darüber fallen.

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Havarie der Costa Concordia: Am 13. Januar 2012 lief das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» vor der italienischen Insel Giglio auf Grund und kenterte. 4200 Gäste und Besatzungsmitglieder waren an Bord, 32 Menschen starben.
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