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18.04.2012  |  0 Kommentare

Oslo Breiviks Fassade bröckelt

Die Staatsanwaltschaft nimmt die Gedankenwelt des Massenmörders Anders Behring Breivik Stück für Stück auseinander. Der fürchtet sich vor allem davor, in der Psychiatrie zu landen.

Anders Behring Breivik zwischen den Anwälten Vibeke Hein Baera und Odd Ivar Groen.  Bild: dpa



Breivik hat sich vor dem Gericht in Oslo allen Fragen zu Hintermännern oder Helfern seiner Bluttat verweigert. Die Staatsanwaltschaft versuchte am Mittwoch, Näheres über seine Kontakte zu anderen Rechtsextremisten und das angebliche Netzwerk der „Tempelritter“ zu erfahren. Der 33-Jährige reagierte unsicher, ausweichend und genervt. „Ich möchte keine Informationen geben, die zu weiteren Festnahmen führen könnten“, sagte er.

Breivik wirkte am dritten Prozesstag erschöpft und etwas resigniert. Immer wieder wurde deutlich, wie groß seine Sorge ist, dass seine Überzeugungen als Hirngespinste abgetan - und seine Taten damit als Verbrechen eines Geisteskranken eingestuft werden. „Ich hoffe, Sie legen weniger Gewicht darauf, mich lächerlich zu machen, und mehr auf die Sache“, sagte er an die Adresse der Staatsanwaltschaft.

Seine Aussagen gelten als wichtige Indizien zur Beurteilung seiner Zurechnungsfähigkeit. Der 33-Jährige muss sich für den Tod von 77 Menschen verantworten. Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Für seine Taten könnte er 21 Jahre ins Gefängnis kommen. Falls ihn das Gericht für geisteskrank erklärt, würde er in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Breivik, der die Taten zugibt, sich aber für nicht schuldig im Sinne der Anklage erklärt hat, darf noch bis zum Montag sein Weltbild erklären. Am Mittwoch konzentrierten sich die Staatsanwälte auf die Zeit von 2001 bis 2006, in der Breivik seinen Hass auf alles Multikulturelle und seine Ideologie entwickelte.

Er habe vor allem über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten im Ausland gesucht, um nicht von der Polizei entdeckt zu werden, erklärte der Angeklagte, der aber keine Details nennen wollte. Er soll einen gesuchten serbischen Nationalisten in Liberia getroffen haben. „Mein Eindruck war, dass die meisten militanten Nationalisten in Norwegen unter Beobachtung standen.“ Das sei für ihn ein großes Problem gewesen. Fragen nach etwaigen Kontakten oder Treffen vor den Anschlägen am 22. Juli 2011 wies er zurück.

Staatsanwältin Inga Bejer Engh machte deutlich, dass sie nicht an die Existenz der „Tempelritter“ glaubt. Auf alle Nachfragen etwa nach einer Gründungsveranstaltung wich Breivik aus. „Das möchte ich nicht kommentieren.“ Er sei Komandant einer Tempelritter-Zelle gewesen. „Das bedeutet, dass ich ein Fußsoldat war, der mit anderen verbunden war. Aber mehr will ich darüber nicht sagen“, betonte der 33-Jährige. „Sie versuchen zu zeigen, dass ich lüge und mir Dinge ausgedacht habe. Wir können genauso gut gleich zum Schluss kommen, dann brauchen Sie mich nicht lächerlich zu machen“, warf er der Staatsanwaltschaft vor.

Sein 1500 Seiten starkes Manifest betrachtet der Massenmörder als „Terrorschule“. Man müsse nicht sonderlich begabt sein, um Anschläge wie im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya zu begehen.

Zu Beginn der Befragung am Dienstag hatte sich Breivik mit der „spektakulärsten Operation eines militanten Nationalisten in Europa in diesem Jahrhundert“ gebrüstet und mit seinen Attentaten geprahlt, bei denen im vergangenen Sommer 77 Menschen in Oslo und einem Jugendcamp auf der Insel Utøya umkamen.

Im Internet findet seine Botschaft offenbar Unterstützer. Nach seiner menschenverachtenden Aussage vom Dienstag sei die Debatte auf der Facebook-Seite „Stoppt die Islamisierung Norwegens“ hochgekocht, berichtete der Fernsehsender TV2 am Mittwoch. Viele hätten offen geschrieben, dass sie Breiviks Gedanken unterstützten, die Terrorakte vom 22. Juli 2011 aber nicht befürworteten. Die Seite „Stoppt die Islamisierung Norwegens“ hat auf Facebook bereits rund 10 000 Anhänger.
 

Anschlag: Terror in Norwegen

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