China Endlich: Der Berliner Zoo bekommt wieder Pandas

Ab dem 24. Juni 2017 leben in der deutschen Hauptstadt wieder Pandas: China leiht dem Berliner Zoo für 15 Jahre die Bären Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen). Ihr zukünftiger Tierpfleger Christian Toll begleitet das tierische Pärchen im Flugzeug von China nach Deutschland. SÜDKURIER-Korrespondent Felix Lee war bei der ersten Begegnung dabei

Es ist das erste Mal und damit etwas ganz Besonderes. Tierpfleger Christian Toll wird sich künftig jeden Tag um diese Panda-Dame kümmern – es ist sein Beruf, und seine Gedanken dürften sich auch nach Feierabend um ihr Wohl drehen. Doch diese Berührung ist die erste in dieser Beziehung zwischen Meng Meng und dem Menschen, der künftig am meisten Verantwortung für sie tragen wird.

Die beiden haben einen guten Start an diesem Vormittag in der südwestchinesischen Stadt Chengdu. Meng Meng kommt ganz zutraulich ans Gitter, und als Toll seine Hand ausstreckt, reicht sie ihm ihre Tatze. Neugierig beschnuppert sie ihn. Die Blicke: vertraut, fast schon liebevoll. Zu Gesicht bekommen hatte der 34-jährige Tierpfleger vom Berliner Zoo die beiden Riesenpandas zwar vorher schon. Zum ersten Mal konnte er einen seiner beiden künftigen Schützlinge nun aber auch anfassen.

„Das war schon ein besonderer Moment“, gibt der ansonsten gelassen wirkende Tierpfleger aus Berlin-Pankow hinterher zu. „Er ist im Moment noch sehr ruhig und schläft viel“, ist sein Eindruck von Panda-Männchen Jiao Qing (Schätzchen). Sie sei „aufgeregter, aktiver, aber äußerst freundlich“, sagt er über Panda-Dame Meng Meng (Träumchen) und ergänzt: „Ich freue mich schon sehr auf die neue Aufgabe.“

Noch sind die beiden Riesenpandas im Quarantänebereich der Zuchtstation in Chengdu. Doch in dieser Woche werden sie in 1,40 Meter mal 1,40 Meter große Boxen aus Plexiglas verfrachtet und mit einer Cargo-Maschine nach Berlin geflogen. Am Samstag sollen sie in der deutschen Hauptstadt ankommen. Es wird das erste Mal seit 2012 sein, dass die extrem seltenen Bären wieder in einem deutschen Zoo zu sehen sein werden. Panda Bao Bao war bis zu seinem Tod im Jahr 2012 mehr als 30 Jahre lang ein Star des Berliner Zoos.

In China wird die Vergabe von Pandas wie eine Staatsaffäre behandelt. Nur an ausgewählte Tiergärten von „befreundeten Staaten“ werden diese vom Aussterben bedrohten Tiere verliehen, von denen in der freien Wildbahn nur noch rund 2000 Exemplare existieren – allesamt in China. Und das passiert auch nur, wenn der Staats- oder Regierungschef persönlich darum bittet. Von „Panda-Diplomatie“ ist daher die Rede. Nach Bao Baos Tod bat Kanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 um zwei Exemplare. Bei seinem Deutschlandbesuch am 5. Juli wird Chinas Staatspräsident Xi Jinping nun persönlich mit ihr das Panda-Paar den Berlinern präsentieren. Als „Zeichen der Freundschaft“, wie es in China offiziell heißt.

Trotzdem lässt sich China die Leihgabe gut bezahlen. Rund eine Million Euro Miete pro Jahr und Paar kostet sie. „Diese Summe war nicht verhandelbar“, berichtet Tierpfleger Toll. Das Geld soll in China in den Artenschutz fließen. Der Berlin-Aufenthalt für Meng Meng und Jiao Qing ist auf 15 Jahre angesetzt. „Im Rentenalter dürfen sie wieder zurück in ihre Heimat“, sagt deren bisheriger Pfleger Yin Hong, der beide aufgezogen hat. Etwas Wehmut ist aus seiner Stimme herauszuhören.

Dabei wird der chinesische Pfleger über das Wohl seiner Zöglinge informiert bleiben. Denn auch bei der Haltung macht China strenge Vorgaben. Diese sieht vor, dass in den ersten Monaten chinesische Pfleger bei der Eingewöhnung in Berlin dabei sind. Pfleger Toll muss zudem Protokolle führen und sie der Zuchtstation in Chengdu übermitteln. Selbst über den Stuhlgang will man dort informiert werden.

Kostspielig werden dürfte auch die Nahrung. 50 bis 60 Kilogramm frischen Bambus verputzen die Bären am Tag – und nur bestimmte Sorten. Zunächst einmal soll der Bambus aus den Niederlanden geliefert werden. Damit Meng Meng und Jiao Qing nicht auf ihr Panda-Brot verzichten müssen, hat Pfleger Toll in Chengdu einen Back-Kurs belegt. Aus verschiedenen Mehlsorten, Haferflocken und Erdnussöl bestehe das Gemisch, berichtet er. „Damit sie auch mal was anderes zu essen bekommen.“

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