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Ouagadougou Blutiger Terror erreicht Burkina Faso

Erneut hat ein Terrorkommando der Al-Kaida in Westafrika zugeschlagen. Die Fundamentalisten in der Sahel-Zone sind genauso grausam wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Bald ist die Bundeswehr in der Region stationiert.

Nun hat der islamistische Terror auch das bislang friedliche Burkina Faso erschüttert. Das arme westafrikanische Land, bekannt für die herzliche Gastfreundschaft der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung, liegt in einer volatilen Nachbarschaft.

In der Sahel-Zone sind verschiedene Gruppen aktiv, die Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) die Treue geschworen haben. Im Norden Burkina Fasos liegt das immer wieder von Dschihadisten heimgesuchte Mali, im Osten liegt der Niger. In dem Sahara-Staat sind im Norden sunnitische Fundamentalisten aktiv, im Südosten greifen immer wieder die Fanatiker der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram an.

In Burkina Faso, wörtlich übersetzt etwa das „Land der Unbestechlichen“, sollte es zuletzt endlich bergauf gehen. Ende 2014 wurde der Langzeitpräsident Blaise Compaoré aus dem Land gejagt, im November wurde eine neue Regierung demokratisch gewählt. Seither regiert der frühere Oppositionspolitiker Roch Marc Christian Kaboré.

Doch Burkina Faso ist einem UN-Index zufolge das fünftärmste Land der Welt. Kaboré kann sich also nicht über einen Mangel an Herausforderungen beklagen. Und jetzt auch noch Terrorismus.

Die Terrasse des Restaurants „Cappuccino“ war ein populäres Ziel für schöne Abendessen in der burkinischen Hauptstadt, das Gebäck der hauseigenen „Patisserie“ sehr beliebt. Nun ist das „Cappuccino“ ein Synonym für den brutalen islamistischen Terrorismus, der jeden treffen kann. Ähnlich wie bei den Anschlägen in Paris im November, schossen die Angreifer auf Restaurantbesucher. Deren einziges Vergehen war es, einen schönen Abend verbringen zu wollen.

26 Menschen bei Anschlag getötet

Die vermummten Attentäter hatten ihren Angriff im Geschäftszentrum Ouagadougous am Freitagabend gegen 19.30 Uhr Ortszeit (20.30 Uhr MEZ) begonnen. Nach bisherigen Erkenntnissen eröffneten sie zunächst das Feuer im „Cappuccino“ und griffen dann das gegenüberliegende Hotel „Splendid“ an. Mit 147 Zimmern gehört es zu den größten der Stadt uns ist bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebt.

Am Samstagmorgen begannen die Sicherheitskräfte, mit Unterstützung französischer Soldaten, das Hotel zu stürmen und die Geiseln zu befreien. Einer vorläufigen Bilanz zufolge wurden bei dem Anschlag 26 Menschen getötet, rund 150 weitere, die sich zeitweise in der Gewalt der Angreifer befunden hatten, wurden von den örtlichen Behörden versorgt.
Zu dem Anschlag bekannten sich Kämpfer der Gruppe Al-Murabitun, die AQMI die Treue geschworen haben, wie die US-Organisation Site mitteilte. Site ist darauf spezialisiert, Propaganda-Botschaften der Terrorgruppen zu beobachten. Die islamistischen Angreifer hätten sich verschanzt und würden gegen „Feinde der Religion“ kämpfen, hieß es demnach in einer Bekennerbotschaft. Al-Murabitun soll von dem bereits mehrfach für tot erklärten Al-Kaida-Führer Mokhtar Belmokhtar geleitet werden.

Der Angriff vom Freitag erinnerte stark an einen ähnlichen al-Kaida zugeschriebenen Anschlag vor knapp zwei Monaten in Malis Hauptstadt Bamako. Dort hatten sunnitische Fundamentalisten viele Menschen in einem bei Ausländern beliebten Hotel, dem „Radisson Blu“, als Geiseln genommen. Rund 20 Menschen wurden getötet.
Der neueste Anschlag in Burkina Faso kommt einer Demonstration der Stärke Al-Kaidas gleich. Zuletzt machte vor allem die brutale Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Schlagzeilen, etwa mit den Anschlägen von Paris. Auch der Anschlag im Touristenviertel in Istanbul diese Woche wurde dem IS zugeschrieben. Al-Kaida hatte zuletzt deutlich an Einfluss verloren, doch mit den Anschlägen von Bamako und Ouagadougou beanspruchen die Terroristen mit tödlichem Elan wieder die Vorherrschaft in der Sahel-Zone.

Al-Kaida und der IS teilen dieselbe radikale Dschihad-Ideologie und waren einst verbündet. Mittlerweile aber bekämpfen sie sich und ringen um die Vorherrschaft im weltweiten Kampf gegen die „Kreuzfahrer“. Mit dem Anschlag vom Freitag gelang es den Fanatikern der Al-Kaida nun, auch Burkina Faso in den Sumpf des Terrors hinabzuziehen.
Im benachbarten Mali, dessen von der Sahara geprägter Norden als Rückzugsort der Dschihadisten gilt, kommt es immer wieder zu Angriffen. In der unruhigen Region sollen demnächst bis zu 650 Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer UN-Friedensmission eingesetzt werden. Al-Kaida scheint dort aber zuletzt noch stärker geworden zu sein. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels hatte unlängst gewarnt, der Einsatz könne genauso gefährlich wie jener in Afghanistan werden.

Dort kamen bislang 55 deutsche Soldaten ums Leben. „Die Bundeswehr geht nicht dorthin, um gegen Terroristen zu kämpfen, aber sie kann dort auf Terroristen treffen. Das ist das Risiko“, sagt er.
 

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