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Panorama Steve Feltham: Der Monsterjäger von Loch Ness

Seit 24 Jahren jagt Steve Feltham das Monster von Loch Ness. Auch wenn er mittlerweile meint, dass es sich wahrscheinlich um einen riesigen Wels handelt, lebt der 52-Jährige weiter seinen Traum.

Ein Wels kann bis zu vier Meter lang werden, und auch die in den Flüssen um Loch Ness vorkommenden Störe erreichen eine beachtliche Größe. Aufgrund ihrer Körperform könnten die Tiere leicht mit dem Seemonster verwechselt werden. Es sei aber nicht unbedingt die „endgültige Erklärung“. Feltham hatte Haus und Freundin 1991 verlassen, um das Monster von Loch Ness zu suchen. Seither lebt er in einem Wohnwagen am Ufer des schottischen Sees.

Der See Loch Ness vom östlichen Ende bei Inverness aus gesehen.
Der See Loch Ness vom östlichen Ende bei Inverness aus gesehen. | Bild: Rebell Yell (C BY-SA 3.0)

Der Beginn einer Leidenschaft

Steve Felthams Faszination begann bei einem Familienurlaub im Jahre 1970, als er 7 Jahre alt war. Der Besuch bei einer Gruppe Freiwilliger, die am Ufer des Sees ein Camp zur Rund-um-die-Uhr Beobachtung von Loch Ness eingerichtet hatten, beeindruckte den jungen Schotten nachhaltig. Im Laufe der Jahre wuchs seine Begeisterung für Nessie weiter, er kehrte immer für kleine Expeditionen wieder an den See zurück, ausgerüstet mit einer einfachen Kamera, einem alten Armeefeldstecher seines Großvaters, und der Hoffnung, einmal einen glücklichen Blick auf das Monster zu erhaschen.

Nachdem er einige Jahre lang zwischen kreativen Jobs als Buchbinder, Töpfer und Grafiker und längeren Ausflügen an Loch Ness pendelte, wurde er 1987, im Alter von 24 Jahren, mit einer festen Freundin und eigenem Haus sesshaft, und gründete mit seinem Vater eine Firma für Alarmanlagen, erfreut über die Aussicht, mit einem guten Job gutes Geld machen zu können.

Allerdings merkte er bald, dass dies einfach nicht das richtige Leben für ihn sein konnte. Seine Leidenschaft zog ihn immer wieder an die Gestade von Loch Ness zurück, und er gewann die Überzeugung, dass er es im Alter schwer bereuen würde, wenn er seinen Traum einfach aufgab. Also beendete er die Beziehung, verkaufte sein Haus, verließ das lukrative Familiengeschäft, und bereitete sich auf sein neues Leben am Loch Ness vor.

Ein neues Leben

Ein zwanzig Jahre altes, ehemaliges Büchereimobil dient ihm seitdem als Zuhause. Ursprünglich pendelte er zwischen verschiedenen Orten am See, doch als der Wagen Ende der Neunziger Jahre die Hauptuntersuchung nicht mehr bestand, ließ er sich in dem beschaulichen Dörfchen Dores nieder.

Gerade in den Anfangsjahren war die Finanzierung seines Traums ein großes Problem. Eine Dokumentation und die Unterstützung der BBC, die ihn auch mit Kamera und Filmequipment ausstattete, steigerte seine Bekanntheit, sodass er sich seitdem durch den Verkauf kleiner Nessie-Figuren finanzieren kann, selbstgebaut aus Modelliermasse und Steinen aus dem See.
Felthams ehemaliges Büchereimobil nahe der Ortschaft Dores: Viel Freiheit mit wenig Komfort.
Felthams ehemaliges Büchereimobil nahe der Ortschaft Dores: Viel Freiheit mit wenig Komfort. | Bild: nessiehunter.com

Inzwischen hat sich Steve Feltham in Dores sein eigenes, wie er es nennt, "kleines Utopia" errichtet. Er wohnt immer noch in dem alten Büchereimobil, ohne fließend Wasser, mit Strom aus Solarpanelen und einem kleinen Ofen, den er mit Treibholz aus dem See befeuert. Was für viele nach wenig klingt, erfüllt Feltham mit einer tiefen Zufriedenheit, wenn er von ruhigen Stunden am Seeufer erzählt, sternklaren Nächten mit Lagerfeuern und, manchmal, den gespenstischen Nordlichtern, aber auch von vielen freundlichen Besuchern, die ihm interessiert viele Fragen stellen und oft auch seine Figuren und Zeichnungen von Nessie kaufen, um ihn bei seiner Lebensaufgabe zu unterstützen.

Auch Journalisten und Filmcrews aus aller Welt schauen regelmäßig bei ihm vorbei, und alle interessiert letztlich dann doch nur eine einzige Frage: Gibt es das Monster von Loch Ness nun, oder nicht? Ein ganz kleines bisschen ärgert sich Feltham dann doch darüber, denn in den 24 Jahren an den Ufern von Loch Ness hat er zwar nie beweisen können, dass Nessie existiert, aber eines hat er mit absoluter Sicherheit für sich herausgefunden: Wenn man einen Traum hat, egal wie bescheuert dieser für andere klingen mag, er es wert ist zu versuchen ihn wahr werden zu lassen. Egal, ob das Monster nun existiert oder nicht, man kann sagen, er hat bei seiner Suche vor allem sich selbst gefunden.

Ob er seine Entscheidung jemals bereut hat? Niemals, antwortet er darauf, nicht für eine Sekunde.
 

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