In den sieben Jahren ihres Bestehens hat sich die art Karlsruhe von einer der zahlreichen, mehr oder minder provinziellen Kunstmessen, die im letzten Jahrzehnt im Schatten großer Standorte wie Basel und Köln gleich Pilzen aus dem Boden schossen, zu einer ernst zu nehmenden Veranstaltung gemausert, mit der sich zwischenzeitlich sogar renommieren lässt. Für Britta Wirtz von der Messe Karlsruhe bekommt der Messestandort Karlsruhe durch Erscheinungen wie die art erst „ein Gesicht“. Die Kunstmesse vor den Toren der Fächerstadt stellt für sie eine Bereicherung des – wie es auf gut Neudeutsch heißt – „Kreativstandorts Karlsruhe“ dar.
Ihren beachtlichen Stellenwert verdankt die Karlsruher Kunstmesse einerseits der nach bescheidenen Anfängen mittlerweile erreichten schieren Größe. Was die Zahl der Aussteller wie die der Besucher angeht, ist die art Karlsruhe von Jahr zu Jahr kontinuierlich gewachsen. Inzwischen ziehen – dies die Zahlen von 2010 – über 200 Galerien mehr als 43 000 Besucher in die vier riesigen Messehallen. Auch in diesem Jahr wird ein ähnlicher Besucherandrang erwartet. Andererseits hat die art mit originellen Präsentationsformen wie den raumgreifenden, gleich Lichtungen zwischen den dicht an dicht gepflanzten Ausstellerkojen gesäten Skulpturenplätzen sowie mit Einrichtungen wie den One-Artist-Shows (für sie haben Stadt und Land inzwischen sogar einen Preis ausgelobt) ihr Profil geschärft.
Weil die numerischen Wachstumsgrenzen inzwischen erreicht sind, verspricht Ewald Karl Schrade, Galerist, Geburtshelfer und Kurator der art Karlsruhe in Personalunion, anstelle von quantitativen Zuwächsen in Zukunft „noch mehr Qualität und Vielfalt“. In der Tat: Mit den aus rund 350 Bewerbern ausgewählten 212 Ausstellern aus zehn Nationen (die weiteste Anreise hatten zweifellos die vier Galeristen aus Seoul), die bei der 8. art Karlsruhe noch bis Sonntag Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart zum Verkauf bieten, scheint eine Obergrenze erreicht. Dass 46 Aussteller erstmals auf der Art vertreten sind – darunter der angesehene Wiener Galerist Ernst Hilger, Nothelfer aus Berlin feiert bei der art sogar das vierzigjährige Bestehen seiner Galerie –, darf als eine Art Frischzellenkur unter der Rubrik Qualitätssteigerung verbucht werden. Neu ist auch die „art Nacht Karlsruhe“: Am Samstag haben Museen und Galerien bis Mitternacht geöffnet.
Schwerpunkte der diesjährigen art Karlsruhe sind stets die klassischen Genres Malerei, Grafik und Skulptur; Fotokunst ist eher spärlich, Medien- und Installationskunst sind dagegen fast gar nicht vertreten. Ein Leuchtturm der klassischen Moderne wie die Galerie Henze & Ketterer aus Bern bietet das gewohnte Spektrum, vor allem expressionistische Malerei und Grafik von Ernst Ludwig Kirchner (dessen Aquarell „Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster“ kostet 120 000 Euro) bis zu Karl Schmitt-Rottluff (für seinen Holzschnitt „Frau in den Dünen“ muss der Käufer 24 000 Euro berappen). Gilden's Arts Gallery aus London hat Grafik von Picasso und Chagall im Sortiment, aber auch die schwermütig-schöne impressionistische Pastellzeichnung „Landschaft in Thüringen“ von Lesser Ury (18 000 Euro). Einen schönen lithografischen Frauenakt von Matisse gibt's bei Schumacher aus Frankfurt für 9800 Euro.
Auch die Region ist gut vertreten: Die Galerie Schloss Mochental aus Ehingen bespielt einen Skulpturenplatz mit den in ihrer archaisierenden Formensprache unverwechselbaren figürlichen Bronzeplastiken von Dietrich Klinge – Wohlhüter aus Leibertingen-Thalheim einen anderen Platz mit Jürgen Knubbens geometrisierenden rostigen Eisenguss-Skulpturen. Titus Koch aus Gottmadingen-Randegg zeigt hinreißende Malerei von Dieter Krieg, die Konstanzer Galerie Geiger neben zeitgenössischen Malern auch solche der Klassischen Moderne wie Max Ackermann und Anton Stankowski. Gestische Abstraktionen in Öl von Helmut Sturm wechseln am Stand der Galerie Wesner aus Konstanz mit wandfüllenden Kompositionen von Nilola Dimitrov und zartfarbigen Acrylbildern von Silke Blomeyer. Die Galerie Bagnato, ebenfalls aus Konstanz, hat großformatige Grafiken von Davor Ljubicic und Blätter etwas kleineren Formats von Herbert Zangs mitgebracht. Aus dem Bodenseeraum angereist sind darüber hinaus auch die Konstanzer Galerien Grashey und Geiger sowie die Galerie Kränzl aus Gaienhofen-Horn.
8. art Karlsruhe, noch bis 13. März, Messe Karlsruhe, Messeallee 1. Täglich 12–20 Uhr, Sonntag 11–19 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro, erm. 12 Euro, 3-Tages-Ticket: 30 Euro.
