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Kultur Joanne K. Rowlings neuer Roman: Ausgeklügelte PR-Strategie

29.09.2012
Kulturredakteur Siegmund Kopitzki über die Geheimniskrämerei um Joane K- Rowlings neuem Roman "Ein plötzlicher Todesfall"
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Haben Sie schon das neue Buch von J.K. Rowling gekauft? Online oder im Buchladen um die Ecke? Aber noch nicht gelesen! Na gut, nahezu 600 Seiten, das macht man nicht in ein paar Stunden. Die Medienhäuser wurden beliefert. Auch unsere Kulturredaktion erhielt ein Freiexemplar. Der „plötzliche Todesfall“ trudelte am Donnerstagnachmittag ein. Da machte der Beipackzettel keinen Sinn mehr: „Achtung!“, stand da fett gedruckt, „Nicht öffnen vor dem 27.9.2012, 9.00h !!!“. Und weiter: „Wir möchten Sie sicherheitshalber nochmals darauf hinweisen, dass entsprechend der von Ihnen unterzeichneten Verpflichtungserklärung es vor dem 27.9.2012, 9.00h, nicht erlaubt ist, die Verschweißung der einzelnen Bücher zu entfernen, das Buch zu dekorieren, den Inhalt des Buches zu lesen oder jemandem zum Lesen zugänglich zu machen (sowie) das Buch an Kunden abzugeben oder anderweitig in Umlauf zu bringen…“. Andernfalls werde eine Konventionalstrafe von 1000 Euro pro Exemplar erhoben. Weitere Schadenersatzforderungen könnten folgen…

Dabei hatten wir nicht einmal eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet. Der Beipack galt dem Buchhandel, der sich geordnet an das Diktat gehalten hat, hinter dem eine ausgeklügelte PR-Strategie steckt. Aber auch die Redaktionen und berufsmäßigen Rezensenten hielten sich – nolens volens – an den Maulkorberlass und ergo an den offiziellen Verkaufsstart. Nur das US-Magazin „The New Yorker“ und die britische Tageszeitung „The Guardian“ durften in das Manuskript des ersten Romans für Erwachsene der Harry-Potter-Autorin Rowling schauen.

Was wäre eine weltweit gut geölte Werbekampagne, wenn nicht ein paar Blicke durchs Schlüsselloch erlaubt wären? Sie heizen den Hype an. Schließlich geht es um viel Geld – die britische Auflage des Romans beträgt zwei Millionen Exemplare, in Deutschland wurden bisher 500 000 Bücher ausgeliefert.

Das sei das geheimste Buch, das sie je gemacht habe, wird Rowlings deutsche Verlegerin zitiert. Zum Geheimplan gehörte, dass die Laptops der beiden Übersetzerinnen mit dreifachen Codewörtern gesichert und mit einem Sicherheitsschloss am Schreibtisch angekettet wurden. In der Druckerei gab es Taschenkontrollen für die Mitarbeiter und die Auslieferung erfolgte in verplombtem Lastwagen – wie schon bei den „Harry-Potter“-Bänden.

Das Buch erfährt die größte Kampagne, die es je im Buchmarkt gab, heißt es. Die Medien sind ein Bestandteil der Kampagne, sie wissen das… Ob die Erfolgsrechnung aufgeht? In Großbritannien wurden bei den Buchmachern Wetten darauf abgeschlossen, dass „The Casual Vacancy“ insgesamt mehr als 30 Millionen Mal verkauft wird. Unmöglich? Zum Vergleich: Die sieben „Potter“-Bände haben inzwischen eine Auflage von 450 Millionen Exemplaren.

Und was sagt der Handel? De r große Ansturm auf den Roman sei hierzulande ausgeblieben. Schau'n mer mal, was da noch kommt…

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