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Baden-Württemberg Software gegen Einbrecher: Polizei nutzt Digitalisierung zur Verbrechensbekämpfung

Auch die Polizei setzt auf die Vorteile der Digitalisierung. Baden-Württemberg hat eine Software zur Einbruchs-Vorhersage getestet, in Niedersachsen sammelt eine selbstentwickelte App Informationen über Einbrüche und schätzt die Gefahr für Wiederholungstaten ein.

Per App Einbrüche vorhersagen und stoppen – das klingt nach Science-Fiction, wird allerdings in einigen deutschen Polizeirevieren bereits getestet. In Niedersachsen haben die Gesetzeshüter eine entsprechende App entwickelt, die Informationen über Einbrüche sammelt und die Gefahr für Wiederholungstaten einschätzt. Seit 2015 wird eine ähnliche Software auch in Baden-Württemberg getestet. Ein Programm namens "Predictive Policing" (vorhersagende Polizeiarbeit) soll Beamte bei der Evaluierung von potenziellen Einbruchszielen helfen. "Die Software wurde etwa zwei Jahre erprobt. Die Ergebnisse werden derzeit vom Max-Planck-Institut der Uni Freiburg ausgewertet und gehen danach ans Innenministerium", sagt Ulrich Heffner, Pressesprecher des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg.

Heffner relativiert jedoch die Möglichkeiten der Vorhersehung, die dem Programm zugeschrieben werden: "Die Leute haben davon oft falsche Vorstellungen. Man kann damit keine Zukunftsvorhersage machen. Das System zeigt an, was ist. Es unterstützt die Beamten und verarbeitet sehr viele Daten." Das funktioniert folgendermaßen: In die Software werden Daten aus der Vergangenheit eingegeben, ebenso wie tagesaktuelle. Wie oft wurde in der jeweiligen Gegend schon eingebrochen, welche Werkzeuge wurden dazu benutzt, welche Beute gemacht? Damit lasse sich dann etwa erkennen, ob vielleicht Profis am Werk sind. "Erfahrungsgemäß ist es so, dass Einbrecher in einer Gegend, in der sie bereits zuvor erfolgreich zuschlagen konnten, wieder einbrechen werden", erklärt Heffner. Das System könne anzeigen, wo die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Einbruchs besonders hoch sei.

Predictive Policing lebt dabei vor allem von den eingespeisten Daten, die ständig und schnell aktualisiert und gepflegt werden müssen. "Neue Angaben über einen Einbruch in der Nähe, oder auch Angaben zu verdächtigen Personen müssen rasch ins System integriert werden", sagt der Polizeisprecher. Er betont: "Nicht die Software gibt alles vor, sondern das Bedienpersonal."

Die Testphase fand in Polizeirevieren in Stuttgart und Karlsruhe statt. Die Landeshauptstadt deckt dabei den großstädtischen Bereich, Karlsruhe mit Umland auch den ländlichen ab. Wie lange die Auswertung dauern wird und ob das System zum Einsatz kommen wird, darüber lasse sich noch keine Aussage treffen, sagt Heffner.

Seit Anfang Februar läuft bei der Polizeiinspektion in Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel sowie in Wolfsburg ein niedersächsisches Pilotprojekt. Das digitale Programm „PreMap“ (Vor-Karte) gibt den Polizisten mobil und zeitnah Informationen über Wohnungseinbrüche, die bis zu vier Wochen zurückliegen.

Die Informationen zu den Einbrüchen werden dabei, ähnlich wie in Baden-Württemberg, genutzt, um Prognosen über die Gefahr von Wiederholungstaten abzugeben. Es geht nicht darum, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Das würde die Polizisten zwar freuen, ist aber in den zehn Wochen, in denen das Projekt läuft, noch nicht vorgekommen. „Das Programm ist ein Teil unserer Präventionsarbeit gegen Einbrüche“, sagt Hauptkommissar Björn Hirsch von der Polizei Salzgitter. Es helfe vor allem bei der Vorbereitung und Planung der Streifenfahrten.

Früher mussten die Beamten in der Wache unzählige Papiere durchgehen und Tabellen sichten, bevor sie sich überhaupt in den Streifenwagen setzen konnten. Diese Arbeit erledigt jetzt das Programm. Hirsch und sein Kollege, Oberkommissar Arth, sind nach den ersten Wochen überzeugt, dass die App ihnen die tägliche Arbeit erleichtern wird.

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