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26.05.2012  |  von  |  0 Kommentare

Kultur Warten auf den Traum

Das Radio String Quartet Vienna blieb in der Singener Gems unter seinen Möglichkeiten

Ein Streichquartett auf der Jazzbühne: Das Radio String Quartet Vienna gastierte in der Singener Gems.  Bild: Klaus Schielke

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Redakteurin Kultur / Kolumnistin

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Ein Streichquartett auf der Jazzbühne – das ist ja ein eher seltener Anblick. Möglich wurde er nun in der Singener Gems, wohin der örtliche Jazzclub das Radio String Quartet Vienna eingeladen hatte. Eine klassische Streichquartettbesetzung, jazzrocktauglich verstärkt, bewegt sich, musikalisch gesehen, zwischen allen Stühlen. Und genau das macht solche Projekte ja auch so spannend.

Da keine Genregrenzen im Weg stehen, kann sich das Radio String Quartet überall bedienen: Bei Franz Liszt genau so wie bei Joe Zawinul, bei dem verstorbenen e.s.t.-Kopf Esbjörn Svensson oder einfach im Folk. Und man weiß ja aus eigener Erfahrung, dass gerade der „fachfremde“ Blick von außen erfrischend und erhellend sein kann. Auf ihrer aktuellen CD „radiodream“ berufen sich die vier Musiker und Musikerinnen Bernie Mallinger und Igmar Jenner (Violine), Cynthia Liao (Viola) und Asja Valcic (Cello) auf so unterschiedliche Quellen wie den Mystery-Kino-Thriller „Inception“, Billie Holiday oder Hollywood-Klassiker. Auch eine „Ode an den Freud“ ist dabei, um den man – wie Mallinger in der Gems erklärt – in Wien einfach nicht drumherum kommt. Entsprechend möchte das Quartett sein gesamtes Opus „radiodream“ als traumartige Reise durch das Unterbewusstsein verstanden wissen.

So weit, so spannend. Beim Live-Spiel allerdings wollte sich der Eindruck der Vielschichtigkeit dann doch nicht so uneingeschränkt bestätigen. Letztlich verwundert, wie sehr sich die Arrangements doch ähneln – trotz der zweifellos großen dynamischen Spannbreite, die das Quartett bietet. Oft stimmen sich drei der Musiker mit repetitiven Pattern auf ein Begleitmuster ein, über das das Soloinstrument eine thematische Linie zieht.

Hin und wieder klingt dann das amerikanische Kronos Quartet als Vorbild durch, etwa in Reminiszenzen an Steve Reichs „Different Trains“. Zu häufig allerdings wartet man darauf, dass nun wirklich etwas Außergewöhnliches passiert – eine virtuose Waghalsigkeit, ein skurriler Einfall, ein atemberaubendes Arrangement oder ein besonders emotional aufgeladener Moment. Stattdessen wollte an diesem Abend das Gefühl nicht weichen, dass die Musiker hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben.

Vielleicht lag es auch an der achtstündigen Anfahrt nach Singen, von der Mallinger dem Publikum berichtete. Jedenfalls schien das Quartett im ersten Teil eine recht lange Anlaufzeit zu benötigen, bis es sich und auch das Publikum in Wallung gebracht hatte. Und selbst das blieb ein Intermezzo – der zweite Konzertteil bewegte sich wieder auf einem eher moderaten Level. Ohne Ausfälle, aber auch ohne wirkliche Höhepunkte.

Das Gems-Publikum belohnte das Konzert mit entsprechend freundlichem, aber keineswegs enthusiastischem Beifall.

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