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02.10.2013  |  von  |  0 Kommentare

Kultur Popstar der Geige locker vom Hocker

Warten auf David Garrett. Die Fans des Popstars der Klassik, die im proppevollen Musiksaal des Basler Stadtcasinos auf ihr Idol hinfiebern, darunter auffallend viele junge Zuhörerinnen, müssen sich bei der Saisoneröffnung des Basler Sinfonieorchesters in Geduld üben.

Der Violinist David Garrett, hier ein Archivbild, gastierte in KonzertBasel.  Bild: dpa



Den ersten Teil des Konzerts gestaltet das Orchester allein. Chefdirigent Dennis Russell Davies nutzt die Gunst der Stunde, verwöhnt sein Publikum mit einem atmosphärischen Foxtrott für Orchester vom „Nixon in China“-Komponisten John Adams und fordert es mit Witold Lutoslawskis Konzert für Orchester, einem aufwühlenden Schlüsselwerk der Moderne. Davies erklärt Motive, Themen und Aufbau des Werks mit Hörbeispielen, um den unerfahreneren Klassikhörern besseren Zugang zu verschaffen.

Als sich der Saal nach der Pause wieder füllt, steht ein rotsamtener Barhocker auf dem Podium: Requisit für die optische Show, welche Garretts Fangemeinde wohl auch erwartet. Der smarte 33-Jährige mit der extravaganten Zopffrisur setzt sich darauf und spielt locker vom Hocker ein Gipfelwerk der klassischen Violinliteratur: Brahms großes romantisches Violinkonzert. Aber vom lässigen Auftreten, mit dem er dem Image des Crossover-Entertainers gerecht wird, sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn Garrett ist mehr. Er ist ein Virtuose, der Brahms schwieriges Violinkonzert technisch mühelos hinlegen kann und mit Läufen und Doppelgriffen beeindruckt. Auch wenn er in beiden Welten lebt, im Rockpop und in der Klassik, also ein Grenzgänger zwischen E und U ist, ist seine Heimat doch die Klassik. Und Crossover für ihn wie eine Urlaubsreise, von der man irgendwann wieder heimkehrt.

Und nun also Brahms. In den lyrischen Passagen spielt der Kultgeiger emotional dicht, holt zarte Klangfarben aus seiner Geige. Die Kadenz im ersten Satz gelingt ihm spieltechnisch perfekt, denn Garrett ist ein absoluter Perfektionist, und hier darf er sich auch einige Freiheiten herausnehmen. In den langsameren und leiseren Passagen erzeugt er eine schöne romantische Stimmung – David Garrett, ein Stimmungsgeiger. Klug kalkulierend nimmt Dennis Russell Davies sein hervorragend instruiertes Basler Sinfonieorchester stark zurück, gibt dem schlanken Ton von Garretts hell klingender Geige genügend Raum. Und das sonst verpönte Klatschen zwischen den Sätzen war ausdrücklich erlaubt.

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