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Bamako (dpa) Zerstörung von Kulturgütern in Timbuktu

29.08.2012
Es ist verrückt, einfach verrückt», sagt Samuel Sedibe, der Direktor von Malis Nationalmuseum. Er hat Bilder von zerstörten Mausoleen und Gebetsstätten vor Augen. Die Bevölkerung fleht und das Ausland protestiert. Trotzdem schlagen Radikalislamisten in Timbuktu das Kulturerbe des Landes kaputt.
Timbuktu

Das Minarett einer aus Lehm gebauten Moschee in Timbuktu. Foto: UN Foto/Evan Schneider  Bild: Foto: dpa

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Es entspricht nicht ihren Vorstellungen vom Islam. «Das ist unsere Geschichte. Zu denken, dass man die Vergangenheit verdammen müsse, ist furchtbar. Als ob man sagen würde, wir haben früher nicht existiert», klagt Sedibe.

Die Fanatiker der Islamistengruppe Ansar Dine legen die muslimischen Scharia-Gesetze besonders streng aus und betrachten die Verehrung der Stätten als unislamisch. Ein gutes Dutzend Kulturdenkmäler in der Handelsstadt Timbuktu am Niger-Fluss haben sie schon verwüstet. Die Al-Kaida-Unterstützer vergehen sich nicht nur an den Mausoleen, sondern auch am Glauben und den Traditionen der Einwohner, meint Sedibe. «Sie haben die Seele der Menschen zerstört.»

Das im 11. Jahrhundert von Tuaregvölkern gegründete Timbuktu diente als Bindeglied zwischen dem Mittelmeerraum und Westafrika und war Ausgangspunkt für die Islamisierung der Region. Im 14. Jahrhundert ließ der mächtige König Mansa Musa Gebets- und Lehrstätten erbauen, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Eine der wichtigsten ist die Djinger-ber-Moschee. Das Gotteshaus aus Lehm wurde teilweise verwüstet. Die Fanatiker benutzten Schaufeln und Äxte für ihr Zerstörungswerk.

Es war es eine Rebellion der Tuareg, die - mit Unterstützung von Ansar Dine und anderen Islamisten - den Norden Malis der Kontrolle der Regierung entriss. Im Juni besiegten die Islamisten ihre ehemaligen Verbündeten und führten in den Städten strenge Scharia-Regeln ein. Das Vorgehen der Islamisten erinnere ihn an die Zerstörung der Buddhastatuen von Bamian durch die Taliban in Afghanistan, sagt Sedibe. «Die Welt sagte damals: Diese Stätten sind wichtig. Also haben die Taliban sie zerstört. Das Gleiche passiert hier.» UNESCO-Experten versuchen bislang vergeblich, in den Norden Malis zu reisen, um zu sehen, was noch zu retten ist.

Für viele Einwohner Malis verstößt die Zerstörung der Grabstätten gegen ihre Kultur. «Wir tragen alle Glücksamulette oder etwas zur Abwehr böser Geister. Aber wir sind trotzdem Muslime», sagt etwa ein Regierungsbeamter. Der Goldminenbesitzer Aliou Boubacar Diallo ist wütend: «Timbuktu ist ein Ort, der für mich und alle Einwohner Malis wichtig ist», sagt er. «Es ist ein Symbol für Frieden und Einheit».

«Der Islam, den diese sogenannten Islamisten uns aufzwingen wollen, ist völlig anders als der traditionelle Islam in Timbuktu. Er ist viel zu radikal», sagt Diallo. «Der Prophet Mohammed selbst hätte diese Art von Islam nicht akzeptiert. Die Rebellen greifen unsere muslimischen Brüder an. Das ist inakzeptabel.»

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